Privatvermögen

So bringen Sie Anlagen sicher durch die Euro-Krise

Die Euro-Krise droht zu eskalieren. Wie sicher Anlagen in verschiedenen Szenarien sind zeigt Ihnen Morgenpost Online. Denn in vielen Produkten, denen man es auf den ersten Blick gar nicht ansieht, steckt die Euro-Krise schon tief drin.

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Nichts gelernt? Da schlagen in der Euro-Schuldenkrise die Wellen hoch, besorgte Sparer fragen sich, ob ihr Vermögen untergeht. Und der Bankenverband hat nichts Besseres zu tun, als eine banale Erklärung zu verbreiten: Die Deutschen sollten bitte nicht auf die Idee kommen, ihr Geld in die Schweiz zu bringen. „Vorsicht“, warnt der Verband, „der Kurs des Schweizer Franken ist zwar seit Jahresbeginn deutlich gestiegen – doch er kann auch wieder fallen.“ Anleger sollten das Währungsrisiko nicht unterschätzen und lieber dem Euro die Treue halten.

Das Wegducken der Bankenelite erinnert an deren Vogel-Strauß-Politik zur Zeit der Finanzkrise. Auch nach der Pleite der Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 standen die Sparer allein und wussten nicht, wie sie agieren sollten.

Heute sind die Anleger wieder ratlos. Kein Bankberater sagt ihnen, wo ihr Vermögen noch sicher ist. Denn auch in vielen Produkten, denen man es nicht ansieht, steckt die Euro-Krise drin.

Die Einsätze sind hoch, auch für Anleger, die nie spekulieren wollten, auch für Sparer, denen es immer nur um Sicherheit ging. Jede Anlageform muss jetzt neu in Augenschein genommen werden, und das gilt nicht nur für Aktien oder Investmentfonds, sondern auch für Altersvorsorgeprodukte wie die Riester-Rente oder die Lebenspolice.

Selbst elementare Produkte wie Tagesgeld oder das Girokonto sind im weitesten Sinne betroffen. Bei einem ungünstigen Verlauf wird sich die Euro-Schuldenkrise womöglich zu einer neuen Bankenkrise auswachsen. Wie schon 2008 könnte die Krise dann größer werden als der konventionelle Denkrahmen der Politiker und Finanzexperten.

Bestes Beispiel für dieses mentale Hinterherhinken ist der europäische Bankenstresstest . Dessen Kriterien wurden im Frühjahr festgelegt, als sich die Lage in der Währungsunion stabilisiert zu haben schien. Inzwischen ist die Realität den Annahmen der Stresstestmacher davongeeilt. Eine Staatspleite Griechenlands mit einem drastischen Schuldenschnitt war nicht vorgesehen. Ebenso wenig einkalkuliert war eine potenzielle Schockstarre des Geldmarktes, über den sich die Banken mit Liquidität versorgen.

Und auch die Möglichkeit, dass Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, zum Problemfall werden könnte, fand keinen Niederschlag. Das Stresstest-Negativszenario sah bei italienischen Staatsanleihen einen Maximalverlust von 13 Prozent vor – verteilt über zwei Jahre. In Wirklichkeit haben zehnjährige Papiere des Landes seit Anfang Juni 2011 neun Prozent an Wert verloren. Allein dieses Faktum entlarvt die Annahmen des Stresstests als zu optimistisch.

Das Problem: Im Gegensatz zu den bisher betroffenen Ländern sind Italien und auch Spanien ökonomische Schwergewichte. Ihre Staatsanleihen bilden in den Bilanzen der Banken einen Posten von insgesamt 553 Milliarden Euro. Die Engagements in den Schuldtiteln der drei bereits unter den Rettungsschirm geflüchteten Staaten Griechenland, Irland und Portugal sind im Vergleich dazu – mit einer Summe von 184 Milliarden Euro – ein Klacks.

Fest steht deshalb: Eine Eskalation der Schuldenkrise könnte das europäische Bankensystem ins Wanken bringen – und die Kapitalmärkte kollabieren lassen. An beiden hängen jedoch nahezu sämtliche Formen der Geldanlage und auch der Altersvorsorge.

Die zwei traditionellen finanziellen Rettungsboote in Krisenzeiten sind Gold und Bargeld, Letzteres nicht nur in Form von Münzen und Scheinen, sondern auch als Tagesgeld auf dem Konto. Zwar leiden Tagesgeldanleger darunter, dass die Zinsen niedrig sind und wegen der Krise vermutlich bleiben werden, jedoch geht Vermögenserhalt in Phasen der Unsicherheit ohnehin vor Vermögensmehrung. Eine mögliche Einschränkung sollten Anleger bedenken: Für den nach wie vor sehr unwahrscheinlichen Fall, dass die Währungsunion auseinanderfliegt, ist es besser, wenn Sparer ihre Konten bei einer Bank mit Hauptsitz in Deutschland haben. Die Auszahlung könnte sonst später in Peseten erfolgen – zu einem deutlich abgewerteten Kurs.

Außerdem eignen sich Tagesgeldkonten im Grunde nur als Parkstation fürs Vermögen. Die Zinsen bleiben – auch dies ist eine Folge der verzerrten Geldpolitik in der Euro-Zone – deutlich hinter der Inflationsrate zurück. Aktuell wirft täglich verfügbares Geld im Schnitt 1,5 Prozent ab, die Teuerungsrate in der Euro-Zone liegt bei 2,7 Prozent. Monat für Monat erleiden Anleger deshalb einen schleichenden Vermögensverlust. Gold hat, wie seine Anhänger stets betonen, den Vorteil, dass es noch nie pleitegegangen ist.

