Stresstest

Spanische Großbanken schneiden am besten ab

Der Stresstest fällt besser aus als erwartet. Nur acht EU-Banken fallen durch, darunter Institute in Griechenland. Die Spanier sind weit vorne.

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Im Nachhinein betrachtet wirkte es fast überzogen, dass die EU-Bankenaufsicht EBA die Bekanntgabe der Ergebnisse des Stresstests nach Börsenschluss verschoben hatte. Damit wollte sie den Märkten Zeit zum Nachdenken geben, bevor sie in hektische Reaktionen ausbrechen können. Doch angesichts des Ergebnisses hätte sie diese Befürchtung wohl kaum haben müssen: Nur acht der insgesamt 91 geprüften Geldhäuser sind durchgefallen.

Untersucht wurde, wie sich das Eigenkapital der Banken entwickelt, wenn sie verschiedenen Szenarien ausgesetzt sind. Steigende Zinsen, fallende Immobilienpreise oder ein Einbruch der Wirtschaftsleistung sind solche Annahmen. Nur wer in Extremsituationen eine Kernkapitalquote von fünf Prozent vorweisen kann, bekommt von der EBA den Stempel „bestanden“.

In Deutschland hatte lediglich einer der 13 Teilnehmer den Test nicht bestanden: Die Landesbank Hessen-Thüringen wurde in den Ergebnissen nicht mehr aufgeführt, nachdem sie schon am Mittwochabend bekanntgegeben hatte, dass die Behörde die Stille Einlage nicht anerkannt hatte. Deswegen war das Institut gescheitert. Es hätte im härtesten Szenario nur 3,9 Prozent Kernkapitalquote vorweisen können.

Aus dem Landesbank-Sektor kommen auch jene Institute, die in Deutschland am schwächsten abgeschnitten haben: Die HSH Nordbank erreichte im härtesten Szenario eine Kapitalquote von 5,5 Prozent, die NordLB lag knapp darüber mit 5,6 Prozent. Die beiden größten deutschen Institute Deutsche Bank und Commerzbank lagen mit 6,5 und 6,4 Prozent nur wenig über den Landesbanken.

Konrad Becker, Analyst bei der Münchner Privatbank Merck Finck & Co wies darauf hin, dass das Ergebnis der Deutschen Bank zwar nicht schlecht sei – aber wenn man bedenke, dass das Haus sehr wahrscheinlich als systemrelevant eingestuft werde, so sei es doch durchwachsen.

Dass mit der Hypo Real Estate Holding ausgerechnet jene Bank besonders gut abschneidet, die im vergangenen Jahr noch als einziges deutsches Institut durchgefallen war, zeigt, wie stark die Rettungsmaßnahmen bei den Tests ins Gewicht fallen.

Die HRE erreichte im Szenario eine Kernkapitalquote von 10,0 Prozent – allerdings hat sie im vergangenen Herbst ihr Problemportfolio in eine „Bad Bank“ mit Staatsgarantie abgeschoben. „Es ist unverständlich, dass jene Banken unfair behandelt werden, die ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen sind“, kritisiert etwa Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums.

Schon im Vorfeld hatten viele Experten die Übung hart kritisiert. Ein zentrales Problem ist die Auswahl der Szenarien: „Die Tests prüfen an der Realität vorbei.“ Die Märkte sind nervös wie schon lange nicht mehr, da sich abzeichnet, dass die Griechen an einer Umschuldung nicht vorbeikommen. Der wahre Test findet nicht in London statt, wo die EU-Bankenaufsicht EBA seit Januar ihr Quartier hat, sondern im Süden Europas.

Doch die Fragen, die sich die Märkte stellen, tauchen in den Daten der Prüfer höchstens ansatzweise auf: Was passiert bei einem Schuldenschnitt in Griechenland? Lässt sich die Panik an den Märkten eindämmen, wenn es zu einer Umschuldung kommt? Was, wenn auch andere Länder wie Italien, Portugal oder Spanien vom Virus angesteckt werden? Dass hier Unzulänglichkeiten bestehen, stritt Raimund Röseler, Exekutivdirektor der deutschen Bankenaufsicht nicht ab: Inwieweit eine Ansteckungsgefahr bestehe, könne man aus den Daten nicht ablesen. „Da kann man nur hellsehen.“

Immerhin hat die EBA in den vergangenen Wochen die Szenarien für die europäische Schuldenkrise verschärft, um sich nicht derselben Kritik auszusetzen wie im vergangenen Jahr. Damals wurden Staatsanleihen, die im so genannten Bankbuch gehalten wurden, vom Stress ausgenommen.

Dort dürfen Banken Staatsanleihen verbuchen, wenn sie die Absicht haben, diese bis zur Endfälligkeit zu halten. Anpassungen an Marktpreise finden dort nicht statt. Nachdem aber nach gängigen Schätzungen bis zu 80 Prozent der Staatsanleihen im Bankbuch liegen, sagt ein Test nichts aus, der sie ausklammert. In diesem Jahr werden zwar auch die Anleihen im Bankbuch einem gewissen Stress ausgesetzt. „Das ist zwar ein Fortschritt, aber gemessen an der Realität immer noch zu wenig.“

Die Politik sieht das freilich anders: So begrüßte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) das Ergebnis, es sei ein positives Signal. Auch die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger zeigte sich zufrieden: „Die Ergebnisse des Bankenstresstests zeigen, dass die Kapitalausstattung der teilnehmenden deutschen Banken als robust erwiesen hat. Das gilt auch für die Helaba.“ Sie sieht daher keinen Handlungsbedarf.

Auf internationaler Ebene waren unter den Durchfallern keine Überraschungen. In Österreich bestand erwartungsgemäß das Spitzeninstitut der Volksbanken die Prüfung nicht. Jedoch bekommt es mit dem Verkauf ihrer Tochter Volksbanken International an die russische Sberbank frisches Kapital ins Haus.

Unter den stabilsten Instituten waren die spanischen Großbanken – BBVA und Santander hatten mit die besten Quoten. Nicht hingegen die Sparkassen des Landes – unter ihnen waren wie erwartet die meisten Durchfaller.