Umstrittener Umbau

Frauen-Duo im Telekom-Vorstand sorgt für Ärger

Telekom-Chef Obermann hat zwei Frauen in den Konzernvorstand berufen. Die Mitarbeiter fühlen sich bei der Personalentscheidung übergangen.

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Der Konzernchef strahlt, die Mitarbeiter sind vergrätzt. Ein ziemlich diffuses Bild gab die Deutsche Telekom ab, nachdem der Aufsichtsrat den Wunsch des Vorstandschefs nach zwei Frauen in der Führungsspitze abnickte.

In einer außerordentlichen Sitzung hatte das Gremium die Unternehmensberaterin und Partnerin bei McKinsey, Claudia Nemat, zur künftigen Europa-Chefin ernannt. Neuer Personalvorstand soll die einstige Bildungsministerin von Baden-Württemberg, Marion Schick, werden.

Und genau diese Entscheidung sorgte für einigen Ärger: Aus Protest gegen die Ernennung der CDU-Politikerin hatten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat den Saal verlassen, und noch am Tag danach wirkten sie geradezu verbittert über Obermanns Entscheidung.

„Das wird nicht dazu beitragen, dass die laufenden Konflikte mit dem Management geringer werden“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. Schicks Berufung sei ein „Schlag gegen die Grundkultur“ bei der Deutschen Telekom.

Schon vor der Sitzung waren auf Mitarbeiterseite Zweifel daran laut geworden, ob eine CDU-Politikerin die Belange der Belegschaft mit der notwendigen Sensibilität würde vertreten können. Offiziell aber hieß es, es gehe gar nicht um die Person Schick, sondern um die Art und Weise ihrer Berufung. „Wir hatten aber überhaupt keine Gelegenheit, einen Kandidaten zu präsentieren“, beklagte sich Schröder.

Dabei habe ein Arbeitsdirektor doch eine besondere Funktion in der Mitbestimmung – nämlich zu vermitteln zwischen den wirtschaftlichen Belangen eines Unternehmens und den Interessen der Belegschaft. Es sei deshalb nur logisch, dass sich Arbeitnehmervertreter und Kapitaleigner auf der Suche nach geeigneten Kandidaten begeben und am Ende auf einen Vorschlag verständigen.

Hier sei alles anders gewesen: „Wir sind überfahren worden“, sagte Schröder. Und das ja auch nicht zum ersten Mal. Schon bei der Besetzung des Personalressorts mit dem aktuellen Vorstand Thomas Sattelberger im Jahr 2007 sei die Arbeitnehmerseite ähnlich übergangen worden, nun fühle sie sich erneut brüskiert. In den Jahren unter Sattelberger habe es die Telekom nicht geschafft, Tarifkonflikte aus eigener Kraft zu lösen, betonte Schröder.

Immer wieder sei es zu Streiks gekommen, oder es seien Schlichtungen angerufen worden, weil den Mitarbeitern Standortschließungen und die Ausgliederung von rund 50.000 Beschäftigten in Service-Gesellschaften zugemutet wurden.

Obermann und seine beiden Vorzeigefrauen zeigten sich unbeeindruckt von dieser Kritik. „Das schmerzt mich nicht“, kommentierte Schick den Auszug der Arbeitnehmer aus der Aufsichtsratssitzung. Sie werde gut mit der Arbeitnehmerseite zusammenarbeiten, sobald es an die Fachfragen gehe, und sie wolle die Sozialpartnerschaft verantwortungsvoll pflegen. Die 52-Jährige soll bereits ab Januar bei der Telekom arbeiten. Im Mai 2012 soll sie dann das Personalressort übernehmen.

Auch die obligatorische Frage nach der Quotenfrau nahm das Trio gelassen. Darauf angesprochen, lachte die 42-jährige Nemat schallend und erklärte: „Als Physikerin und langjährige Seniorpartnerin bei McKinsey fühle ich mich ganz und gar nicht als Quotenfrau“.

Sie habe sich in männlich dominierten Feldern durchgesetzt. „Quoten-Frau ist vielleicht ein Begriff von gestern“, ergänzte Schick. „Man fühlt sich als Frau in solchen Positionen eher als Pionier-Frau.“

Obermann betonte, die Berufung der beiden weiblichen Vorstände sei eine „pure betriebliche Notwendigkeit“. Er habe sich seit Monaten für die Benennung von Nemat und Schick sehr engagiert. „Um den Fachkräfte- und Führungskräftemangel zu beseitigen, muss man jeden Pool von Talenten erschließen.“ Topkandidaten fielen aber nicht vom Himmel.

Wer in Zukunft das Datenschutz- und Compliance-Ressort übernehmen könnte, ließ Obermann offen. Dem „Handelsblatt“ zufolge hatte er die frühere Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) für den Bereich vorgeschlagen. Die FDP-Spitze habe das aber nicht akzeptieren wollen, berichtete die Zeitung. Der Bund ist noch mit 32 Prozent an der Telekom beteiligt.

Die FDP habe stattdessen die Staatssekretärin im Justizministerium, Birgit Grundmann (FDP), ins Spiel gebracht. „Wir haben den Suchprozess begonnen“, sagte Obermann dazu lediglich. „Zum jetzigen Zeitpunkt steht eine Entscheidung nicht an.“ Die Telekom hatte 2010 als erster DAX-Konzern eine Frauenquote beschlossen: Von 2015 an sollen 30 Prozent der Posten im oberen und mittleren Management mit Frauen besetzt sein.