Währungshüter

Die Irrwege der Notenbanker in der Schuldenkrise

Mit ihrer Totalopposition haben sich die Notenbanker in eine Sackgasse manövriert. Bundesbankchef Weidmann versucht nun, einen Ausweg zu finden.

Jahrelang waren Bundesbanker sakrosankt. Was immer sie gefordert haben, oder welchen Forderungen sie sich verweigerten, in der Bevölkerung konnten sie sich der Zustimmung gewiss sein. Der gute Grund: Die Währungshüter galten als Gegenpol einer politischen Klasse, die oft bereit war, aus innenpolitischer Opportunität der Stabilität der D-Mark nicht so viel Beachtung zu schenken, wie es die Bundesbank für angemessen hielt. Die Deutschen, gebrannt durch die Inflationserfahrungen des frühen 20. Jahrhunderts, waren den Notenbankern dankbar für ihre Haltung.

Doch mittlerweile hat sich die Lage geändert. Nicht nur, weil Europas Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt wird und die Bundesbank damit lediglich noch ein Teil des Zentralbankensystems ist. Nein, die Währungshüter – besonders die Deutschen – nehmen inzwischen Positionen ein, die sich im Einzelfall zwar begründen lassen, die in der Gesamtheit aber die Lösung der Euro-Krise verhindern.

Ein Beispiel dafür ist der Streit um die Beteiligung privater Investoren an der Rettung Athens. EZB-Chef Jean-Claude Trichet lehnt die Maßnahme ab, sein Chefvolkswirt Jürgen Stark ebenso. Die Stabilität des Finanzsystems sei gefährdet, falls Athens Umschuldung den Rest des Euro-Raums infiziere, warnen sie geradezu lautstark. Rückendeckung erhielten sie bislang ausgerechnet von jenem Mann, der als Berater der Bundeskanzlerin die Gläubigerbeteiligung einst selbst miterfand – dem heutigen Bundesbankpräsidenten-Chef Jens Weidmann.

Das Problem an dieser Haltung ist nicht, dass die Notenbanker Positionen bekämpfen, die sie – vielleicht nicht einmal zu Unrecht – für riskant halten. Das Problem ist, dass Trichet, Stark und Weidmann seit Wochen absurderweise fordern, die Politik solle mit immer neuen Milliarden einen Rettungsplan für Athen finanzieren, der offensichtlich nicht funktioniert und deshalb immer weniger Zustimmung in der Bevölkerung der Geberländer findet. Die Währungshüter ignorieren, dass sich ein Fass ohne Boden so jedenfalls nicht stopfen lässt.

Mit ihrer Totalopposition haben sich die Herren des Geldes in eine Sackgasse manövriert. Wer in dieser Krise zu jedem Vorschlag Nein sagt, ohne Alternativen auf gestellte Fragen zu präsentieren, taugt nicht als Korrektiv einer mut- und gelegentlich ahnungslosen Politik. Irgendwann wird ihm nicht einmal mehr zugehört. Die Notenbanker müssen sich bewegen, denn ihre Aufgabe ist die Bewahrung der Geldwertstabilität – die Euro-Rettung gehört nun einmal dazu.

Weidmann hat das Dilemma offenbar erkannt. Daher weist er darauf hin, dass ein Schuldenschnitt nur unter den jetzigen Bedingungen nicht richtig sei. Das ist nicht mehr als ein erster, zaghafter Trippelschritt – aber immerhin einer aus der Sackgasse heraus, in die die Notenbanker angesichts der schwierigen Lage hineingelaufen sind.