Firmenjet genutzt

SAP-Personalchefin Angelika Dammann wirft hin

Angelika Dammann, einzige Frau im SAP-Vorstand, war erst 2010 zum Software-Riesen gewechselt. Sie sollte nach Entlassungen die Wogen im Unternehmen glätten. Doch ihre private Nutzung von Firmenjets stieß auf harsche Kritik. Nun gibt sie ihren Posten ab.

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SAP-Personalchefin Angelika Dammann wirft nach Kritik an ihren Heimflügen im Firmenjet hin. Der Software-Konzern teilte am Freitag mit, die Managerin habe sich „aus persönlichen Gründen“ entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Aufsichtsrat und Vorstand hätten dies mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Dammann war in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten. In einem Zeitungsbericht hatte es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise geheißen, dass sie für längere Zeit als mit dem Unternehmen vereinbart einen Firmenjet für Heimflüge an ihren Wohnort Hamburg nutzen wolle und nebenbei noch als Rechtsanwältin arbeite. SAP hatte diesen Bericht zurückgewiesen.

In einer Mitteilung an die Mitarbeiter schrieb die 51-jährige am Freitag, „die Behauptungen in der Presse in den letzten Tagen sind falsch.“ Sie habe sich bei ihren Heimflügen „klar“ an ihre vertraglichen Vereinbarungen gehalten, ihre Tätigkeit als Rechtsanwältin ruhe seit vielen Jahren. Die Berichterstattung habe sie „zutiefst getroffen“, schrieb die promovierte Juristin. Sie habe SAP „doch so erlebt, dass man sich gegenseitig unterstützt und an einem Strang zieht, nicht aber beschädigt“, heißt es ihrer E-Mail an die Kollegen. Sie habe sich entschieden, künftig enger bei ihrer Familie in Hamburg zu sein, die ihr sehr fehle.

Damit wirft die einzige Frau im Vorstand gut ein Jahr nach ihrer Berufung das Handtuch. SAP bedauere ihre Entscheidung, sagte Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner. Dammanns Aufgabe als Personalchefin für die rund 53.000 SAP-Beschäftigten weltweit übernimmt zunächst Finanzchef Werner Brandt.

Dammann war vor ihrem Wechsel zu SAP mit Sitz in Walldorf bei Heidelberg im Frühjahr 2010 beim Konsumgüterhersteller Unilever und dem Ölkonzern Shell tätig. Bei Europas größtem Software-Konzern musste sie nach dem ersten Stellenabbau der Unternehmensgeschichte und der Führungskrise durch den Abgang von Vorstandschef Leo Apotheker die Wogen bei den Beschäftigten wieder glätten. Zudem forcierte sie die Frauenförderung bei SAP, da dort wie in anderen deutschen Großunternehmen nur wenige Frauen tätig sind. Gleichzeitig versucht aber auch SAP angesichts des scharfen Konkurrenzkampfes mit Oracle und anderen Firmensoftware-Herstellern die Personal- und Verwaltungskosten zu drücken, um die Marge nach oben zu bringen.

Bei ihrer Berufung in den Vorstand hatte Dammann nach Unternehmensangaben die Zusicherung erhalten, ein Jahr lang für wöchentliche Heimflüge einen Firmenjet nutzen zu dürfen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat kritisierten, Dammann predige Wasser, trinke aber selbst Wein, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte. Die SAP-Personalabteilung habe immer wieder auf Einschränkungen bei Firmenwagen und den Bonusregeln für die Mitarbeiter gedrungen. Dammann verlange nun aber, den Firmenjet für weitere zwei Jahre für Heimflüge nutzen zu dürfen.

Eine SAP-Sprecherin hatte am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung dementiert, dass ein solches Gesuch der Personalchefin vorliege. SAP begleiche entgegen dem Zeitungsbericht für Dammann auch keinerlei Versicherungskosten und Beiträge für die Rechtsanwaltskammer, zudem sei die Juristin außer ihrem Vorstandsjob nicht nebenberuflich tätig. Dammanns Vertrag lief bis 2013. Die Verträge von Co-Vorstandssprecher Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe wurden in der jüngsten Aufsichtsratssitzung um fünf Jahre bis Mitte 2017 verlängert. Das Führungsduo folgte dem geschassten Vorstandssprecher Apotheker, der mittlerweile den US-Computerkonzern HP leitet.