Aktienmärkte

Eine Billion Dollar durch Euro-Krise vernichtet

Ein großes Börsenvermögen ist durch die jüngste Stufe der Euro-Krise vernichtet worden. Während die Europapolitiker am Dienstag nach Lösungen rangen, aber letztlich ein Bild der Ratlosigkeit abgaben, wurden die Finanzmärkte von weiteren schweren Verkaufswellen erschüttert.

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Im Kampf gegen die Schuldenkrise lassen die Euro-Staaten immer mehr Tabus fallen.

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Eine Billion Dollar – soviel Börsenvermögen ist durch die jüngste Stufe der Euro-Krise vernichtet worden. Während die Europa-Politiker nach Lösungen rangen, aber letztlich ein Bild der Ratlosigkeit abgaben, wurden die Finanzmärkte von weiteren schweren Verkaufswellen erschüttert. Vorübergehend sah es so aus, als könnten die Kurse in den freien Fall übergehen.

Kurz nach Handelsstart stürzte der Deutsche Aktienindex (Dax) unter die Marke von 7000 Punkten, ehe er sich ab Mittag stabilisieren konnte. Am späten Nachmittag lag das deutsche Börsenbarometer bei 7174 Zählern 0,8 Prozent im Minus.

An den Börsen der südlichen Euro-Staaten sah es noch weit schlimmer aus. Die Mailänder Börse sah die Notierungen um bis zu vier Prozent fallen. Die Aktie des Geldhauses UniCredit wurde wegen Kursturbulenzen vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Italienische Finanztitel verloren um bis zu sieben Prozent an Wert.

An der französischen, der niederländischen, der belgischen und der portugiesischen Börse wurden von zehn Uhr an mehrere Stunden lang keine Indexstände mehr veröffentlicht. Zuvor hatten alle vier Marktbarometer zwei bis drei Prozent im Minus gelegen. Am Nachmittag konnten sich die Notierungen erholen. Stabilisierend wirkte die Beteuerung von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise stehe „Italien in der ersten Reihe“.

EU-Präsident Herman Van Rompuy ließ die Möglichkeit eines Notfalltreffens durchblicken. Trotz dieser Beruhigungsversuche blieb die Nervosität hoch. Der VDax, der als Angstbarometer den Schwankungsgrad der deutschen Aktienkurse wiedergibt, stieg am Dienstag auf bis zu 25 Punkte.

Gefragt waren Kriseninvestments : Der Goldpreis stieg bis auf 1110 Euro und erreichte damit einen historischen Höchststand in der Gemeinschaftswährung. Der Schweizer Franken markierte ebenfalls ein Rekordhoch zum Euro. Vorübergehend mussten nur 1,1553 für einen Euro gezahlt werden. Vergangenen Sommer lag der Kurs noch bei knapp 1,40 Franken.

„Die europäische Krise überstrahlt derzeit alles an den Märkten“, sagt Sebastien Galy, Stratege bei der Société Générale. Es gebe eine Furcht vor der erwarteten Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse über die Belastbarkeit des europäischen Finanzsektors. Und es gebe eine Furcht über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Griechenlands. Auch sei kein Konzept erkennbar, wie die Europäer das Übergreifen der Krise auf immer neue Länder in den Griff bekommen könnten.

Die italienische Zentralregierung ist mit 1,6 Billionen Euro verschuldet. Damit ist der Stiefelstaat das Land mit der drittschwersten Last an Verbindlichkeiten auf der Welt, übertroffen nur von den Vereinigten Staaten und Japan, zwei ungleich größeren Volkswirtschaften.

Die Schuldenquote liegt bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Investoren beunruhigt vor allem die Tatsache, dass das unlängst von der italienischen Regierung vorgestellte 46-Milliarden-Euro-Sparprogramm erst 2013 wirksam werden soll. Italienische Staatsanleihen kamen erneut stark unter Druck. Die Rendite, die Anleger als Risikoausgleich fordern, sprang vorübergehend auf sechs Prozent. Auch die Kreditausfallversicherungen auf den Euro-Staat schnellten nach oben.

In der Spitze kostete es Investoren 344 Basispunkte, sich mittels Credit Default Swaps (CDS) gegen eine Pleite Italiens abzusichern. Auch nach einem Rückgang auf 285 Basispunkte wurde das EWG-Gründungsmitglied noch als der elftunsolideste Staat der Welt gepreist. Italien findet sich in einer Liga mit Vietnam und dem Libanon wieder. Die Türkei, Kasachstan, Polen und Russland werden als verlässlichere Schuldner eingeschätzt.

Pessimisten befürchten negative Rückkopplungseffekte für die Volkswirtschaft: Die Unsicherheit dämpft die Konsumlaune und Investitionsneigung, das wiederum führt zu einer schwachen Konjunktur und sinkenden Steuereinnahmen.

Eine finanziell-psychologische Abwärtsspirale droht. Aus Sicht von Beobachtern befinden sich die Aktienmärkte der Euro-Schuldenstaaten an einem extrem kritischen Punkt. Technisch gesehen steht der italienische Leitindex MIB kurz vor dem Eintritt in einen Bärenmarkt. Von einem Bärenmarkt oder einer Baisse reden Anleger, wenn ein Markt 20 Prozent unter seinen zyklischen Hochstand fällt. Die Chance, sich dann schnell wieder zur erholen, ist erfahrungsgemäß gering. Der griechische Aktienindex ASE liegt bereits fast 30 Prozent unter seinem Jahreshoch von Mitte Februar.

Sollte Italien in die Rezession rutschen, würde das vermutlich auch das Ende der Schönwetterphase an der hiesigen Börse bedeuten. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in der Währungsunion. Als beste Absicherung gegen eine Börsenkrise haben sich in der Vergangenheit deutsche Staatsanleihen erwiesen. Ihnen trauen Investoren die fast schon mythische Fähigkeit zu, den Stürmen der Zeit zu trotzen. Ein Indexfonds auf den Bund Future (WKN: ETF560) gilt daher als intelligentes Absicherungsinstrument.