Neue Chefetage

Fiat-Manager machen sich bei Chrysler breit

| Lesedauer: 3 Minuten
Andre Tauber

Foto: picture alliance / dpa / dpa picture alliance

Fiat und Chrysler bekommen eine gemeinsame Chefetage. Konzernchef Marchionne sorgt dafür, dass die Italiener in der Überzahl sind.

Die Autobauer Fiat und Chrysler machen einen gewaltigen Schritt in Richtung Fusion. Ab dem 1. September sollen beide Unternehmen eine gemeinsame Managementstruktur erhalten, teilte Fiat mit. „Wir haben jetzt den richtigen Moment erreicht, um beim Zusammenschluss von Fiat und Chrysler aufs Gas zu treten“, sagte Konzernchef Sergio Marchionne.

Es ist das bislang deutlichste Zeichen, dass die beiden Unternehmen eine Fusion ansteuern. Ein solcher Schritt gilt nur noch als eine Frage der Zeit seitdem Fiat die Mehrheit an Chrysler übernahm und sich das Recht zusicherte, mit der US-Gewerkschaft UAW über ein Kauf der noch ausstehenden Anteile zu verhandeln.

Marchionne, der seit zwei Jahren beide Unternehmen führt, möchte in der Partnerschaft mit Chrysler einen weltumspannenden Autokonzern schmieden, der es mit Branchengrößen wie Volkswagen oder Toyota aufnehmen kann. Die Italiener halten mittlerweile 53,5 Prozent an Chrysler.

Marchionne galt bislang als einziges offizielles Bindeglied der beiden Unternehmen. Nun zwingt er auch das Management unter ein einheitliches Dach. Ab dem 1. September soll ein „Group Executive Council“, eine Art Lenkungsausschuss, die Arbeit aufnehmen.

22 Manager sollen darin konzernübergreifende Aufgaben übernehmen. So werden Verantwortliche für Regionen, Design-, Technik- und Verwaltungsabteilungen sowie für die Konzermarken, darunter Fiat, Chrysler und Jeep, ernannt. Das neue Gremium soll allerdings nicht das Board von Chrysler oder den Verwaltungsrat von Fiat ersetzen.

Marchionne betritt damit ein heikles Terrain. I n der italienischen Öffentlichkeit wird schon lange befürchtet, dass Fiat im Zuge einer Fusion eine Verlagerung des Firmensitzes in die USA erwägen könnte. Genährt wird dieser Verdacht dadurch, dass dem US-Konzern längst das größte Entwicklungspotenzial in dem Verbund zugeschrieben wird.

Wohl auch um solche Ängste zu beruhigen hat Marchionne darauf geachtet, dass das neue Führungsgremium von altgedienten Fiat-Kräften dominiert wird. Nur neun Mitglieder des Führungsgremiums haben eine Chrysler-Karriere hinter sich.

Einer der größten Änderungen wird sich an den Spitzen der Kernmarken Chrysler und Fiat abspielen. So wird der bisherige Chrysler-Chef Oliver Francois seinen Posten räumen und Platz für den Manager Saad Chehab machen. Francois wird künftig die Marke Fiat leiten und darüber hinaus Kreativvorstand aller Marken sein. Er verliert damit allerdings auch die Zuständigkeit über die Marke Lancia, die bereits mit Chrysler fusionierte.

Zum neuen Europachef soll zunächst der bisherige Fiat-Einkaufschef Gianni Coda werden. Er hat fast sein gesamtes Arbeitsleben bei Fiat verbracht, steht mit 64 Jahren allerdings auch schon kurz vor dem Rentenalter. Um den für Fiat entscheidenden lateinamerikanischen Markt kümmert sich mit Cledorvino Belini ebenfalls ein langjähriges Fiat-Gewächs. Das US-Geschäft, wo Fiat unter anderem mit dem Fiat 500 und der Marke Alfa Romeo Fuß fassen will, ist Chefsache und liegt in der Verantwortung von Marchionne.

Marchionne hatte einen solchen Schritt bereist vor wenigen Tagen angekündigt. „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren schon sehr lange miteinander geflirtet und haben nun die richtigen Beziehungen entwickelt um einen Integrationsplan umzusetzen“, hatte er gesagt. Eine Fusion stehe im laufenden Jahr aber nicht an. Marchionne will gemeinsam mit Chrysler bis 2014 einen Umsatz von 100 Milliarden Euro erreichen. Im laufenden Jahr erwartet er einen Umsatz von 58 Milliarden Euro.