Politbarometer

Deutsche zittern wegen Griechenland und Italien

Nach der neuen Umfrage des ZDF-Politbarometers fürchten 86 Prozent um die Härte des Euro. Und mehr als die Hälfte ist gegen weitere Griechenland-Hilfen.

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Die nicht enden wollende Serie von Hiobsbotschaften zur Schuldenkrise im Euro-Raum zeigt bei den Bundesbürgern Wirkung. 86 Prozent der Befragten fürchten nach der jüngsten Erhebung des ZDF-Politikbarometers um die Stabilität des Euro. Kein Thema sei den Bürgern derzeit wichtiger, teilte das ZDF mit.

Dabei trägt das Krisenmanagement der EU nicht zur Vertrauensbildung bei: Mit 53 Prozent stellen mehr als die Hälfte der Befragten der Politik ein schlechtes Zeugnis zum Krisenmanagement aus. Nur 35 sagen, dass die EU mit dem Thema eher gut umgeht.

Von weiteren Hilfen für Griechenland hält auch eine deutliche Mehrheit der Befragten nichts: 58 Prozent sagen Nein, nur 37 Prozent Ja. Als große oder sogar sehr große Gefahr für den Euro sehen 68 Prozent die Bürger die Finanzprobleme Italiens, die die Regierung mit einem erweiterten Sparprogramm in den Griff zu bekommen versucht.

Für insgesamt ein Drittel der Menschen in Deutschland ist die Eurokrise inzwischen das gravierendste Problem. Erst deutlich dahinter rangieren mit 22 Prozent die Arbeitslosigkeit, die Verschuldung mit elf Prozent und die Atomkraft mit zehn Prozent.

Was den Verbleib in der Euro-Zone angeht, hat Griechenland inzwischen viel Kredit verspielt. Jeweils 47 Prozent der Befragten sprachen sich dafür und dagegen aus. Andere Problemländer wie Irland, Portugal, Spanien und Italien, wollen Mehrheiten von mindestens zwei Dritteln und mehr dagegen im gemeinsamen Währungsraum halten.

Die Grundsatzentscheidung der Koalition, ab 2013 die Steuern für kleine und mittlere Einkommen zu senken, finden mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der Bürger zwar richtig und nur 28 falsch. Allerdings glauben nur 17 Prozent daran, dass die Steuersenkungen auch wirklich kommen . Ganz allgemein halten 62 Prozent der Befragten es für vordringlich, die Steuermehreinnahmen zum Schuldenabbau einzusetzen.

In der Parteienpräferenz gibt es nur kleine Veränderungen zum Politbarometer vom Juni. CDU/CSU geben bei der Sonntagsfrage einen Punkt auf 33 Prozent ab, die SPD legt einen Punkt auf 29 Prozent zu. Die FDP würde mit vier Prozent wie im Vormonat den Wiedereinzug in den Bundestag verpassen. Unverändert auch de Werte für die Grünen (22 Prozent) und die Linke (sieben Prozent).

Populärster Politiker ist erneut der frühere Finanzminister Peer Steinbrück von der SPD mit einer nochmals höheren Durchschnittsbewertung von 1,6 (zuvor 1,4), gefolgt von Wolfgang Schäuble , der auf 1,4 von 1,0 hochschnellte und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der sich leicht auf 1,3 (zuvor 1,4) verschlechterte. Deutlich schlechter fiel die Bewertung für Bundeskanzlerin Angela Merkel aus, die auf 0,9 von 1,2 abrutschte.

Deutlicher ins Minus sackte Wirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler mit minus 0,3 nach minus 0,1. Nur noch 36 (Mai 43) Prozent glauben, dass die SPD mit Steinmeier als Kanzlerkandidat die besten Chancen hätte. Nach Ansicht von 33 Prozent spricht mehr für Steinbrück.

Für das Politbarometer befragte die Forschungsgruppe Wahlen 1273 Wahlberechtigte zwischen dem 12. und 14. Juli.