Abhörskandal

Rupert Murdoch gibt sich bei BSkyB geschlagen

Medienzar Murdoch zieht sein Angebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurück. Premierminister David Cameron lobt die Entscheidung.

Foto: REUTERS

Unter dem Druck von Regierung und Öffentlichkeit hat die US-Medienholding News Corporation am Mittwochnachmittag das Übernahme-Angebot für den britischen Bezahl-Sender BSkyB zurückgezogen . Der Druck auf den Konzern des Medienunternehmers Rupert Murdoch war nach dem Abhörskandal bei der inzwischen eingestellten Zeitung „News of the World“ und aufgrund immer neuer Enthüllungen krimineller Machenschaften zu groß geworden. Der konservative Premierminister David Cameron begrüßte die Entscheidung, die er kurz zuvor im Unterhaus gefordert hatte: „Das Unternehmen sollte nicht über Mergers und Übernahmen nachdenken, sondern den eigenen Laden in Ordnung bringen“, sagte er. Labour-Oppositionsführer Edward Miliband sprach von „einem Sieg für die Menschen in unserem Land“. Murdochs Einfluss auf der Insel solle „bis hierher und nicht weiter“ reichen.

News Corps Vize-Chairman Chase Carey betonte in einer kurzen Erklärung, der Deal im Wert von rund 8 Milliarden Pfund hätte beiden Unternehmen Vorteile bringen können. Er räumte jedoch ein, das „derzeitige Klima“ sei zu „schwierig“. Man bleibe jedoch ein langfristiger Aktionär. Derzeit gehören News Corp 39,1 Prozent des einst von Rupert Murdoch aus der Taufe gehobenen, hochprofitablen Satellitensenders.

Die Übernahme der gesamten Firma sollte der größte Deal des 80-jährigen Medienzaren werden. Branchenbeobachter werten die Kehrtwende nach 13-monatiger Bieterzeit zwar als schwere Niederlage, schließen aber auch einen taktischen motivierten Rückzug nicht aus.

Murdochs britisches Verlagshaus News International (NI) sieht sich seit gut einer Woche täglich neuen Vorwürfen ausgesetzt. Zunächst ging es um kriminelle Recherche-Methoden beim mittlerweile eingestellten NI-Sonntagsblatt „News of the World“ (NoW), später auch um Bestechungszahlungen an Polizisten in Höhe von mindestens 100.000 Pfund. Darüber hinaus ist auch die „Sunday Times“ und die Tageszeitung „Sun“ in die Kritik geraten. Insgesamt sollen NI-Mitarbeiter bis zu 4000 Briten illegal abgehört haben, darunter Verbrechensopfer, Angehörige gefallener Soldaten, Spitzenpolitiker sowie Mitglieder des Königshauses. Hohe Beamte von Scotland Yard outeten sich selbst als Abhör-Opfer von NoW und beschuldigten das Verlagshaus NI, es habe die polizeilichen Ermittlungen „absichtlich behindert“. In diesem Zusammenhang steht auch die Strafverfolgungsbehörde selbst in der Kritik, wegen ihrer über Jahre hinweg zögerlichen Ermittlungen.

Im Unterhaus sah sich der Murdoch-Konzern dem Unbill der geschlossenen politischen Elite Großbritanniens gegenüber. Einen Entschließungsantrag der Labour-Party gegen die geplante BSkyB-Gesamtübernahme hatten am Dienstagabend nicht nur Abgeordnete der konservativ-liberalen Regierungskoalition unterschrieben. Auch sämtliche kleinere Parteien im Parlament bis hin zur einzigen grünen Abgeordneten unterstützten die Machtprobe.

Durch sein entschlossenes Vorgehen in der Causa Murdoch hat Labour-Chef Miliband bei Freund und Feind gepunktet. Noch vor kurzem galt der 41-Jährige als ungeschickt und unpopulär; beim Kampf um den Parteivorsitz hatte er seinen älteren Bruder David nur mit Hilfe linker Gewerkschaften geschlagen. In den Umfragen lag er weit hinter Premier Cameron zurück. In der Murdoch-Affäre zeigte Miliband nun aber die richtige Mischung aus staatsmännischer Zurückhaltung und parteipolitischer Wadenbeißerei.

Sein Gegenüber Cameron hingegen war von Beginn an gehandicapt: Noch als Oppositionsführer hatte der Konservative den früheren NoW-Chefredakteur Andy Coulson als Presseberater angeworben und nach Regierungsantritt auch in die Downing Street mitgenommen. Erst im Januar war Coulson von seinem Posten zurückgetreten. „Wenn seine Beteuerungen falsch waren, dass er von illegalen Handlungen nichts wusste“, sagte Premier Cameron im Unterhaus, „wird er strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen“.

Cameron hat den Lordrichter Brian Leveson mit einer Untersuchung sämtlicher Vorwürfe betraut. Nach Anhörungen von Politikern, Polizisten und Journalisten soll der Spitzenjurist binnen zwölf Monaten seinen ersten Bericht vorlegen. Cameron erwartet konkrete Vorschläge für eine Neuordnung der „unabhängigen Aufsicht“ über die Presse. Der Richter soll auch überprüfen, ob die engen Kontakte zwischen NI-Blättern und Scotland Yard unlauter waren. Die Kriminalpolizei war seit 2006 im Besitz von 11.000 Schriftstücken. Dem Premierminister zufolge sind darin 3850 potenzielle Abhöropfer mit insgesamt 4000 Mobilnummern sowie 5000 Festnetz-Anschlüssen verzeichnet. Gegen acht Personen wird aktuelle ermittelt.