Sportartikel

Adidas hofft auf anziehendes Geschäft in Japan

Japan ist ein wichtiger Markt für hochwertige Kleidung. Nach dem Tsunami gingen die Geschäfte zurück. Doch der Aufbauwille der Japaner sprengt die Erwartungen.

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Die deutschen Sportartikelhersteller fassen in Japan nach der verheerenden Naturkatastrophe schneller als erwartet wieder Fuß. Der führende europäische Hersteller Adidas gab bekannt, dass sich der Markt schneller als geplant erholen wird. "Der Wille der Japaner, sich wieder vom Desaster zu erholen, ist inspirierend", sagte Firmenchef Herbert Hainer. Statt des erwarteten Umsatzrückgangs von 15 bis 25 Prozent würden die Erlöse im laufenden Jahr nur im einstelligen Bereich sinken. Von den 300 durch den Tsunami zerstörten Geschäften japanischer Handelspartner habe mittlerweile die Hälfte wieder eröffnet.

Die Naturkatastrophe vom März in Japan hat eigentlich Schlimmeres erwarten lassen. Japan gilt als einer der weltweit wichtigsten Märkte für hochwertige Markenkleidung und Luxusgüter. Experten hatten befürchtet, dass das Erdbeben das Wachstum deutlich zurückwerfen sowie die Konsumlust empfindlich treffen könnte.

Der Aufbauwille der Japaner überrascht derzeit mehrere Produzenten. So hatte Puma-Chef Franz Koch Ende Juli gar ein Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich in Japan verkündet. Der Herrenmodehersteller Hugo Boss erwartet, dass sich die Wirtschaft in Japan im Jahresverlauf stabilisieren wird. Der Konsum dürfte infolge eines erwarteten Wirtschaftswachstums anspringen, sagt Armando Branchini von der auf Luxusgüter spezialisierten Mailänder Unternehmensberatung Intercorporate.

Die guten Verkaufszahlen haben allerdings auch ihre Schattenseite. Sie scheinen stark von Preisnachlässen getrieben zu sein. Adidas-Chef Hainer etwa hat sich erst vor zwei Wochen mit 60 bis 70 japanischen Händlern getroffen, um darüber zu sprechen, wie Überbestände in den Lagern abgebaut werden können. Die dabei gewährten Rabatte schlagen sich nun auch auf das Ergebnis durch. "Wir erwarten starken Gegenwind bei der Profitabilität", erklärte Hainer. Dennoch sei das Japan-Geschäft profitabel und werde auch für das Gesamtjahr einen Gewinn aufweisen.

Mit Preisnachlässen hat Japan ein Alleinstellungsmerkmal der Branche. Denn auf allen anderen Märkten versuchen die Sportartikelhersteller Preiserhöhungen durchzusetzen. Damit reagieren sie auf die stark angezogenen Rohstoffpreise etwa für Baumwolle und Naturgummi.

Gewinnspanne bei Adidas steigt

Adidas zufolge akzeptieren die Kunden die höheren Kosten. Die Bruttomarge des Konzerns stieg im zweiten Quartal 2011 leicht auf 49,2 Prozent, teilte Hainer mit. Weniger erfolgreich ist der Rivale Puma, der zuletzt eine geringere Gewinnspanne verkündet hat.

Adidas überraschte unterm Strich die Erwartungen der Marktexperten. Ergebnistreiber war vor allem das Einzelhandelsgeschäft sowie die Märkte China und Nordamerika. Allein im Reich der Mitte sei der Umsatz binnen Jahresfrist um über 40 Prozent geklettert, hieß es. In Westeuropa betrug das Plus den Angaben zufolge zehn Prozent. Auch die einst angeschlagene Tochtermarke Reebok komme zusehends auf die Beine, in den ersten sieben Monaten sei deren Umsatz um 14 Prozent gewachsen. "Egal ob man unsere Ergebnisse nach Segmenten, Regionen oder Marken betrachtet: Unser Geschäft läuft in jeder Hinsicht hervorragend", sagte Hainer.

Angesichts der guten Entwicklung hob der Vorstandschef die Prognose für das laufende Jahr an. So rechnet er damit, dass im laufenden Jahr die Erlöse währungsbereinigt um mindestens zehn Prozent statt nur im einstelligen Bereich zunehmen werden. Der Ertrag soll bei etwa 650 Mio. Euro liegen und damit deutlich über dem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008. Die langfristigen Ziele indes bestätigte Adidas. Die Entwicklung im ersten Halbjahr sei "ein klarer Beweis dafür, dass unsere Kurz- und Langzeitziele nicht nur ambitionierte Bestrebungen sind, sondern sehr realistisch und sehr erreichbar", kommentierte Hainer. Dem aktuellen Strategieplan zufolge möchte er bis 2015 einen Umsatz von 17 Mrd. Euro erzielen.

Den Spurt aus der Krise nutzt Adidas nach eigenen Angaben aus, um den Rivalen Marktanteile abzunehmen. Die Zugewinne in den Kernkategorien des Unternehmens seien "signifikant", sagte Hainer. Konkrete Zahlen nannte er allerdings nicht. Anleger reagierten positiv auf die Ergebnisse. Die Aktie des Dax-Unternehmens mit weltweit gut 46.300 Mitarbeitern stieg in einem schwachen Marktumfeld um mehr als drei Prozent.