Deka-Bank-Volkswirt

Schuldenkrise kann noch andere EU-Länder erfassen

Mit dem neuen Rettungspaket für Griechenland ist die Gefahr einer Euro-Krise noch längst nicht gebannt, glaubt der Chefvolkswirt der Deka Bank, Ulrich Kater.

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Morgenpost Online: Zementieren die Beschlüsse die Transferunion?

Ulrich Kater: Nein, gerade nicht: wir hätten angesichts der dringenden Lage uns auch wesentlich weiter in die Transferecke drücken lassen können. Jetzt gibt es die Beteiligung des privaten Sektors und nur eine geringe Schuldenentlastung. Das ist ein hohes Risiko - und der Preis ist eben, dass das Prinzip der Eigenverantwortung erhalten bleibt: Griechenland muss weiter bezahlen.

Morgenpost Online: Die Zinskosten für Griechenland wurden deutlich gesenkt. Ist das die Einführung von Eurobonds?

Kater: Natürlich ist ein Element der Eurobonds bereits vorgezeichnet in dieser Lösung. Aber der Einstieg in den umfassenden unbegrenzten Eurobonds ist das noch nicht.

Morgenpost Online: Glauben Sie, dass die Beschlüsse die griechische Schuldenkrise lösen werden?

Kater: Nein. Die griechische Schuldenkrise kann nur Griechenland selbst lösen.

Morgenpost Online: Sind die Ansteckungsgefahren innerhalb der Eurozone gebannt?

Kater: Nein. Die Ansteckungsgefahren - und zwar insbesondere der Länder, die noch in keinem Programm sind, sind die Achillesferse dieses Plans. Ob die Mittel, die der europäische Rettungsfonds EFSF dagegen einsetzen kann, ausreichen, müssen wir sehen.

Morgenpost Online: Ist die EZB bei der Frage der Gläubigerbeteiligung eingeknickt?

Kater: Nein. Die EZB hat immer gesagt, ihre Haltung gegen die Umstrukturierung beruht auf zwei Gründen. Zum einen ist sie Berater der Regierungen in Kapitalmarktfragen. Hier würde sie die Risiken der Umschuldung für hoch erachten. Wir müssen jetzt sehen, was die Märkte in der kommenden Woche machen. Wenn sich nämlich Ansteckungseffekte ergeben, ist die EZB unter Umständen wieder gefordert, die Feuerwehr zu spielen. Der andere Grund war, dass die EZB selber nicht Schaden nehmen dürfte in der Qualität ihrer Bilanz. Dies ist gegeben: Griechische Bonds in einem möglicherweise erklärte „selective default“ werden durch die EFSF garantiert. Eigene Anleihen aus dem Portfolio nehmen nicht an der Verlängerung teil. Das ist akzeptabel.

Morgenpost Online: Ist die Gläubigerbeteiligung ein falsches Signal an die anderen Krisenstaaten, dass es einen vermeintlich leichten Ausweg aus der Krise gibt?

Kater: Nein. Wenn es zur Insolvenz kommt, ist man über ein Jahrzehnt an den EFSF gekettet. Eine solche Situation der wirtschaftpolitischen Entmündigung wünscht sich kein Land. Der EFSF kann Staatsanleihen aufkaufen und vorbeugend Kredite vergeben.

Morgenpost Online: Ist das eine richtige Entscheidung, um Krisen zu verhindern oder droht die Gefahr, dass der EFSF ständig Länder rausboxen muss, weil die genau wissen, dass der Rettungsfonds Ihnen im Notfall hilft?

Kater: Der EFSF wird nicht unbegrenzt intervenieren können, dazu reicht allein das Volumen nicht aus. Man wird also - zusammen mit der EZB - genau abwägen, wo sich Interventionen lohnen und wo wieder der nächste Gipfel politische Reparaturen bringen muss.