Eigentümer-Streit

Jagdfeld will Hotel Adlon nicht kampflos aufgeben

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Norbert Schwaldt

Der Unternehmer könnte bald von verärgerten Anlegern als Geschäftsführer der Fondsgesellschaft des Berliner Hotels Adlon entmachtet werden. Sie beklagen die Aussetzung von Ausschüttungen. Ein Gutachten stellt jedoch kein Fehlverhalten fest.

Der Unternehmer Anno August Jagdfeld will sein Berliner Lieblingsprojekt, das Nobelhotel Adlon, nicht kampflos aufgeben. Am 26. August sollen die 4400 Anleger des Fundus-Fonds 31, die insgesamt 223 Millionen Euro in die Luxusherberge investiert haben, über die Abwahl von Jagdfeld als Geschäftsführer der Fondsgesellschaft befinden. Sie beklagen die Aussetzung von Ausschüttungen. Kritisiert wird die Stundung von Pachtzinsen für die von einem Jagdfeld-Sohn geführte Adlon Holding, die Dienstleistungsfirmen im Adlon betreibt. Der Berliner Anwalt Thomas Fritsch will mit einer „Schutzgemeinschaft“ verärgerter Anleger Jagdfeld vom Thron stürzen. Der Jagdfeld-Familie werden „mafiaartige Strukturen“ und eine „unendliche Abfolge von In-Sich-Geschäften“ unterstellt.

Dagegen geht Jagdfeld jetzt in die Offensive. Der Unternehmer hat alle Anleger angeschrieben und wirbt auf Informationsveranstaltungen, am 2. August in Berlin, für sein Konzept. Dazu gehört etwa, auf Ausschüttungen zu verzichten, um einen Bankkredit für das Adlon bei Ablauf neu zu verhandeln. Für den Bau wurden insgesamt 160 Millionen Euro an Krediten aufgenommen. Auf der Gesellschafterversammlung dürfte es also hoch hergehen. Für die Abwahl reicht schon die einfache Mehrheit.

Der Verwaltungsrat, also das Aufsichtsgremium des Fonds, hatte unterdessen ein Gutachten bestellt. Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche urteilt, dass an den Vorwürfen an die Jagdfeld-Familie nichts dran sei. Es gebe keinerlei Pflichtverletzunge, heißt es in dem Anlegerschreiben vom 28. Juli, das Morgenpost Online vorliegt. „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe haben sich nach umfassender Überprüfung als grund- und haltlos herausgestellt“, schreibt Jagdfeld seinen Miteigentümern. Der Mannheimer Jura-Professor Carsten Schäfer sei zudem in einem weiteren Gutachten „zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Anhaltspunkte für eine Verletzung von gesetzlichen oder vertraglichen Pflichten bestehen“. Zudem erzielt die Adlon Holding wieder Gewinn und zahlt ab 2011 wieder Pachten. Der Verwaltungsrat empfiehlt nun den Anlegern, eine dem Rechtsanwalt Fritsch erteilte Stimmvollmacht wieder zu entziehen und für den Verbleib Jagdfelds an der Spitze der Fondsgesellschaft zu votieren.

Der Unternehmer führt dafür in seinem Schreiben auch einen wichtigen Grund an. Würde eine GmbH mit den unerfahrenen Geschäftsführern Burkhard Grunzke und Dietmar Thiele die Führung des Fonds übernehmen, müssten mehr Steuern an den Fiskus abgeführt werden. Es würden zusätzliche Gewerbesteuern in sechsstelliger Höhe anfallen. Durch eine neue Gesellschafterstruktur könnte insgesamt ein Schaden in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionen-Betrages entstehen. Jagdfeld haftet nämlich mit seinem Privatvermögen. Ob sich die empörten Gesellschafter so umstimmen lassen, ist völlig offen. Jagdfeld, der keine neuen Projekte mehr in Angriff nehmen will und mit Heiligendamm eine zweite finanzielle Baustelle hat, will aber nicht aufgeben.