Kapitalvorschriften

Analysten lassen 27 Banken durch Stresstest fallen

Nur 8 von 90 Banken sind am Stresstest der EU gescheitert, weniger als befürchtet. Doch Analysten kommen zu völlig anderen Ergebnissen.

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Der Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA hat Konkurrenz bekommen. In den Tagen nach der Veröffentlichung der Daten begann für viele Analysten die Arbeit: Sie nahmen die Datenformulare der Behörde, legten ihre eigenen Stressszenarien zugrunde, definierten andere Hürden – und kamen wenig überraschend zu ganz anderen Ergebnissen.

Dass die Behörde genau acht Institute für durchgefallen erklärte, interessiert sie dabei nicht. So erklärte die US-Investmentbank Goldman Sachs je nach Szenario 18, beziehungsweise 27 Institute für gescheitert, Konkurrent JP Morgan kam auf 20. Und während die EBA einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 2,5 Milliarden Euro errechnet hatte, kamen die Analysten der verschiedenen Häuser auf Summen zwischen 30 und 80 Milliarden Euro.

"Man darf das nicht missverstehen. Es bedeutet nicht, dass die Banken sofort 80 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen müssen", sagt Kian Abouhossein, Chef des Bankenteams von JP Morgan Morgenpost Online. Es handle sich lediglich um Szenarien. Dennoch rechnet er damit, dass sich einige Banken demnächst frisches Geld vom Markt holen müssen.

Während die deutsche Bankenaufsicht nach dem Stresstest keine Folgen anmahnte, sehen die Analysten auch in Deutschland Bedarf: Der Deutschen Bank fehlen im härtesten JP-Morgan-Szenario 9 Milliarden Euro, der Commerzbank 5 Milliarden Euro. Dennoch rechne niemand so schnell mit einer Kapitalerhöhung. "Die deutschen Institute haben mehr Zeit als andere. Sie haben einen gesunden Staat im Rücken", so Abouhossein.

Das macht die Refinanzierung der Banken billiger. Banken aus Staaten, die von der Schuldenkrise stärker getroffen sind, müssten schneller reagieren. Häufig genannt wird hier die italienische Unicredit. Doch sind die Szenarien der Analysten wirklich glaubhafter als die der Behörde? Für Abouhossein ist die Sache klar: "Der Markt entscheidet, nicht die Regulatoren."

Weil sich Investoren schon jetzt nicht mehr für eine Eigenkapitalquote von fünf, sondern für sieben Prozent interessieren würden, so Abouhossein, setze JP Morgen die Hürde zwei Prozentpunkte höher an als die EBA. Damit nimmt er jene Kapitalvorschriften (genannt "Basel III") vorweg, die erst ab 2013 gelten. Auch bei der Frage im Umgang mit der Schuldenkrise sind die Analysten deutlich kritischer als die EBA . Doch bei der Höhe der Verluste, den Banken durch die Schuldenkrise zu rechnen haben, genauso wie beim daraus resultierenden Kapitalbedarf, gehen die Meinungen der Analysten auseinander.

Das ist nicht verwunderlich: Niemand kann wissen, wie groß die Panik wäre, wenn Griechenland umschulden muss. Möglich, dass dadurch auch Portugal oder Italien in den Strudel gerissen werden. Dann könnte es realistisch sein, hier Abschläge von zehn bis 25 Prozent zu unterstellen, wie es die Analysten tun. Möglich aber auch, dass sich Griechenland isolieren lässt – dann wären diese Annahmen überzogen und die EBA läge näher an der Realität.