Solon

Berliner Solarunternehmen kurz vor der Pleite

Noch am Montag feierte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit der Solarfirma Solon dessen Leistungen in Sachen Energietechnik. Nun hängt das einstige Vorzeigeunternehmen an Kredit-Verhandlungen mit Banken.

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Nur einen Tag nach der Feier mit Klaus Wowereit (SPD) hält in der Adlershofer Zentrale von Solon wieder die Existenzangst Einzug. Am Montag feierte das Solarunternehmen mit dem Regierenden Bürgermeister, dass man seit Gründung Solarmodule mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt produziert hat – genug, um ein Atomkraftwerk zu ersetzen. Einen Tag später schickte das größte Berliner Solarunternehmen eine Ad-hoc-Mitteilung raus. Das sind Botschaften, zu denen das Aktiengesetz Unternehmen verpflichtet, wenn es Grundlegendes zum Geschäft zu sagen gibt. Bei Solon ist es eine Hiobsbotschaft: Der Umsatz wird in diesem Jahr zurückgehen, der Verlust „deutlich“ ausfallen. Damit steht das Schicksal des Berliner Vorzeigeunternehmens auf der Kippe.

Denn bei Solon laufen nicht nur die Geschäfte schlecht. Es geht um insgesamt 275 Millionen Euro. Derzeit wird verhandelt. Mit einer Einigung rechnet man im Unternehmen frühestens im vierten Quartal des Jahres. Kommt keine Lösung zustande, muss Solon Insolvenz anmelden. „Dies wäre die logische Konsequenz“, sagt eine Sprecherin. Und das wäre nicht nur ein Problem für das Unternehmen mit seinen rund 900 Mitarbeitern sondern auch für das Land Berlin.

Berlin bürgt mit 40 Millionen Euro

Denn Anfang vergangenen Jahres stand Solon schon einmal kurz vor der Pleite. Die Verhandlungen mit den Banken stockten, die Kreditlinie wurde erst verlängert, als der Bund, Berlin und Mecklenburg Vorpommern mit einer Ausfallbürgschaft einsprangen. Diese erstreckt sich über 146 Millionen der Gesamtkreditsumme von 275 Millionen Euro. Berlins Anteil an der Bürgschaftssumme liegt bei rund 40 Millionen Euro. Im Fall einer Pleite wäre das Geld weg. Doch nun geht es darum, ob die Staatsbürgschaft verlängert oder gar aufgestockt werden soll. Am Montag wollte Wowereit sich auf nichts festlegen.

Doch Berlin steckt bei Solon in einem Dilemma und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Seit Jahren rühmt der Senat die Solarbranche in der Hauptstadt. Auf ihr gründen sich Wachstumshoffnungen, mit denen Parteien auch gern im Wahlkampf protzen. Der Solarmodulhersteller Solon ist mit Abstand das größte Unternehmen – und seit mehr als zwei Jahren am Rande der Überschuldung. Nach Schätzung der Interessenvereinigung Solar Network gibt es in der Hauptstadtregion 5000 direkte Arbeitsplätze in der Solarbranche und rund 30000 weitere bei Dienstleistern und Zulieferern. Eine große Pleite im Wahljahr käme da völlig unpassend.

Zumal es jetzt darum geht, ob Berlin die Bürgschaft verlängert und sogar erhöht. Das Kalkül könnte lauten: um jeden Preis eine Aufsehen erregende Insolvenz vor dem 20. September, dem Tag der Abgeordnetenhauswahlen, zu vermeiden. Darauf dürfte auch Solon spekulieren, auch wenn man dort solche Überlegungen verneint. Doch genau darum geht es auch bei den Verhandlungen mit den Banken.

Die viel wichtigere Frage ist jedoch, ob Solon überhaupt ein tragfähiges Geschäftsmodell hat. Denn wie viele Fotovoltaikhersteller ist das Wohlergehen ausschließlich von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Sinkt die Höhe der Solarförderung, dann müssen die Module billiger werden, damit es sich für Kunden noch rechnet. Und bei diesem Kostenwettlauf ächzen deutsche Firmen unter starker Konkurrenz von Konzernen aus China und den USA. Solon sucht sein Heil darin, Lösungen für Industriedächer anzubieten. Eigenheimbesitzer will man mit kompletten Systemen versorgen und sich als Edelhersteller von der asiatischen Konkurrenz abheben.

Deutlicher Verlust erwartet

Doch diese Strategie, die in anderen Branchen für deutsche Hersteller funktioniert, geht bei Solar kaum auf. Für dieses Jahr hat Solon-Vorstandschef Stefan Säuberlich bereits zum zweiten Mal die Ziele nach unten korrigiert. Der Umsatz soll sich am Ende auf rund 500 Millionen Euro belaufen – das wären 119 Millionen weniger als im vergangenen Jahr. „Ursache der schwächeren Geschäftsentwicklung ist die weiter unbefriedigende Nachfragesituation in Deutschland und Italien, den wichtigsten Absatzmärkten des Unternehmens“, heißt es in der Mitteilung. Zudem erwartet Solon einen deutlichen Verlust – sowohl bilanziell als auch vor Zinsen und Steuern. Das wiederum bedeutet: Das mit insgesamt mehr als 400 Millionen Euro verschuldete Unternehmen erwirtschaftet kein Geld, um diese Schulden bedienen zu können.

Man strebe ein Gesamtpaket an, sagt die Solon-Sprecherin. Bedeutet: Umgang mit den Schulden plus strategische Neuausrichtung nebst Verkauf von Anteilen. Auch eine Veräußerung der Adlershofer Unternehmenszentrale ist im Gespräch. Vom Tisch ist hingegen der Aufbau einer Produktion in Asien. Im Haus sind bereits Sanierungsspezialisten der Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal. Das wirft die Frage nach dem weiteren Verbleib von Firmenchef Säuberlich auf, der erst vor anderthalb Jahren als Sanierer angetreten war. „Er kümmert sich um das operative Geschäft“, sagt die Solon-Sprecherin. Es gebe genug zu tun für ihn.