Ratingnoten

Griechenland liegt nur noch knapp über der Pleite

Die Schuldenrichter machen ernst: Nach Fitch hat jetzt auch Moody's Griechenland herabgestuft. Die Zahlungsunfähigkeit rückt immer näher.

Die US-Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands herabgestuft . Nach zuletzt "Caa1" laute die neue Bewertung "Ca", hieß es in einer Mitteilung. Das ist nur noch eine Note über einem Kreditausfall, der bei Moody’s die Note "C" erhält.

Der Euro verlor nach der Herabstufung kaum an Wert. Am Donnerstag hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs auf ihrem Sondergipfel zur Schuldenkrise ein neues Rettungspaket für Griechenland beschlossen. Dem klammen Staat wird ein Teil seiner insgesamt 350 Milliarden Euro Schulden erlassen. Auch Banken und Versicherungen sollen sich freiwillig an der Rettungsaktion beteiligen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, er gehe davon aus, "dass die deutschen Banken zu ihrem Versprechen stehen werden".

Die drei großen Ratingagenturen hatten seit Wochen davor gewarnt, im Falle einer solchen Beteiligung Griechenland als "teilweise zahlungsunfähig" einstufen zu müssen. Nach dem Euro-Gipfel machen die Schuldenrichter nun offenbar ernst. Bereits am Freitag hatte die Agentur Fitch angekündigt, ihre Note für Griechenland zu senken, und einen teilweisen Zahlungsausfall vorausgesagt.

Moody’s zog nun nach. Das EU-Rettungspaket verschaffe Griechenland erst einmal Luft und erlaube eine geordnete Insolvenz, hieß es. Die Agentur zitiert die internationale Bankenvereinigung (IIF), die die Verluste für die Besitzer von griechischen Staatsanleihen auf mehr als 20 Prozent schätzt. Banken sollen die Laufzeit bestehender Anleihen verlängern können oder sie in neue Anleihen mit niedrigerem Zinssatz umtauschen können.

Die Wahrscheinlichkeit eines Austauschs von griechischen Staatsanleihen in Papiere mit einer längeren Laufzeit liegt nach Einschätzung von Moody’s bei nahezu 100 Prozent. "Die Abwertung spiegelt die erwarteten Verluste wider, die ein Umtausch von Anleihen mit sich bringt", erklärte Moody’s.

Wann genau die Ratingagenturen ihre Ankündigungen vollziehen und Griechenland als teilweise zahlungsunfähig einstufen, ist noch offen. Aus EU-Kreisen hieß es, die Herabstufung werde für September erwartet. Allerdings könnten die Ratinagenturen diesen Schritt auch früher vollziehen, falls sie die Gipfelbeschlüsse als rechtsverbindlich werten.

Ungeklärt ist auch die Frage, wie lange die Bonitätsprüfer Griechenland herabstufen werden. Aus Brüssel hieß es, dies könne mehrere Tage andauern, maximal aber zwei Monate. In Finanzkreisen ist immer wieder auch von nur einem Tag die Rede. "Ich kann mir im Fall Griechenlands sogar vorstellen, dass der Zahlungsausfall nur eine juristische Sekunde andauern könnte. Wenn alles gut vorbereitet ist, findet der Anleihenumtausch genau in dieser juristischen Sekunde statt", sagte Kornelius Purps, Anleihen-Stratege von UniCredit.

Die Dauer ist von entscheidender Bedeutung. Viele Banken und Anlagefonds haben Richtlinien, nach denen sie solche schlecht bewerteten Papiere nicht halten dürfen. Sollte der Zahlungsausfall Griechenlands länger andauern, würden sie möglicherweise ihre griechischen Papiere abstoßen. "Aber uns fehlt das Wissen, um genaue Vorhersagen machen zu können. Eine solche geplante Umschuldung hat es noch nie gegeben", sagt Purps. Orientieren könne man sich lediglich am Beispiel Ford. Der Autokonzern wurde Ende 2008 als zahlungsunfähig eingestuft. Nach wenigen Tagen wurde Ford aber wieder hochgestuft, weil der Konzern Staatshilfen erhalten hat.

Moody’s kündigte an, die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem Umtausch der alten Schuldenpapiere erneut zu prüfen. Dabei werde sie auch die Möglichkeit weiterer Umschuldungen einfließen lassen. Fitch hatte am Freitag erklärt, die negative Einstufung aufzuheben, sobald die Umschuldung abgeschlossen sei.

Moody’s zufolge bringe der Umtausch alter Schuldenpapiere zwar Vorteile für Griechenland, etwa niedrigere Kosten und eine geringere Abhängigkeit von den Finanzmärkten – "aber der Einfluss auf den Abbau der Schulden ist beschränkt". Immerhin sieht die Ratingagentur wachsende Anzeichen, dass sich die finanzielle Lage Griechenlands in den kommenden Jahren stabilisieren könnte. Das Land "könnte seine Schuldenlast möglicherweise reduzieren".

Nach Angaben des Derivateverbandes ISDA werden durch die Gipfel-Beschlüsse keine Kreditausfall-Versicherungen fällig. Da die Beteiligung privater Gläubiger freiwillig sei, liege kein sogenanntes Kreditereignis vor, bei dem die Versicherungen – Credit Default Swap (CDS) genannt – ausgezahlt werden müssten, erklärte ein Sprecher. Bei der Ausarbeitung des Hilfsprogramms war dies ein zentrales Anliegen der Euro-Länder gewesen.