Britische Großbank

HSBC-Bank streicht 30.000 Arbeitsplätze

Europas größtes Finanzinstitut macht Milliardengewinne und will jetzt trotzdem jede zehnte Stelle einsparen. Auch deutsche Banker werden gehen müssen.

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Die Märkte klatschen Beifall, die Angestellten haben das Nachsehen: Die britische Großbank HSBC übertrifft alle Gewinnerwartungen – und streicht dennoch 30.000 Arbeitsplätze. Das ist jede zehnte Stelle in dem weltweit agierenden Konzern. Die Bank soll auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben, begründete HSBC-Chef Stuart Gulliver den harten Schritt.

Die größte europäische Bank ist keineswegs die erste, die in der laufenden Bilanzsaison einen massiven Stellenabbau angekündigt hat. Auch die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS planen einen umfangreichen Jobabbau, Gleiches gilt für die amerikanischen Institute Goldman Sachs, Citigroup und auch für die Bank of America.

Die Kündigungswelle könnte bald in Deutschland ankommen. Die HypoVereinsbank in München hatte vergangene Woche den Abbau von 700 Arbeitsplätzen angekündigt. Dass weitere Banken mit solchen Botschaften an die Öffentlichkeit gehen werden, halten Experten für möglich: „Die deutschen Banken können sich von diesen internationalen Entwicklungen nicht abkoppeln“, sagt Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der TU Darmstadt.

Allerdings werden deutsche Institute nicht ganz so stark betroffen sein, wie ihre Konkurrenten in New York oder London. „Die Entlassungen treffen vor allem das Investmentbanking“, so Schiereck.

Das spiegelt sich in den vorgelegten Bilanzzahlen: In erster Linie sind es die Investmentbanken, die Probleme haben. Gründe dafür sind die europäische Schuldenkrise und der monatelange Schuldenstreit in den USA. Beides macht Investoren unsicher, wie die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten weitergeht.

Die Finanzkrise hat die Bank aufgeschreckt

Offensichtlich trauen sie der zögerlichen Erholung, die nach der Finanzkrise eingesetzt hat, nicht über den Weg. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat so wenig Gewinn auf die Bücher genommen wie noch nie seit Ausbruch der Finanzkrise – eine Haltung, die andere aufhorchen lässt, denn die Banker von Goldman haben den Ruf, stets das beste Gespür für den Markt zu haben. Stattdessen hat auch Goldman Sachs ein empfindliches Sparprogramm aufgelegt, 1000 Angestellte verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz.

Doch auch der generelle Kostendruck lastet auf den Instituten. „Die Banken stellen sich auf weniger profitable Zeiten ein“, sagt Experte Schiereck. Die neue Regulierung verlangt den Banken mehr Eigenkapital ab – dadurch wird Kapital teurer und sorgt für Kostendruck. Und das werden auch jene deutschen Institute spüren, die durch die mageren Umsätze im Investmentbanking nicht direkt betroffen sind. Auch sie werden den Rotstift ansetzen.

Was britische und US-Institute darüber hinaus belastet, ist die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise. In den USA zwang die Börsenaufsicht SEC Goldman Sachs, die Bank of America und J.P. Morgan in milliardenschwere Vergleiche.

Sechs Milliarden Pfund müssen eingespart werden

In Großbritannien verdonnerte die Börsenaufsicht FSA Barclays, HSBC, Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS) zu Milliardenkompensationen, weil sie Kunden bei Kreditversicherungen falsch beraten haben. Im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz stuften Ratingagenturen die britischen Finanzinstitute überdurchschnittlich stark ab.

HSBC, Barclays und Lloyds planen, zusammengerechnet sechs Milliarden Pfund Kosten einzusparen. An diesem Montag bestätigte HSBC zudem, dass Behörden aus den USA, Großbritannien und der EU untersuchen, ob die Bank während der Finanzkrise falsche Angaben beim Interbankenzinssatz Libor gemacht hat. Auch andere Großbanken sind bereits in den Fokus der Ermittlungen geraten. Für Banken mit hohem Refinanzierungsbedarf ist ein niedriger Libor von Vorteil.

HSBC streicht die Stellen nicht, weil es der Bank schlecht gehen würde. Im Gegenteil: Der Gewinn vor Steuern war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf acht Mrd. Euro gestiegen. Die Bank will sich in Zukunft im Filialgeschäft auf weniger Märkte konzentrieren. So hat sie bereits angekündigt, knapp 200 Filialen in den USA an die First Niagara Bank zu verkaufen, auch das Privatkundengeschäft in Polen und Russland wurde abgestoßen.

Was der Sparkurs für die 2500 Angestellten von HSBC in Deutschland bedeuten wird, ist noch unklar. Unternehmenschef Stuart Gulliver betonte, dass Deutschland perfekt in die Strategie des Konzerns passe. Dennoch schloss er „Anpassungen“ bei der Düsseldorfer Tochter Trinkaus und Burkhardt auch nicht explizit aus.