Metro-Gruppe

Trübe Bilanz von Media-Saturn heizt Machtkampf an

Die Elektronikketten Media-Saturn bremsen das Wachstum der Metro-Gruppe. Konzernchef Cordes hat bereits einen Schuldigen gefunden.

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Der Machtkampf um Media-Saturn überschattet die Online-Offensive der Elektronikketten. Metro-Chef Eckhard Cordes warf dem Media-Saturn-Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals vor, die Geschäftsführung der Ketten zu schwächen. Kellerhals habe dem Zukauf von zwei kleinen Internetfirmen nicht zugestimmt, sagte Cordes bei der Vorlage von Quartalszahlen.

Er sehe zwar keine generelle Blockade bei Media-Saturn durch Kellerhals. Aber dessen Votum sei nicht im Interesse das Managements. Die beiden Übernahmen sollte eigentlich schon in trockenen Tüchern sein. Ein Sprecher von Kellerhals bestätigte zwar die Ablehnung dieser beiden kleineren Zukäufe. Der Media-Markt-Gründer sei zwar ein Verfechter der Online-Strategie, betonte er. Kellerhals wolle aber verhindern, dass mehrere Zukäufe auf einmal zu viele Kapazitäten der Geschäftsführung binden könnten.

Mehrheitseigentümer der Media-Saturn-Holding (Ingolstadt) ist der Düsseldorfer Handelsriese Metro AG mit gut 75 Prozent. Die Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel halten die restlichen Anteile. Kellerhals und Metro streiten derzeit vor Gericht. Der Media-Markt-Gründer sieht seine Mitspracherechte durch einen neuen Beirat in Gefahr, den die Metro einberufen will. Media Markt und Saturn blasen zur Aufholjagd im Internet. Dazu wurde in diesem Jahr das Aschaffenburger Unternehmen Redcoon übernommen. Zudem werden die Ketten eigene Onlineshops eröffnen.

Nach dem Kappen der Umsatzerwartungen fasst Metro nun auch seine Ergebnisprognose für 2011 nur noch mit spitzen Fingern an. Probleme bei der Tochter Media-Saturn und die Auswirkungen der Schuldenkrise auf die Verbraucher setzen dem Handelsriesen zu. Das „Chancen-Risiko-Profil“, ein Ergebniswachstum vor Sonderfaktoren von zehn Prozent zu erreichen, habe sich „nachteilig verändert“, räumte Finanzchef Olaf Koch ein.

Nur bei einer „weiteren Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ sei dieses Jahr das Ziel umzusetzen – obgleich Koch die Prognose bekräftigte. Derzeit deuten Konjunkturindikatoren jedoch auf eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums hin. Erst vor wenigen Tagen hatte Metro bereits seine Umsatzprognose für das laufende Jahr gekippt.

Stagnierende Umsätze und ein Minus bei der über Jahre erfolgsverwöhnten Tochter Media-Saturn ließen den Konzern im zweiten Quartal nicht in Schwung kommen. „Ich habe immer vor dem süßen Gift des Erfolgs gewarnt“, betonte Metro-Chef Cordes mit Blick auf die Ingolstädter Tochter. Deren Geschäftsergebnis sei „absolut nicht akzeptabel“.

Metro-Aktie größter Dax-Verlierer

An der Börse reagierten die Anleger mit Verkäufen auf die Geschäftsentwicklung bei Metro. Die Aktie verlor im frühen Geschäft 3,5 Prozent auf 36,47 Euro und war mit Abstand der größte Verlierer im Leitindex Dax. „Das war durch die Bank eine Enttäuschung“, sagte ein Händler. „Media/Saturn macht Metro offenbar mehr Kopfschmerzen als sie bislang zugeben wollten.“

Das Ergebnis im zweiten Quartal verfehlte denn auch die Erwartungen der Analysten. Bei einem stagnierenden Umsatz von 15,7 (Vorjahr: 15,7) Milliarden Euro schrumpfte der operative Gewinn (Ebit) vor Sondereffekten auf 306 (334) Millionen Euro. Nach Sonderfaktoren blieb ein Ebit von 267 (252) Millionen Euro. Der Nettogewinn sank auf 40 (44) Millionen Euro.

Von Reuters befragte Analysten hatten bei einem Umsatz von 15,85 Milliarden Euro einen operativen Gewinn vor Sondereffekten von 327 Millionen Euro und einen Überschuss von 95,5 Millionen Euro erwartet. Die Euro-Krise und die damit einhergehenden Sparprogramme vor allem in Südeuropa hatten den Verbrauchern zuletzt die Kauflaune vermiest, was besonders die Handelskonzerne zu spüren bekommen hatten. Konkurrent Carrefour hatte im Halbjahr wegen schwacher Geschäfte in seinem französischen Heimatmarkt einen Gewinneinbruch verkraften müssen. Metro bereitet vor allem die Tochter Media-Saturn Sorge, die von April bis Juni einen operativen Verlust vor Sonderfaktoren von 44 Millionen Euro schrieb.

Metro werde die „Herausforderungen“ bei Media-Saturn nun „mit Nachdruck“ angehen, kündigte Cordes an. Metro setzt auf eine Besserung im zweiten Halbjahr – und hier vor allem auf das letzte Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Die anderen Töchter – die Cash&Carry-Großmärkte sowie die Ketten Real und Kaufhof – konnten ihre Zahlen von April bis Juni leicht verbessern.

Europas größte Elektromarktkette setzt nun auf eine Online-Offensive , um verlorenen Boden gutzumachen. Nach langem Zögern sollen sowohl Saturn als auch Media Markt eigene Shops im Internet erhalten, wo beispielsweise Platzhirsch Amazon.com Kaufkraft aus den realen Läden abzieht. Im Jahr 2015 soll der Umsatz aus dem Online-Bereich bei fünf Milliarden Euro liegen.

Begleitet wird der Gang ins Internet von einem Sparprogramm, dem rund 3000 Stellen zum Opfer fallen sollen. Zudem will Madia-Saturn die Preise senken, um wieder mehr Kunden in die Märkte zu locken. Cordes hat im Gesamtkonzern bereits auf die Kostenbremse getreten. In den ersten sechs Monaten 2011 seien 8000 Stellen abgebaut worden.

Ungeklärt ist weiter die Zukunft der Töchter Real und Kaufhof. Die beiden Ketten hat Cordes ins Schaufenster gestellt - doch bislang hat noch kein Investor zugeschlagen. Zuletzt dementierte Metro Berichte, der spanische Warenhausriese El Corte Ingles stehe vor einem Einstieg bei Kaufhof. Auch Bei Real hat Cordes noch keinen Interessenten gefunden, der die gesamte Kette übernehmen würde. Der Metro-Chef sieht sich aber nicht unter Zeitdruck – denn beide Ketten entwickelten sich unter dem Dach der Metro gut, betonte er.