Stellenabbau

Die Telekom muss den Sparkurs mit Bedacht verfolgen

Telekom-Chef René Obermann setzt den Rotstift an. Das ist notwendig und sinnvoll – solange er nicht am falschen Ende spart.

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Grundsätzlich ist es nicht unbedingt eine schlechte Idee, bei Stellenstreichungen auch einmal das Top-Management zu berücksichtigen. Denn vor ihren Kunden hat die Telekom kein Management-Problem. Es ist ihr Service, der vielen Nutzern nicht passt. Allzu häufig hat die Telekom in den vergangenen Jahren dort gespart, wo es dem Kunden wehtat. Ein solches kurzfristiges Denken kann sich kein Dienstleistungskonzern auf Dauer leisten.

Deswegen tut Telekom-Chef René Obermann gut daran, den Service und den Vertrieb zu stärken. Wenn das auf Kosten des Managements geht, ist das zu verkraften. Für den Chef werden die kommenden Wochen sicherlich nicht einfach. Denn plötzlich fühlt sich seine direkte Umgebung auf den Prüfstand gestellt. Und Angst ist ein schlechter Geselle für das Betriebsklima – das gilt auch für die Bonner Zentrale.

Dynamische Veränderung des Konzerns

Der Konzern hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch verändert, er hat Sparten zusammengelegt, Geschäftsfelder zurechtgeschnitten und ist gerade dabei, mit T-Mobile USA ein Viertel seines Umsatzes abzustoßen. Und er hat in Südosteuropa kräftig dazugekauft. Dass diese Veränderungen sich auch in der Konzernzentrale widerspiegeln müssen, ist verständlich. Dass die Anpassung so lange dauert, ist sicherlich vor allem dem Beharrungsvermögen von Managern zuzuschreiben.

Obermann hat sich gegen Umsatzgröße und für Profitabilität entschieden, als er den Verkauf von T-Mobile USA verkündete. Das ist für einen Konzernchef keine Selbstverständlichkeit, verkleinert er doch vermeintlich seinen Machtbereich.

Der Aktie hat diese Entscheidung gut getan, auch wenn der Verkauf in Amerika noch längst nicht unter Dach und Fach ist. Doch nun muss Obermann an die Zukunft denken. Und die sieht nicht unbedingt nach Wachstum aus. Viele seiner Märkte sind gesättigt, und dort, wo noch etwas machbar wäre, wie in Südosteuropa, steht es nicht gut um die Konjunktur.

Obermann treibt Sparbemühungen voran

Gerade deswegen treibt der Telekom-Chef seine Sparbemühungen voran. Denn vorerst kann er nur bei der Profitabilität punkten, und dafür müssen die Kosten sinken. Das Personal ist der größten Kostenblock im Konzern. Die Finanzmärkte haben den US-Verkauf honoriert. Doch die Börse ist vergesslich und muss stetig überzeugt werden, damit der Kurs nicht schwächelt.

Dem Telekom-Chef bleibt daher gar nichts anderes übrig, als den Rotstift anzusetzen. Die Kunst dabei ist, künftiges Wachstum nicht zu gefährden. Das geschieht, wenn am falschen Ende gespart wird. Das falsche Ende wären in diesem Fall vor allem zwei wichtige Sparten: Innovationen und Service. Denn alte Produkte, Ärger und lange Wartezeiten verzeihen die Kunden nicht – egal wie profitabel am Ende das Unternehmen ist.