LED-Leuchten

Samsung macht Osram die Vormachtstellung streitig

Ausgerechnet vor dem Börsengang muss sich die Siemens-Tochter mit Klagen beschäftigen. Samsung und LG will Osram abblocken.

Foto: AFP

So richtig überrascht waren die Juristen der Siemens-Lichttochter Osram nicht, als sie kürzlich Post aus Südkorea bekamen: Die Konkurrenten Samsung und LG Electronics haben Klagen eingereicht. Sie wollen den Import von Osram-Leuchtdioden in die USA, nach China und Südkorea stoppen lassen.

Der Vorstoß der Asiaten ist als Retourkutsche zu verstehen. Denn die Münchner ziehen ihrerseits gegen sie juristisch zu Felde. Der Vorwurf: "Nach Überzeugung von Osram verletzen diese Firmen grundlegende Osram-Patente", heißt es bei dem Unternehmen mit seinen weltweit 40.000 Mitarbeitern, darunter 9000 in Deutschland.

In dem Streit geht es um acht Patente für Leuchtdioden (LED), die wichtig sind für die Hintergrundbeleuchtung von Fernsehern, Computerbildschirmen und Handy-Displays. Osram hält derzeit 20.000 Schutzrechte, darunter 8000 für die Zukunftstechnologie LED.

Die Auseinandersetzung mit der Konkurrenz aus Asien kommt zum ungünstigen Zeitpunkt. Denn Siemens will seine langjährige Tochter voraussichtlich noch in diesem Herbst an die Börse bringen. Mit dem Verkauf der Aktien - Siemens möchte weiter an Bord bleiben, aber die Mehrheit abgeben - sollen mehr als drei Milliarden Euro eingenommen werden.

Osram, das mit seinen Glühbirnen weltberühmt wurde, setzt vor allem auf das Lichtgeschäft der Zukunft und dabei auf energieeffiziente Leuchtdioden (LED) und organische Leuchtdioden (OLED), die geeignet sind, große Flächen gleichmäßig zu beleuchten.

Leuchtdioden ersetzen Glühbirnen

Die Lichtbranche macht zurzeit die wohl größte Umwälzung seit einem Jahrhundert durch: Die klassischen Glühbirnen werden durch Energiesparlampen und Leuchtdioden ersetzt. LEDs kommen aus der Halbleiter-Industrie, so dass sich neben den üblichen Wettbewerbern wie General Electric und Philips völlig neue Spieler auf dem Markt tummeln. Osram macht heute bereits ein Fünftel seines Umsatzes mit LED. Das 1919 gegründete Unternehmen ist gut aus der Krise gekommen. 2010 lag der Umsatz bei 4,68 Milliarden Euro (2009: 4,03 Milliarden Euro), das operative Ergebnis betrug 569 Millionen Euro (89 Millionen Euro)

Der Patent-Zoff könnte nun so manch unentschiedenen Anleger aufhorchen lassen. Das Projekt Börsengang sei dennoch nicht gefährdet, betonte Martin Goetzeler, der für das Unternehmen das operative Geschäft verantwortet, in einem Gespräch mit Morgenpost Online. "Die patentrechtlichen Auseinandersetzungen mit LG Electronics und Samsung stören keineswegs unsere Vorbereitung auf den Börsengang. Wir sind da weiter auf Kurs."

Die Gegenklagen seien "lediglich der Versuch, sich in eine bessere Verteidigungsposition zu bringen". Bei Samsung und LG heißt es hingegen, man wolle seine Eigentumsrechte schützen und durchsetzen. Osram-Manager Goetzeler deutete jedenfalls an, dass sich der Rechtsstreit auch noch weiter ausdehnen könnte. "Natürlich schauen wir uns an, auf welchen Märkten und bei welchen Patenten noch weitere Verletzungen durch die Gegenseite vorliegen. Weitere patentschutzrechtliche Klagen kann und will ich daher nicht ausschließen." Der Streit Osram gegen Samsung und LG ist hingegen nur eine Problemzone vor dem anvisierten Börsengang.

So haben die katastrophalen Zahlen des Weltmarktführers Philips für helle Aufregung in der Branche gesorgt. Im zweiten Quartal schrieb Philips einen Verlust von 1,345 Milliarden Euro - dabei waren Analysten zuvor sogar noch von einem kleinen Gewinn ausgegangen. Einer der Gründe für den herben Einbruch: Das Lichtgeschäft schwächelt. Großartige Verbesserungen, so Firmenchef Frans van Houten, seien für Philips auch nicht im zweiten Halbjahr zu erwarten.

Erste Hersteller in der Krise

Nun fragt sich die Branche, ob es sich vornehmlich nur um hausgemachte Probleme bei den Niederländern handelt oder vielleicht schon um den Beginn einer Absatzkrise auf dem kürzlich noch boomenden LED-Markt. Auch der LED-Spezialist Cree hat vor kurzem nur bescheidene Zahlen geliefert.

Und Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser, der den Osram-Börsengang verantwortet, sagte jüngst, man sehe "einige Zeichen für eine sich abschwächende Wachstumsdynamik" in der Lichtindustrie. Immerhin würde das bedeuten, dass es noch immer aufwärts geht, aber langsamer. Am kommenden Donnerstag wird Kaeser die Neun-Monats-Zahlen für Siemens verkünden - und damit auch Osram-Zahlen.

Bei Siemens ist bislang zu hören, man habe weiter keinen Plan B zu einem Börsengang. Man beobachte aber den Markt sehr genau. Natürlich sei das wirtschaftliche Umfeld für Börsengänge durch die Euro-Krise und die die Japan-Katastrophe "tougher" geworden.

Tatsächlich sind alle Vorbereitungen inzwischen getroffen. Als Banken wurden die Deutsche Bank, UBS und Goldman Sachs beauftragt. Osram ist seit dem 19. Juli keine GmbH mehr, sondern im Handelsregister des Amtsgerichts München als Aktiengesellschaft eingetragen. Die Ansage, Osram schaffe es im Herbst aufs Börsenparkett, hat - Stand heute - jedenfalls noch Gültigkeit. "Wobei der Herbst", wie es bei Siemens mittlerweile heißt, "nicht zwangsläufig der Monat September sein muss. Der Herbst zieht sich bekanntermaßen fast bis zum Jahresende hin."