Umstrittene Geschäfte

Deutsche Bank wehrt sich gegen Klage vor US-Gericht

Ein US-Gericht wirft der Deutschen Bank unsaubere und riskante Hypothekengeschäfte vor. Der Fall könnte das Institut Milliarden kosten.

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Für eine Klage gibt es nie einen passenden Zeitpunkt. Sie kommt in den allermeisten Fällen ungelegen. Das ist bei den Vorwürfen, die in den USA gegen die Deutsche Bank erhoben werden, nicht anders. Das größte Geldhaus Deutschlands befindet sich gerade mitten in der Diskussion, wer nach Josef Ackermann an die Spitze rücken soll.

Gleichzeitig droht dem Institut vor einem New Yorker Gericht eine Klage, die im schlimmsten Fall eine Strafe in Milliarden-Höhe nach sich ziehen kann. Dies will die Deutsche Bank nicht auf sich sitzen lassen und hat nun den Gegenangriff gestartet.

Im Kern des Streits geht es um den Immobilienfinanzierer MortgageIT, den die Deutsche Bank 2007 übernommen hatte. Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass sich MortgageIT Zugang zu einem Regierungsprogramm erschlichen habe, das für Hypotheken bürgt. Das Institut habe wahllos Kredite verteilt, ohne auf Sicherheiten zu achten und weitgehend ignoriert, ob sie das Geld jemals wieder bekommen werde.

Anschließend habe MortgageIT gegenüber der Regierung falsche Angaben gemacht, um die unsauberen Geschäfte absichern und das Risiko auf sie abwälzen zu können. Dadurch sei der Regierung ein Schaden in Höhe von 386 Millionen Dollar entstanden.

Dies ist sicherlich noch nicht die letzte Zahl, die in dem Zusammenhang genannt wird. Denn insgesamt geht es um 39.000 Kredite im Wert von mehr als fünf Milliarden Dollar. Die Krise am Immobilienmarkt ist auch längst nicht ausgestanden, so dass weitere Kreditausfälle folgen werden.

Die gegen sie erhobenen Vorwürfe weist die Deutsche Bank nun entschieden zurück. Ihr Anwalt bezeichnete die Klage gar als „grundlegend fehlerhaft.“ Zahlreiche Vorwürfe seien gar nicht belegt. Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen Bank dagegen vor, am Weiterverkauf der Hypotheken verdient zu haben. Gleichzeitig habe sie aber „kaum finanzielle Anreize gehabt, um die Qualität der Kredite abzusichern.“

In ihrer Anfang Mai eingereichten Klageschrift prangert sie „Jahre unverantwortlicher Praktiken bei der Kreditvergabe“ an und bezieht sich dabei auf den Zeitraum zwischen 1999 und 2009. Wahrscheinlich dürfte es aber gar nicht bis zur tatsächlichen Auseinandersetzung vor Gericht kommen. In solchen Fällen einigen sich die betroffenen Parteien in der Regel vorher mit einem Vergleich.

Obwohl sich die Klage nicht gegen einzelne Personen richtet, dürfte sie Anshu Jain äußerst unrecht sein. Der gebürtige Inder zählt zu den aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge Josef Ackermanns. Unter seiner Führung wurde MortgageIT 2007 von der Deutschen Bank übernommen.

Damals sprach Anshu Jain von „außerordentlichen Möglichkeiten“ und dass MortgageIT ein „herausragendes Geschäft“ aufgebaut habe. Diese Worte dürfte sich der heutige Chef des Investmentbanking recht bald anders überlegt haben. Denn kurz nach der Übernahme von MortgageIT ließ sich die herauf ziehende Krise nicht mehr ignorieren.

Auch an der Westküste der USA muss sich die Deutsche Bank gegen eine Klage wegen ihrer Hypothekengeschäfte wehren . Die Stadt Los Angeles wirft dem Institut vor, säumige Kreditnehmer unrechtmäßig aus ihren Häusern geworfen zu haben. Zudem soll die Bank in Kauf genommen haben, dass zwangsgeräumte Anwesen verwahrlosen. Diese Anschuldigungen hat die Bank ebenfalls als unhaltbar zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft Los Angeles habe „Klage gegen die falsche Partei eingereicht“, ließ sie dazu verkünden. Die Deutsche Bank sieht sich dort nur als Treuhänder und sei daher auch nicht zuständig für die Zwangsräumungen. Man habe lediglich den bürokratischen Aufwand für die wirklich Verantwortlichen erledigt und dies seien die sogenannten „Loan Servicer“.

Dabei handelt es sich um Dienstleister, die sich um das Eintreiben der Zinszahlungen kümmern. Sie treten auf bevor das Inkassobüro zur Tat schreitet und überwachen, ob die Kunden regelmäßig ihre Überweisungen tätigen. Sie entscheiden daher am Ende auch, ob jemand sein Haus verliert.

Seit einigen Monaten ist die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise in vollem Gange. Auch US-Banken haben mit zahlreichen Klagen im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften zu kämpfen. Landesweit versuchen Staatsanwälte herauszufinden, was bei Zwangsräumungen falsch gelaufen ist, und geprellte Anleger klagen verlorenes Kapital ein. So musste die Bank of America vor wenigen Wochen 8,5 Milliarden Dollar an Investoren zahlen, die auf hypothekengesicherte Wertpapiere gesetzt und Verluste erlitten hatten.