Stromversorgung

RWE fürchtet Blackout in Süddeutschland

Der RWE-Konzernchef sieht vor allem Regionen in Süddeutschland gefährdet . Manager befürchtet, dass ganze Regionen "dunkel geschaltet" werden.

Foto: REUTERS

Im Herbst und Winter drohen nach Einschätzung von RWE-Chef Jürgen Großmann in Deutschland großflächige Stromabschaltungen. „Um einen bundesdeutschen Blackout zu vermeiden, kann es notwendig sein, einzelne Regionen in Süddeutschland – etwa in der Größe des Großraums Stuttgart – dunkel zu schalten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Energiekonzerns laut einem von RWE veröffentlichten Redemanuskript vor dem Beirat des Unternehmens.

Im März und Mai hätten Franzosen und Tschechen mit insgesamt über 5000 Megawatt massiv die Netzstabilität im Süden Deutschlands aufrechterhalten. „Auf diese beiden Helfer werden wir uns im kommenden Winter nicht mehr verlassen können. Da brauchen unsere Nachbarn ihren Strom selbst“, sagte der Manager. Schon jetzt gebe es konkrete Hinweise darauf, dass das Netz an den Rand der Kapazitäten komme.

Die Kosten einer nur einstündigen Versorgungsunterbrechung in ganz Deutschland könnten sich Schätzungen zufolge auf etwa eine Milliarde Euro belaufen, fügte der RWE-Chef hinzu.

Großmann erkannte vor dem Beirat, in dem die kommunalen Aktionäre des Stromkonzerns vertreten sind, zwar das „Primat der Politik“ beim Thema Energiewende an, machte aber aus seinen Bedenken am Vorgehen der schwarz-gelben Koalition keinen Hehl. Die Bundesregierung gelte „in den Kapitalmärkten inzwischen als unberechenbar“, sagte er dem Redetext zufolge.

Keine Abwendung vom deutschen Markt

Die politischen Entscheidungen hätten der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Energieversorger geschadet. RWE habe seit Mai 2010, als die Bundesregierung das erste Mal das Wort „Kernbrennstoffsteuer“ in den Mund genommen habe, sage und schreibe 13 Milliarden Euro Marktkapitalisierung eingebüßt.

Großmann bekräftigte, der Konzern werde überall klagen, wo er die Interessen seiner Aktionäre durch politische Entscheidungen in Sachen Atomausstieg verletzt sehe. Dies gelte etwa für das Atommoratorium und für die Brennelementesteuer. Auch rechtliche Schritte wegen der nicht mehr nutzbaren Reststrommengen würden geprüft.

Doch ließ der Manager auch ein Hintertürchen offen. Es stehe noch nicht fest, „ob wir den juristischen Streit durch alle Instanzen durchfechten werden“, sagte er.

Großmann prognostizierte, dass dem Konzern durch die Laufzeitverkürzung in den kommenden Jahren „mehrere Milliarden Euro“ in der Kasse fehlen würden. Dennoch sei der Kurseinbruch, den RWE erlitten haben, überzogen. Denn die Kosten der Energiewende für RWE dürften durch höhere Strompreise mittel- bis langfristig zumindest teilweise kompensiert werden.

Befürchtungen, RWE könne sich vom deutschen Markt abwenden, bezeichnete der Konzernchef als unbegründet. Allerdings werde das Unternehmen bei Wachstum und Investitionen verstärkt aufs Ausland setzen.