Ratingagentur

Moody’s stuft auch Portugal auf Ramschniveau

Kurz nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel das Bewertungsverfahren von Ratingagenturen in Frage gestellt hat, sorgt die Agentur Moody's nun für einen neuen Schock. Sie senkte am Dienstag die Bonitätsnote Portugals auf Ramschstatus.

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Die Ratingagentur Moody’s hat Portugal als erste Agentur die Bonitätsnote des schuldengeplagten Landes auf Ramschstatus gesenkt. Es gebe ein hohes Risiko, dass Portugal ein zweites Hilfspaket benötige, bevor es an die Kapitalmärkte zurückkehren könne, begründete Moody’s den Schritt.

Die Agentur bewertet die Kreditwürdigkeit des Landes, das bereits Hilfen der Europäischen Union und des Internationalem Währungsfonds (IWF) über 78 Milliarden Euro erhält, nun mit Ba2 und damit vier Stufen unter dem bisherigen Rating Baa1. Der Ausblick sei negativ.

Portugals Regierung erklärte, Moody’s würde die jüngst eingeführte Sondersteuer und die politische Unterstützung für den Sparkurs nicht berücksichtigen. Investoren verschreckte die Aussicht, dass neben Griechenland ein weiterer Euro-Staat zusätzliche Unterstützung beantragen könnte.

Moody’s hegt nach eigenen Angaben größere Bedenken, dass Portugal nicht in der Lage sein werde, die mit der EU und dem IWF vereinbarten Defizitziele zu erreichen. Zugleich sei das Risiko gestiegen, dass sich das Land im zweiten Halbjahr 2013 und einige Zeit danach nicht zu tragbaren Zinsen Geld leihen könne. Das bisherige Sparpaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst an den Märkten refinanziert.

Der Staat steht laut Moody’s vor Herausforderungen bei der Kürzung der Staatsausgaben, den Hilfen für das Finanzsystem sowie einer Ankurbelung des Wirtschaftswachstums.

Regierung verschärft Sparanstrengungen

Analyst Robert Tipp von Prudential sah die Herunterstufung als Beleg dafür, dass die Schuldenkrise – auch, wenn Griechenland ein zweites Paket erhält – nicht vor anderen Ländern Halt macht. Diese Situation werde auch im nächsten oder übernächsten Jahr andauern.

Portugals neue Mitte-Rechts-Regierung teilte mit, die Herabstufung verdeutliche die Anfälligkeit der portugiesischen Wirtschaft in der Schuldenkrise. Zugleich versicherte sie, es werde alles getan, um die verschärften Sparanstrengungen zu bewältigen. Anders als die griechische Regierung wird die Koalition in Lissabon in ihrem Sparkurs von den kürzlich abgewählten Sozialdemokraten unterstützt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Dienstag die Macht der Ratingagenturen bei der Bewertung eines Landes in Frage gestellt. Die Staaten dürften sich ihre eigene Urteilsfähigkeit nicht „wegnehmen lassen“, sagte sie in Berlin. Merkel äußerte sich nach den Querschüssen der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gegen die europäischen Rettungspläne für Griechenland, die eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger vorsehen.


Der Deutschlandchef der Ratingagentur S&P, Torsten Hinrichs, verteigte daraufhin die internationalen Ratingagenturen gegen die wachsende Kritik in der Euro-Schuldenkrise. Es sei nicht Aufgabe der Bonitätswächter zu beurteilen, ob Rettungsprogramme der Regierungen politisch richtig seien. „Unsere Aufgabe ist es, eine Meinung dazu abzugeben, ob die zukünftige Zahlungsfähigkeit gegeben ist oder nicht“, sagte Hinrichs am Mittwoch in der ARD.

Kein brutales Vorgehen der Ratingagenturen

Die Ratingagenturen würden auch nicht immer genau dann bestimmte Länder herabstufen, wenn die Politiker nach Lösungen für ein verschuldetes Land wie etwa Portugal oder Griechenland suchten. Er würde das Vorgehen der Agenturen deshalb „absolut nicht als besonders brutal bezeichnen im Augenblick“.

In dem konkreten Beispiel, nämlich dem französischen Vorschlag für eine Beteiligung von Banken und Versicherungen an Hilfen für Griechenland, sei die Möglichkeit gegeben, dass die ursprüngliche Laufzeit von zwei oder vier Jahren gegen ein Laufzeit von 30 Jahren ausgetauscht werde, erklärte Hinrichs. Zudem sollten diese neuen Anleihen für etwa zehn Jahre nicht handelbar sein. „Das hat nichts mehr zu tun mit dem ursprünglichen Zahlungsversprechen. Und deswegen ist es nach unseren Kriterien ein zumindest teilweiser Zahlungsausfall“, bekräftigte Hinrichs die Position von S&P zu dem französischen Modell.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Stufensie das Ausfallrisiko von Krediten an eine Firma oder einen Staat höher ein, verlangen Kreditgeber höhere Zinsen. Damit haben Ratingagenturen erheblichen Einfluss auf die Finanzmärkte. Kritiker werfen ihnen vor, durch die Absenkung der Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder die Krise der Euro-Zone mit verursacht zu haben. Die Agenturen werden auch für die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mit verantwortlich gemacht. Mit zu guten Ratings hätten sie über die Schieflage der Bank hinweggetäuscht.