Hohe Arbeitsbelastung

Zahl psychischer Erkrankungen steigt drastisch an

Die Zahl der Krankschreibungen ist bei jungen Beschäftigten doppelt so hoch wie bei älteren. Immer öfter setzen Depressionen sie außer Gefecht.

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Junge Arbeitnehmer sind aktuellen Studien der Techniker Krankenkasse und der DAK zufolge deutlich häufiger krankgeschrieben als ihre älteren Kollegen. Laut Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) fehlen die 15- bis 25-Jährigen durchschnittlich zweimal pro Jahr. Ältere Beschäftigte blieben im Mittel nur einmal jährlich zuhause, teilte die TK mit. Allerdings nehme die durchschnittliche Ausfalldauer mit steigendem Alter zu. Während eine Krankschreibung unter den jüngsten Beschäftigten im Alter von 15 bis 19 Jahren knapp sechs Tage dauert, sind es bei den über 55-Jährigen schon fast 19 Tage. Der Hauptgrund dafür sind schwerere Erkrankungen mit zunehmendem Alter.

„Krankheiten wie Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und psychische Störungen, die erfahrungsgemäß sehr langwierig sind, treten bei älteren Erwerbstätigen häufiger auf“, sagt TK-Expertin Gudrun Ahlers. Sie fügte hinzu: „Allerdings stellen wir auch bei jüngeren Beschäftigten in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen fest.“ Die Ursache könnten gestiegene Anforderungen der Arbeitswelt sein. Berufseinsteigern würde ein hohes Maß an Qualifikation und Flexibilität abverlangt, sagt Ahlers. Hinzu komme die Unsicherheit durch befristete Arbeitsverträge.

Die Zunahme psychischer Diagnosen wird auch von einer Studie der DAK bestätigt. Depressionen oder anderen psychische Erkrankungen machten im vergangenen Jahr demnach gut zwölf Prozent des gesamten Krankenstandes aus. Damit spielten sie eine beinahe doppelt so große Rolle wie noch 1998, wie die Kasse bei Vorlage ihres Gesundheitsreports 2011 erklärte. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen um 13,5 Prozent an.

Dies sei umso alarmierender, als der Krankenstand insgesamt auf niedrigem Niveau stabil geblieben sei. Laut DAK-Gesundheitsreport lag der Krankenstand im Aufschwungsjahr 2010 bei 3,4 Prozent wie ein Jahr zuvor in der Rezession. Die alte Faustformel, dass der Krankenstand steige, wenn es der Wirtschaft gut gehe und in Krisenzeiten wieder sinke, gelte offenkundig nicht mehr, erklärte die Kasse. Neben den psychischen Erkrankungen nahmen 2010 auch die Fehlzeiten wegen Verletzungen etwa durch Glätteunfälle zu, während Erkältungen und Schnupfen deutlich zurückgingen.

Höchster Krankenstand in Verwaltung und Gesundheitswesen

Die Versicherten waren demnach im Schnitt insgesamt 12,5 Tage krankgeschrieben. Gut die Hälfte von ihnen (53,7 Prozent) meldete sich gar nicht krank. Dabei gab es in puncto Krankenstand durchaus Branchen-Unterschiede. So brachten es Beschäftigte im Bildungssektor, bei Medien oder im Kulturbereich mit 2,7 Prozent auf die geringsten Fehlzeiten, bei Banken und Versicherungen betrug der Krankenstand 2,8 Prozent. Den höchsten Krankenstand wiesen hingegen die öffentliche Verwaltung mit vier und das Gesundheitswesen mit 3,9 Prozent auf.

Zwischen Ost und West ging der Krankenstand ebenfalls auseinander. Er lag in den westlichen Bundesländern mit Berlin bei durchschnittlich 3,3 Prozent, während er in den östlichen Ländern im Schnitt 4,3 Prozent betrug. Bei jüngeren Arbeitnehmern im Alter bis zu 29 Jahren stellte die DAK ebenso wie die TK fest, dass sie häufiger krank seien als ältere Kollegen. Weil sie aber meist meist weniger lange fehlten, sei ihr Krankenstand mit 2,6 Prozent insgesamt unterdurchschnittlich.

Alarmierend sei, dass Ärzte schon jeden fünften jungen Erwerbstätigen wegen Rückenschmerzen behandeln mussten. Auch Fettsucht und Bluthochdruck zählten demnach mit jeweils knapp sechs Prozent bereits zu den 40 häufigsten Diagnosen und belegten, „wie wichtig frühzeitige Prävention ist“. Je zufriedener junge Leute mit ihrem ausgeübten Beruf sind, umso weniger stressig empfinden sie der Studie zufolge ihre Arbeit.

Insgesamt beschreibt jeder fünfte seinen Arbeitsalltag als sehr belastend und stressig, die Hälfte fühlt sich etwas belastet. Knapp 30 Prozent bewerten ihre Arbeit als „eher locker“. Zugleich haben fast 60 Prozent das Gefühl, sie könnten mehr leisten als verlangt. Fachlich überfordert fühlen sich nur sechs Prozent. Mit ihrer Arbeit unzufrieden sind etwa acht Prozent. Für den Gesundheitsreport 2011 hat die DAK die Krankschreibungen ihrer 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten auswerten lassen. Zusätzlich befragte das Berliner IGES Institut 3000 junge Erwerbstätige zwischen 18 und 29 Jahren.