Investmentbank

Wall-Street-Riese Goldman rutscht ab

In der Tabelle der wichtigsten US-Fusionsberater landet das Institut nur noch auf Rang 10. Das ist die schlechteste Platzierung seit 1990.

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Vom Rekordmeister zum Abstiegskandidaten: Der Wall-Street-Gigant Goldman Sachs ist in der vielbeachteten Tabelle der wichtigsten US-Fusionsberater dramatisch abgerutscht. Während das mächtige Geldhaus sonst meist einen der ersten drei Plätze belegt, findet es sich im ersten Quartal auf Rang zehn wieder. Damit liegt es so schlecht wie nie zuvor, seit Thomson Reuters 1990 mit der Erstellung der Liste begann.

Doch die übliche Hackordnung lässt sich rasch wiederherstellen: Ein oder zwei ganz große Deals reichen den Goldman-Bankern, um demnächst wieder auf dem Siegertreppchen zu stehen, meinen Analysten. „Ich bin sicher, da Goldman Goldman ist, werden sie einen Weg finden, um es im Rest des Jahres wieder hinzubiegen“, sagt Teck Tjuan Yap von der Bankberatungsfirma Freeman Consulting Services, die zum Teil zu Thomson Reuters gehört. Nach früheren Informationen aus Branchenkreisen lotet die Investmentbank für den Musikkonzern Warner einen möglichen Verkauf aus und hat damit den nächsten fetten Fisch in Aussicht.

Die Liste der wichtigsten US-Institute im lukrativen Geschäft von Fusionen und Übernahmen – im Branchenjargon schlicht mit „M&A“ abgekürzt – ist Pflichtlektüre für die erfolgsversessenen Wall-Street-Banker. Diesmal zeigt sie ein ungewohntes Bild. Goldman mischte in den ersten drei Monaten bei Transaktionen im Gesamtwert von 71 Milliarden Dollar mit. Das liegt dramatisch unter dem Wert von Spitzenreiter JPMorgan Chase, der auf 170 Milliarden kam.

Telekom: Goldman setzte auf das falsche Pferd

Es ist auch weniger als deutlich kleinere Häuser wie Rothschild, Evercore Partners und Lazard aufweisen. Insbesondere liegt es daran, dass die Goldmänner bei zwei Mega-Geschäften ihre Hände nicht im Spiel hatten: bei der insgesamt 59 Milliarden Dollar schweren Restrukturierung des staatlich gestützten Versicherers AIG und der Übernahme des US-Geschäfts der Deutschen Telekom durch AT&T in Höhe von 39 Milliarden Dollar. Im letzteren Fall hatte Goldman aufs falsche Pferd gesetzt. Denn der Finanzriese beriet die ebenfalls um T-Mobile USA buhlende US-Telefongesellschaft Sprint Nextel, die dann allerdings leer ausging.

Das glanzvolle Image von Goldman hatte zuletzt einige tiefe Kratzer bekommen. Die Bank war in der Finanzkrise wegen hoher Bonus-Zahlungen unter Beschuss geraten. Hinzu kamen Betrugsvorwürfe in Verbindung mit dem Verkauf komplexer Wertpapiere. Eine Anklage der US-Börsenaufsicht SEC wurde gegen eine Zahlung von 550 Millionen Dollar eingestellt. Zuletzt sorgte Goldman mit einer privaten Platzierung von heiß begehrten Facebook-Aktien für Ärger. Nachdem das Vorhaben in Medienberichten bekanntgeworden war, schloss die Bank US-Anleger vorsichtshalber aus, um einen Verstoß gegen Vorschriften der heimischen Börsenaufsicht in jedem Fall zu vermeiden. Ferner wird ein früherer Goldman-Manager beschuldigt, interne Informationen über den Kauf von Goldman-Anteilen durch Starinvestor Warren Buffett während der Finanzkrise unerlaubt an einen Hedgefondsmanager weitergegeben zu haben.

Ob die Goldman-Banker wegen dieser Negativschlagzeilen nun schwerer an große Deals kommen, ist in der Branche umstritten. Ein früherer Manager des Geldhauses, der namentlich nicht genannt werden will, sieht durchaus einen Zusammenhang. „Sie sind nicht länger die Standardwahl wegen der Makel, die ihnen - ob berechtigt oder unberechtigt – seit der Finanzkrise anhaften“, sagt er. Dieser Einschätzung widerspricht Finanzprofessor Roy Smith von der Stern School of Business in New York. Die Unternehmensmanager, die für Zusammenschlüsse verantwortlich sind, seien „abgebrühte Kerle“. Am wichtigsten sei es ihnen, die besten Berater zu bekommen, alles andere sei nachrangig, sagt Smith, selbst ein früherer Goldman-Sachs-Partner.