Seine Bonität und Liquidität sind also nicht von denen irgendeines Staates abhängig. Allerdings fallen beim Kauf von Barren und Münzen aus gelbem Metall Gebühren an. Bei kleinen Stückelungen können die Aufschläge recht üppig sein: 10 oder 15 Prozent bei einer Zehntel Unze sind keine Seltenheit. Dieses Geld ist verloren, da Sparer bei der Rückgabe einer Goldmünze bei einer Bank oder einem Händler nur den Materialwert bekommen. Für Silber gilt das Gleiche, nur dass Anleger beim Kauf des weißen Metalls zusätzlich noch mit Mehrwertsteuer zur Kasse gebeten werden: 7 Prozent bei Anlagemünzen und 19 Prozent bei Barren.

Problem Einlagensicherung

Die unsichere Zukunft des Euro lässt vor allem Vermögende in fremden Währungen, vor allem im Schweizer Franken, Zuflucht suchen. Das Geld der Eidgenossen gilt als die härteste Valuta Europas. Innerhalb von drei Jahren hat diese „Ersatz-D-Mark“, wie der Franken an den Devisenmärkten genannt wird, ein Drittel an Wert gewonnen. Auch deutsche Banken bieten Konten in der Schweizer Währung an.

Anleger sollten allerdings bedenken, dass ihre Franken-Einlagen nicht durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind. Deren Schutz bis zur Höhe von 100.000 Euro deckt nur EU-Währungen ab. Gleiches gilt für die norwegische Krone: Wegen der soliden Staatsfinanzen und des Ölreichtums des nordischen Landes hat sich auch die Krone als außerordentlich robust und krisenfest erwiesen.

Lebensversicherungen und Riester-Fondssparpläne bleiben nur dann außer Gefahr, solange die Euro-Schuldenkrise nicht auf Spanien und vor allem Italien übergreift. Vor allem der Stiefel-Staat ist in den vergangenen Jahren aber als so großer Emittent von Schuldscheinen aufgetreten, dass kaum eine Assekuranz nicht in größerem Maße dort investiert ist. Nach Berechnungen der Analysten von J.P. Morgan Cazenove ist allein der deutsche Branchenführer Allianz brutto mit rund 28 Milliarden Euro in italienischen Staatanleihen investiert.

Würde Italien in den gleichen Abwärtsstrudel geraten wie Griechenland, müssten die Versicherer Abschreibungen vornehmen, die das angesparte Vermögen erodieren könnten. Aber auch ohne Eskalation der Krise steht es um die Renditen der Lebensversicherungen nicht zum Besten. Die Anbieter kommen nicht umhin, das generelle Niedrigzinsniveau an die Policenhalter weiterzugeben.

Ein Schuldenschnitt Italiens würde auch viele Rentenfonds und darauf basierende Altersvorsorgeprodukte betreffen. Deshalb sind auch manche Arten von Riester-Verträgen nicht gänzlich vor den Folgen einer Euro-Eskalation gefeit. Der Staat garantiert zwar das eingezahlte Kapital, nicht aber die erzielte Rendite. Erwartungen an ein gesichertes Wohlstandspolster im Alter könnten so zerplatzen. Um die Risiken abschätzen zu können, kommen Anleger nicht umhin, sich bei den Versicherern und Kapitalanlagegesellschaften nach dem genauen Inhalt der Produkte zu erkundigen. Die Hochglanzbroschüren der Anleger helfen dabei nicht weiter. Schwächere Anbieter könnten sogar Probleme bekommen, ihren Verpflichtungen gegenüber den Kunden nachzukommen.

Risiko Bankaktien

Euro-Risiken verstecken sich auch in Aktienfonds. Gefährdet sind vor allem die Banken. Die Analysten von Goldman Sachs ziehen Parallelen zwischen dem europäischen Finanzsektor heute und der Technologiebranche nach dem Platzen der Hightech-Bubble zur Jahrtausendwende. Bis heute haben sich die Aktien nicht von dem Einbruch der Jahre 2008 und 2009 erholt. Eine kurze, aber kräftige Gegenbewegung zum Absturz blieb Episode. Danach ging das Siechtum weiter. Es war das, was Börsianer einen „Dead cat bounce“ nennen, in geschmackloser Anspielung auf das kurze Hochprallen einer toten Katze, die aus großer Höhe auf den Boden aufschlägt.

Welche Risiken im Finanzsektor schlummern, macht die Commerzbank deutlich. Die Aktie der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank hat sich seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise im Wert halbiert, während der Dax um ein Drittel zugelegt hat. „Die Commerzbank ist so was wie eine Geisel der Euro-Schuldenkrise“, sagt Ian Smillie, Analyst bei der Royal Bank of Scotland (RBS). In den Büchern des Hauses finden sich 16,3 Milliarden Euro Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten.

Berücksichtigt man alle Problemländer der Währungsunion, belaufen sich die Forderungen inklusive Immobilienkrediten auf rund 36 Milliarden Euro. Aber auch die Deutsche Bank ist nicht aus dem Schneider. Das Flaggschiff der deutschen Finanzbranche hat während der Euro-Schuldenkrise 13 Prozent an Wert eingebüßt.

Die Banken-Schwindsucht hat auch Konsequenzen für Sparer, die nicht gezielt in Finanzwerte investieren, sondern ihr Geld lediglich auf die großen Indizes verteilten, sei es in Form von Indexfonds oder sei es in Form von traditionellen Investmentfonds. Aktienanleger, die das Risiko mindern wollen, sollten daher auf Produkte mit geringem Bankenanteil setzen. Im deutschen Dax sind zum Beispiel weniger Finanzwerte als im europäischen EuroStoxx 50.

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