Solarunternehmen

Solon-Pleite wäre schwerer Schlag für Berlin

Die Berliner Wirtschaft bangt um Solon. Eine Pleite des Solarunternehmens hätte auch Folgen für zahlreiche Zulieferer in der Region. Die Politik zeigt sich in Sachen Bürgschaft jedoch zurückhaltend - es fehlt ein überzeugendes Geschäftsmodell.

Foto: Amin Akhtar

Die Nackenschläge für Solon wollen derzeit nicht enden. Am Dienstag schockte das Solarunternehmen mit einer Gewinnwarnung . Am Mittwoch musste es die Pleite einer Firma verkraften, an der Solon mit rund 19 Prozent beteiligt ist. Die österreichische Blue Chip Energy meldet Insolvenz an und in der Adlershofer Unternehmenszentrale von Solon müssen sie nun 18 Millionen Euro abschreiben. Derzeit läuft es bei Solon wirklich nicht rund.

Dabei ist das Umfeld in Deutschland für ein Solarunternehmen auf den ersten Blick ideal. Bis 2020 sollen alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Es werden neue Energieformen benötigt, die den Verlust ausgleichen. Trotzdem ist das größte Berliner Branchenunternehmen in einer Existenz bedrohenden Lage, sind rund 900 Arbeitsplätze bedroht. Für die Branche insgesamt wäre eine Pleite von Solon ein schwerer Rückschlag. Das Unternehmen ist in viele Projekte etwa bei der Forschung eingebunden. Es ist allein schon wegen seiner Größe mit einem Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Euro im vergangenen Jahr ein Kraftfeld.

Neue Bürgschaft?

Trotzdem gibt sich die Politik zurückhaltend, wenn es um eine Landesbürgschaft für Solon geht. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) will eine solche Unterstützung nicht grundsätzlich ausschließen. „Das hängt von dem Finanzierungskonzept ab, das bislang noch nicht vorliegt“, sagt er. Selbst die örtliche Lobby-Vereinigung Berlin Solar Network (BSN) erhebt keine lauten Forderungen. „Die erste Bürgschaft aus dem Jahr 2010 war richtig. Doch jetzt muss man die Situation des Unternehmens genau bewerten“, sagt Timon Meyer, Geschäftsführer von BSN.

Wie berichtet, ächzt Solon derzeit unter einer Schuldenlast, die das Unternehmen zu erdrücken droht. Bis zum Jahresende läuft ein Kredit aus, den die Deutsche Bank und sieben weitere Institute 2010 gewährten. Es geht um 275 Millionen Euro und seit Mai wird darüber verhandelt. Dieser Kredit ist über Bürgschaften des Bundes sowie der Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zum Teil abgesichert, mit insgesamt 146 Millionen Euro. Solon selbst leidet unter einer Geschäftsflaute und korrigierte erst am Dienstag seine Erwartungen für das kommende Jahr. Vorstandschef Stefan Säuberlich erwartet einen „deutlichen Verlust“ und weit weniger Umsatz als im vergangenen Jahr: rund 500 Millionen Euro statt 619 Millionen wie noch 2010. Das Unternehmen räumt ein, dass ohne Einigung mit den Banken die Weiterexistenz äußerst fraglich wäre.

„Solon ist ein wirklich wichtiger Player für unsere Branche. Man sollte alles tun, um ihn nicht fallen zu lassen“, sagt Timon Meyer. Zulieferer aus der Region arbeiten für Solon und das Unternehmen selbst ist in Forschungsprojekte mit eingebunden, zum Beispiel in das neue Kompetenzzentrum für Fotovoltaik in Adlershof, das vom Helmholtz-Zentrum und der Technischen Universität getragen wird. „Für uns ist Solon ungeheuer wichtig. Wir brauchen solche Unternehmen aus Technologiebranchen“, sagt Peter Strunk von der Betreibergesellschaft des Technologieparks Adlershof, Wista. Gleichzeitig betont er aber, dass Wohl und Wehe von Adlershof nicht von Solon abhänge. „Der Standort insgesamt ist mit seinen Firmen und Forschungseinrichtungen breit aufgestellt“, so Strunk.

Schaut man in die Jahresbilanz von Wista, dann wird schnell deutlich, was für ein Schwergewicht Solon ist. Rechnet man alle Umsätze von Unternehmen sowie die Fördermittel für Forschungseinrichtungen in Adlershof zusammen, kamen für den Wissenschafts- und Technologiepark im vergangenen Jahr 2,05 Milliarden Euro zusammen. Der Umsatz von Solon trug mehr als ein Viertel dazu bei. Ginge Solon Pleite, dann hätte auch die Adlershofer Erfolgsgeschichte insgesamt einen Kratzer.

Ein Pluspunkt für Solon ist, dass die Banken offensichtlich an das Geschäftsmodell glauben. Die neue Strategie des Unternehmens halten die Kreditgeber dem Vernehmen nach für zukunftsfähig. Demnach wendet sich Solon vom Geschäft mit Freiflächen-Kraftwerken ab. „Dieses Geschäft ist so gut wie tot“, sagt eine Sprecherin von Solon. Hoffnung schöpft man hingegen aus der Kooperation mit Tata Steel, einem der weltgrößten Stahlhersteller und Spezialisten für Dachkonstruktionen von Lager- und Produktionshallen. Angeboten wird beispielsweise eine Dachkonstruktion mit integrierten Solarmodulen.

Suche nach profitabler Nische

Solon benötigt dringend eine Nische. Denn das Unternehmen leidet wie die meisten deutschen Hersteller unter harter Konkurrenz aus Asien. Konzerne wie Suntech aus China werden mit kräftiger Unterstützung der Regierung zu Weltmarktführern gepäppelt. Sie heizen den Preiswettkampf an, bieten vergleichbare Qualität und können dank gigantischer Fabriken Kostenvorteile erzielen. Damit sind sie in Deutschland äußerst erfolgreich – und das in einem Markt, der in diesem Jahr schwächelt. Bislang liegt die installierte Leistung von Fotovoltaik deutlich unter der des Vorjahres. Bis Mai wurden in jedem Monat weniger Anlagen installiert als 2010. Der Markt schrumpft, die Konkurrenz wird härter.

Experten rechnen ohnehin mit einer Marktbereinigung. Wolfgang Hummel von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hat im vergangenen Jahr eine Studie erstellt und dafür die deutschen Solarunternehmen unter die Lupe genommen. Solon zählt er zu den schwächsten Mitspielern auf dem hart umkämpften Markt. „Die Schwäche der meisten deutschen Solarunternehmen ist ihre geringe Reaktionsschnelligkeit bei Marktänderungen“, heißt es in der Studie. Besonders hart ist es für Unternehmen, die auf Grund hoher Schulden nur beschränkt reaktionsfähig sind. Das gilt neben Solon beispielsweise auch für Q-Cells aus Sachsen-Anhalt. In diesem Umfeld kommt es auf eine schnelle Sanierung der Finanzen an. Doch eine Einigung mit den Kreditgebern von Solon wird erst für Ende des Jahres erwartet.