Outdoor-Branche

Finanzinvestor Blackstone kauft Jack Wolfskin

US-Investor Blackstone soll 700 Millionen Euro für die deutsche Trendmarke Jack Wolfskin gezahlt haben. Die soll sich nun auch auf dem internationalen Markt durchsetzen. Manfred Hell, langjähriger Chef und Mitbegründer, verlässt nach 25 Jahren das Unternehmen.

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Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin wird an den dritten Finanzinvestor in Folge verkauft und verliert in Mitgründer Manfred Hell die Symbolfigur seines Aufstiegs.

Hell, seit 25 Jahren an der Spitze des Herstellers von wetterfester Kleidung, Rucksäcken und Zelten, verlasse Jack Wolfskin nach 25 Jahren aus persönlichen Gründen, teilte das Unternehmen aus dem hessischen Idstein am Donnerstag mit. Der US-Investor Blackstone will nun die Expansion ins Ausland vorantreiben. Er zahlt Finanzkreisen zufolge rund 700 Millionen Euro an die bisherigen Eigentümer Quadriga Capital und Barclays Private Equity.

Aufsichtsratschef Manfred Jacobi sagte: „Manfred Hell hat das Unternehmen zu dem gemacht, was es ist.“

Der Mitgründer von Jack Wolfskin, der selbst mit Rucksack und Funktionsjacke für die Marke posierte, hat Unternehmenskreisen zufolge bereits den Sommerurlaub angetreten und wird danach nicht zurückkehren.

"Für mich war es eine unbeschreiblich erlebnisreiche Zeit, eine kleine Firma in einem noch entstehenden Markt führen und zu dem entwickeln zu können, was sie heute ist“, sagte er. Der Abschied falle ihm nicht leicht, sei aber konsequent.

Mit Hells Nachfolger, der in wenigen Wochen feststehen soll, will Blackstone die Expansion von Jack Wolfskin ins Ausland beschleunigen. So populär die Marke mit der Wolfstatze in Deutschland ist, auf dem internationalen Markt hat das 1981 in Frankfurt gegründete Unternehmen noch Rückstand auf Konkurrenten wie The North Face und Vaude. Osteuropa und Skandinavien stehen zunächst im Fokus. In China hat Jack Wolfskin bereits jetzt fast so viele eigene Läden wie im Inland. Das Riesenreich könnte schon 2012 Deutschland als größten Markt ablösen, hieß es in Firmenkreisen.

Das Unternehmen stand seit einem Jahr zum Verkauf. 2010 war der Umsatz um 21 Prozent auf 304 Millionen Euro geschnellt. Der Erfolgskurs geht weiter: Die Vorbestellungen der Händler lagen im Februar um fast die Hälfte über Vorjahr.

Mit Blackstone kommt zum 1. Oktober ein neuer Finanzchef: Andreas Klotz hatte zuletzt bei einer Fitnesskette gearbeitet und war vorher beim Sportartikelkonzern Puma für die Finanzen verantwortlich. Der bisherige Finanzchef Christian Brandt soll das operative Geschäft leiten und für Kontinuität sorgen.

Die Finanzinvestoren Quadriga und Barclays Private Equity, die Jack Wolfskin vor gut fünf Jahren für 93 Millionen Euro gekauft hatten, haben mit dem Verkauf prächtig verdient. Sie hatten den Verkaufsprozess im April offiziell abgebrochen, nachdem die hohen Preisvorstellungen viele Bieter abgeschreckt hatten.

Mit Blackstone wurde aber hinter den Kulissen weiter verhandelt. Der börsennotierte US-Investor ist hierzulande vor allem als Minderheitsaktionär der Telekom bekannt, will aber unter seinem neuen Deutschland-Chef Axel Herberg verstärkt auf Einkaufstour gehen. „Wir haben stetiges Wachstum auf dem Outdoor-Markt beobachten können und Jack Wolfskin hat dabei eine führende Rolle gespielt“, begründete Herberg den Kauf.

Die Übernahme wird wie bei Finanzinvestoren üblich zum größeren Teil mit Fremdkapital finanziert: Nach Angaben von Bankern hat Blackstone vier Banken – Merrill Lynch, Morgan Stanley, die UBS und die IKB – damit beauftragt, einen Kredit über 500 Millionen Euro bereitzustellen und bei Investoren weiterzuplatzieren.