Eurokrise

Griechenland braucht eine Lösung aus Brüssel

Wenn die Hellenen für immer unter der Fuchtel des Schuldendiktats stehen, wird das Land unregierbar. Eine Umschuldung ist zwingend.

Gut anderthalb Jahre dauert die Eurokrise nun schon – anderthalb Jahre, die sich nicht nur, aber immer wieder und zuletzt sogar verstärkt um den Ausgangspunkt, Griechenland, gedreht haben. Es hat lange gedauert, bis die Verantwortlichen in der EU eingesehen haben, dass das Land mit immer neuen Rettungsringen aus den wirtschaftlich starken Geberländern nur um den Preis immer höherer Schulden über Wasser zu halten ist. Wie viele Programme wurden für Athen schon geschrieben? Wie viele Vorgaben wurden Premierminister Giorgos Papandreou bislang gemacht? Wirklich geholfen hat nichts davon.

Allmählich gesteht sich die Politik das Desaster auch ein. Deutlichster Ausdruck dieser Einsicht ist die Erkenntnis von Politikern und Investoren, dass das Land auch mit immer neuen Krediten nicht zu retten ist. Griechenland leidet nicht am fehlenden Marktzugang zu Kapital, sondern ist überschuldet. Deshalb geben ihm die Anleger kein Geld mehr. Und weil Deutschland und Co nicht bereit sind, das Land auf Dauer durchzufinanzieren, sucht man nun nach dem rettenden Ausweg. Zeit wird es.

Umschuldung ist zwingend

Zu helfen ist den Hellenen aber nur, wenn sich ihr Staat zumindest zum Teil von seiner Schuldenlast befreien kann. Ein weicher Schuldenschnitt, der die Rückzahlung der Griechen-Bonds nach hinten verschiebt, ohne die gesamte Schuldenhöhe zu reduzieren, wird dafür nicht ausreichen. Griechenland braucht eine Umschuldung. Denn ein Griechenland, das für immer unter der Fuchtel des Brüsseler Schuldendiktats steht, wird politisch unregierbar. Wachstumskräfte kann es nicht entfalten.

Niemand hierzulande aber sollte auf die Idee kommen, dass damit alle Schmerzen ausgestanden wären. Denn wie auch immer diese Maßnahme am Ende technisch ausgestaltet sein könnte, sie wird Europa viel Geld kosten. Milliarden, um die Banken zu stabilisieren. Milliarden, um andere Schuldenländer und damit die gesamte Eurozone vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren. Milliarden, um Athen schlimmstes Chaos zu ersparen. Und dennoch gibt es keine Garantie, dass der griechische Virus am Ende nicht doch die Eurozone infiziert. Europa steht vor einer heiklen Aufgabe.

Gleichzeitig müssen sich die Verantwortlichen in der EU fragen, ob das wirtschaftlich rückständige Land Mitglied der Eurozone bleiben soll. Wirtschaftlich mag ein klares Nein naheliegend sein. Politisch aber ist die Sache schwierig: Athen ist Mitglied der Nato und liegt in einer strategisch wichtigen und noch dazu unruhigen Welt-Region. Das allein sind gute Gründe, das Land weiter unter dem Einfluss der Eurozone zu halten. Die EU steht vor einem Dilemma.