Stellenabbau

Telekom spart rund 1600 Jobs in Bonner Zentrale ein

Der Personalabbau bei der Telekom tritt in eine neue Phase. Jetzt müssen auch Manager gehen. Abfindungen bis zu 250.000 Euro sind möglich.

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Die Deutsche Telekom steht vor einem tief greifenden Umbau der Konzernzentrale in Bonn, bei dem bis zu 1600 Stellen abgebaut werden sollen. Das Unternehmen bestätigte Morgenpost Online entsprechende Planungen, ohne jedoch konkrete Details nennen zu wollen. „Wir stehen bei der Umgestaltung unserer Hauptverwaltung noch am Anfang und können keine Zahlenspekulationen kommentieren“, heißt es im Konzern. Das „Handelsblatt“ hatte in seiner Montagsausgabe von „bis zu 1600 Stellen“ berichtet, die abgebaut werden sollen.

Die Planungen sind Teil des Sparprogramms „Save for Service“, das bereits seit 2007 läuft und mehr als acht Milliarden Euro eingespart hat. Nun trete man in eine neue Phase. „Es geht um die Reduzierung in gehobenen Verwaltungsfunktionen“, heißt es bei der Telekom. Wie groß der Umfang des Stellenabbaus ausfallen wird, werde das Unternehmen in einigen Wochen oder Monaten mitteilen.

Seit 2007 veröffentlichte die Telekom nicht mehr die Zahlen aus der Stellenabbauplanung, die der Konzern grundsätzlich nur als „Personalumbau“ bezeichnet. Tatsächlich stellt die Telekom auch ein, meist jüngere Mitarbeiter, im vergangenen Jahr waren es knapp 4000 in Deutschland, die Hälfte davon waren Übernahmen nach der Ausbildung. Ende des vergangenen Jahres hatte der Konzern weltweit fast 247.000 Mitarbeiter, auf Deutschland entfielen davon gut 76.000.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Knapp 4000 Mitarbeiter sind mit zentralen Verwaltungsaufgaben in der Konzernzentrale beschäftigt, darunter die Sparten Strategie, Regulierung, Personal, Finanzen, Investor Relations, Kommunikation und Recht. Sollte es dort tatsächlich zu einem Abbau von 1600 Stellen kommen, wären davon 40 Prozent der Mitarbeiter betroffen. Ein Teil der Mitarbeiter in der Konzernzentrale sind Beamte, denen im Fall eines Stellenabbaus eine Versetzung angeboten werden müsste. Allerdings liegt der Beamtenanteil in der Zentrale deutlich unter dem Anteil der Mitarbeiter in Deutschland, der etwa 40 Prozent beträgt.

Die Telekom versichert, dass es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen soll: „Da wo es nach dem laufenden Planungsprozess zu Stellenabbau kommen sollte, wird das Unternehmen wie immer sozialverträgliche Lösungen schaffen.“ Je nach Position der Manager könnten so Abfindungen von bis zu 250.000 Euro fällig werden. Der Stellenabbau soll sich über die nächsten vier Jahre strecken, so dass in dieser Zeit die Bilanz des Konzerns mit Kosten für die Streichungen von mehreren Hundert Millionen Euro belastet würde. Auch über diese Kosten will der Konzern noch keine Angaben machen.

Die Telekom baut seit vielen Jahren Stellen ab. Trotzdem hat das Unternehmen nach Meinung von Experten nach wie vor zu viel Personal. Durch die Modernisierung des Netzes werden in Zukunft immer weniger Mitarbeiter für dessen Wartung benötigt. Sogar für die Konzernzentrale sind Stellenstreichungen nichts Neues. Kurz nachdem René Obermann Ende 2006 den Chefposten übernommen hatte, wurden zentrale Konzernfunktionen zusammengelegt.

Verkauf des US-Geschäfts trägt zum Stellenabbau bei

Auch das Zusammenführen der Festnetz- und Mobilfunksparten und die Integration von T-Online in den Konzern haben zum Stellenabbau in der Zentrale geführt. Personalvorstand Thomas Sattelberger hat seinen Bereich bereits um etwa ein Drittel verkleinert.

Wenn die Telekom ihr USA-Geschäft an AT&T verkauft hat, fällt der Konzernumsatz um ein Viertel. Das soll den Planungen zufolge im kommenden Jahr geschehen. Spätestens dann erscheint die Bonner Zentrale überdimensioniert. Damit nimmt die Dringlichkeit einer Verkleinerung zu. Telekom-Chef Obermann muss das Unternehmen profitabler machen, um den Aktienkurs zu stützen. Weil der Konzern im Unterschied zu Konkurrenten wie Vodafone nicht in Wachstumsmärkten vertreten ist, gewinnen die Sparanstrengungen der Telekom an Bedeutung. Daher soll das eigentlich bis 2011 beschränkte Sparprogramm fortgeschrieben werden.