Euro-Krise

Sparer haben keine Angst um ihr Vermögen

Die Deutschen geraten wegen der Euro-Krise nicht in Panik. Angst ums eigene Geld haben sie kaum. Von der Politik aber zeigen sich einige enttäuscht.

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Die Eurokrise ist allgegenwärtig. Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine Expertenrunde über das Thema im Fernsehen diskutiert, es gibt keine Zeitungsredaktion, die das europäische Finanzchaos momentan nicht behandelt und die Folgen eines Währungskrachs ausmalt. Das Erregen, das die Sorge um die gemeinsame Währung genießt, ist enorm.

Die deutschen Bürger lassen sich davon aber nur wenig beunruhigen. Zu diesem Schluss kommt zumindest, wer sich bei Passanten auf der Straße umhört.

„Ich gerate wegen der Krise nicht in Panik“, sagt eine Frau. „Angst um mein Geld habe ich nicht.“ Zwar lese sie sehr wohl täglich das Neuste über die Eurokrise, „deshalb renne ich aber nicht zur Bank und kaufe jetzt schnell Gold. Ich bleibe gelassen.“

Die meisten Bürger sehen ihr Geld in Sicherheit

Wie ihr geht es vielen, scheint es. Es wirkt, als werde die Berichterstattung zwar wahrgenommen und mit wachsender Skepsis beobachtet – persönliche Konsequenzen aber ziehen offenbar nur wenige Menschen. „Egal was kommt, irgendwie wird es sowieso weitergehen“, erklärt ein Mann.

Eine Frau pflichtet ihm bei und bringt es auf den Punkt: „Der Otto-Normalverbraucher schaut wahrscheinlich die Nachrichten und macht sich danach ganz gemütlich ein Bier auf.“ Sie glaubt, dass die meisten ihr Geld in Sicherheit sehen und sich selbst um einen Währungscrash nur wenig sorgen, da sie gar nicht viel Geld besitzen.

Das bestätigt ein Mann Mitte 30: „Ich und die meisten meiner Freunde und Bekannten haben nun mal keine prall gefüllten Bankkonten, die verloren gehen könnten.“ Fakt ist: Wer nur über wenig Geld verfügt, den berührt die Diskussion um den Euro automatisch weniger.

Auch Reiche haben keine große Angst um ihr Vermögen

Aber auch jene, die große Summen in Aktien und Rentenfonds investiert haben, scheint die Krise nur wenig zu berühren. „Da ich meine Investitionen in Aktien breit gestreut habe, glaube ich nicht, in Schwierigkeiten zu kommen – selbst wenn es mit der Währung bergab gehen sollte“, erklärt ein älterer Mann.

So sieht es auch eine edel gekleidete Dame, die „durchaus über ein recht stattliches Vermögen“ verfügt. „Ich belasse auch jetzt fast alles beim Alten. Anlagen in Immobilien oder Gold kommen für mich auch in der Krise nicht in Frage. Das einzige, was ich mir jetzt vornehme, ist, bei Aktienkäufen vermehrt in deutsche Unternehmen zu investieren. Dazu hat mir meine Bank geraten und der vertraue ich.“

"Es wirkt, als läge Europa gar nicht so viel an der Einheitswährung"

Es regiert also die Gelassenheit, das Vertrauen in die Sicherheit des eigenen Geldes ist weitgehend vorhanden. Das in die Politiker aber schwindet zunehmend. Ein 27-jähriger angehender Doktorand sagt, dass auch er sich um sein persönliches Geld keine Gedanken mache – aber um die Einheitswährung als Ganzes.

„Der Euro ist mehr als nur Geld. Er ist vor allem eine politische Idee, die die europäischen Ländern näher zueinander bringt“, findet er. „Umso enttäuschter bin ich deshalb vom gesamten politischen Betrieb. Es wirkt, als läge Europas Regierungen gar nicht so viel an der Einheitswährung. Darüber mache ich mir am meisten Sorgen und nicht um mein eigenes Geld.“