Energiekonzern

RWE verkauft sein deutsches Stromnetz

Deutschlands größter Energiekonzern RWE verkauft die Mehrheit seine Stromnetzes an Finanzinvestoren. Gerade einmal 25,1 Prozent will das Unternehmen halten. Außerdem kündigte RWE eine Kooperation mit dem russischen Konzern Gazprom an.

Der Essener Energiekonzern RWE verkauft die Mehrheit an seinem Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Das Anteilspaket in Höhe von 74,9 Prozent werde von Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und von Versorgungswerken übernommen, teilte der Konzern am Donnerstag in Essen mit. RWE selbst bleibt mit 25,1 Prozent an dem Netzbetreiber beteiligt. Amprion betreibt das mit 11.000 Kilometern nach Unternehmensangaben längste Höchstspannungsnetz in Deutschland.

Zusätzlich beteiligt sich der Energiekonzern zunächst mit 14,5 Prozent an dem Käuferkonsortium und hält so indirekt weitere 10,8 Prozent an dem Netz – insgesamt also fast 36 Prozent. Verbraucherschützer fordern seit Jahren die Trennung der Energienetze von den Energieproduzenten. RWE hatte kürzlich erklärt, angesichts des Atomausstiegs benötige der Konzern frisches Geld.

Kooperation mit Gazprom

Das könnte möglicherweise mit der durch eine Synergie mit dem russischen Gaskonzern Gazprom akquiriert werden. Deutschlands größter Stromproduzent und Gazprom planen eine strategische Partnerschaft beim Bau und Betrieb von Kraftwerken in der Bundesrepublik und anderen Ländern. Gazprom-Chef Alexey Miller und der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann unterzeichneten am Donnerstag in Rom eine entsprechende Absichtserklärung.

In den kommenden drei Monaten soll nun darüber verhandelt werden, wie bestehende oder neu zu errichtende Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden könnten, teilte RWE mit. Für diese Zeit sei RWE der exklusive Gesprächspartner des russischen Gasriesen, hieß es.

Miller sagte: „Die Energiewirtschaft ist eine der Prioritäten von Gazprom in Europa.“ Angesichts der jüngsten Entscheidung der Deutschen Regierung zum Ausstieg aus der Kernenergie sehe das Unternehmen gute Chancen für den Bau neuer, moderner Gaskraftwerke in der Bundesrepublik.

Großmann erklärte, ein Erfolg der Verhandlungen könne für beide Seiten Wachstumschancen eröffnen. Die Vereinbarung könne die Basis für Partnerschaften bei Kohle- und Gaskraftwerken in und außerhalb Deutschlands werden und eine sichere und wettbewerbsfähige Gasversorgung für RWE sichern.

Bedenken beim Kartellamt

Der russische Energiekonzern hatte bereits vor einigen Monaten sein Interesse signalisiert, künftig eine größere Rolle auf dem deutschen Markt zu spielen, etwa als Betreiber von Gaskraftwerken. Beim Bundeskartellamt stießen die Ankündigungen allerdings auf Bedenken. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte erst vor wenigen Tagen: „Eine Verbindung zwischen Gazprom und RWE müsste man sich unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten sehr genau ansehen.“

Wenn ein großer Produzent wie Gazprom mit einem großen Händler wie RWE zusammengehe, sei dies nicht unproblematisch für den Wettbewerb, hieß es bei der Wettbewerbsbehörde – zumal Gazprom in Deutschland bereits zusammen mit BASF den Gasversorger Wingas betreibe.

Der RWE-Chef sieht sich nach dem erzwungenen Ausstieg aus der Atomenergie unter Handlungsdruck. Um die hohe Verschuldung des Essener Konzerns in den Griff zu kriegen und Mittel für Investitionen zu beschaffen, plant er nicht nur milliardenschwere Unternehmensverkäufe, sondern sucht auch nach starken Partnern.