EU-Aufsicht

Jeder zehnte Versicherer scheitert bei Stresstest

22 von 221 europäischen Versichern bekäme in einer Krise ernsthafte Probleme. So lautete das Ergebnis eines Stresstest der europäischen Aufsichtsbehörde. Zehn Prozent bestehen den Test gar nicht. Wer das ist, wird nicht veröffentlicht.

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Jeder zehnte Versicherer in Europa bekäme bei einer schweren Krise ernsthafte Probleme mit den künftigen Kapitalvorschriften. Dies geht aus dem zweiten Stresstest für die Branche hervor, den die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa am Montag in Frankfurt vorgestellt hat.

Stark sinkende Zinsen, fallende Aktienkurse, ein plötzlicher Verfall der Immobilienwerte und hohe Katastrophenschäden würden 13 der untersuchten 129 Konzerne und Unternehmen unter die Mindestkapitalschwelle drücken, die voraussichtlich vom Jahr 2013 an mit dem Regelwerk „Solvency II“ eingeführt werden soll. Einer anderen Studie zufolge sieht es für die Branche in Deutschland bereits ohne Krisenszenario kritisch aus.

Den 13 im Stresstest durchgefallenen Versicherern fehlten im schlimmsten angenommenen Krisenfall insgesamt 4,4 Milliarden Euro, sagte Eiopa-Präsident Gabriel Bernardino. Dies sei eine vergleichsweise geringe Summe: Zu Beginn des Tests hatten alle geprüften 129 Versicherer ein Überschusskapital von zusammen 425 Milliarden Euro vorzuweisen. An dem Test hatten sich – gemessen am Marktanteil – rund 60 Prozent der Branche in der EU, der Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein beteiligt. Damit sei die Untersuchung repräsentativ, erklärte Bernardino.

90 Prozent der Versicherungen aber haben in den Stresstests jedes der geprüften Szenarien überstanden. „Der europäische Versicherungssektor bleibt im Ganzen robust“, sagte der erste Vorsitzend des EIOPA, Gabriel Bernardino. Die nun durchgeführten Tests basierten außerdem auf Annahmen, und sollten nicht als eine Analyse der Realität verstanden werden. Außerdem müssten die Institute erst ab 2013 die im Test verlangten Solvency-II-Bedingungen erfüllen. Sie seien deutlich härter als die aktuell geltenden Regeln. Aus diesem Grund habe die Behörde auch darauf verzichtet, Ergebnisse einzelner Unternehmen oder Länder zu präsentieren.

An den Stresstests hatten sich insgesamt 221 Versicherer aus den 27 Ländern der Europäischen Union sowie aus der Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein beteiligt. Sie machen demnach zusammen mehr als 60 Prozent des europäischen Versicherungsmarktes aus.

Insgesamt stehe die Branche angesichts der im schwersten Szenario des Tests angenommenen Risiken robust da. Sie verfüge über einen guten Puffer für den Krisenfall.

Für künftige Krisen sensibilisieren

Im Gegensatz zu den Banken waren die Versicherer in Europa relativ glimpflich durch die Zeit nach der Lehman-Pleite gekommen. Mit dem Stresstest will die Eiopa die Branche für künftige Krisen sensibilisieren. „Die Unternehmen wissen jetzt um ihre Schwachstellen und können handeln“, sagte Bernardino. Ergebnisse einzelner Versicherer wollte die Eiopa nicht nennen. Auch zum Abschneiden in den einzelnen Ländern machte die Behörde keine Angaben. Die Teilnahme an dem Test war den Unternehmen freigestellt.

Im Stresstest hielten die Versicherer noch weiteren Szenarien stand. Eine stark steigende Inflation würde bei acht Prozent der Versicherer dringenden Kapitalbedarf auslösen. Stark steigende Zinssätze für Staatsanleihen würden fünf Prozent unter die kritische Marke drücken. Nicht untersucht wurde, wie sich ein Schuldenschnitt oder gar eine Staatspleite in Griechenland auf die Versicherer auswirken würden.

Laut einer anderen Studie könnten deutsche Lebensversicherer allerdings auch ohne Krise Kapitalprobleme bekommen. Unter den „Solvency II“-Regeln falle die Solvenzquote von jedem vierten deutschen Lebensversicherer unter die kritische 100-Prozent-Marke, heißt es in einer Untersuchung der Unternehmensberatungen Bain & Company und Towers Watson vom Montag. Die wesentliche Ursache für dieses schwache Ergebnis sei der hohe Anteil von Rentenversicherungen mit langen Laufzeiten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

Der deutsche Versicherungsverband GDV rechnet hingegen mit keinem großen Kapitalbedarf für die Branche. So habe die EU-Kommission erkannt, dass die Regeln für langfristige Zinsgarantien in der Lebensversicherung anders gefasst werden müssten als zunächst geplant. An konkreten Vorschlägen werde derzeit gearbeitet. Im Zuge von „Solvency II“ müssen Versicherer langfristige Garantieversprechen an ihre Kunden mit mehr Kapital unterlegen als bislang.