Griechisches Sparpaket übertragen

So viel müsste in Deutschland gespart werden

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Florian Hassel und Tobias Kaiser

Überträgt man das Sparpaket der Griechen auf deutsche Verhältnisse, wird klar, wie hart es für die Hellenen wirklich ist. Deutschland müsste 117 Milliarden Euro sparen.

Es ist ein Dokument mit harmlosem Namen, das Finanzminister Evangelos Venizelos Griechenlands Parlamentariern kommenden Montag übergeben muss. Doch die „Mittelfristige Finanzstrategie Griechenlands 2011–2015“ ist die umfangreichste Giftliste, die je eine Athener Regierung dem Volk zugemutet hat. In ihr steht, wo die Griechen finanziell Verzicht leisten müssen.

Neben Steuererhöhungen sollen Angestellte und Beamte, je nach Einkommen, einen „Solidaritätszuschlag“ zwischen ein und fünf Prozent zahlen. Das steuerfreie Grundeinkommen wird auf 8000 Euro gesenkt. Autobesitzer zahlen eine höhere Kfz-Steuer, Hausbesitzer eine höhere Grundsteuer. Für Restaurants steigt die Mehrwertsteuer um zehn Prozentpunkte auf 23 Prozent. Das Gehalt von Beamten wird fünf Jahre lang eingefroren, Zuschläge werden gestrichen. Und so weiter.

Die Sparmaßnahmen, denen das Parlament am Dienstag zustimmen soll, folgen Einschnitten des vergangenen Jahres: 2010 wurden vielen Griechen Weihnachts- und Urlaubsgeld gestrichen, Gehälter gekürzt, viele Steuern erhöht. Dies reichte freilich nicht, deshalb folgt jetzt Sparplan zwei – auf Druck der Kreditgeber: Nur dann wollen die weitere Milliardenhilfen vergeben.

Schon 2010 verzichtete Griechenland auf Ausgaben im Gegenwert von knapp fünf Prozent seiner Jahreswirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Die Deutschen hätten dafür über 117 Milliarden Euro sparen müssen – so viel wie die Ausgaben der Bundeskanzlerin, aller Diplomaten und der Ministerien für Inneres, Justiz, Finanzen, Wirtschaft, Ernährung und Landwirtschaft, Verteidigung, Bildung und Forschung, Verkehr, Gesundheit sowie Familien und Senioren zusammen. Und müssten die Deutschen so weitersparen, wie es den Griechen nun bevorsteht, wären das 71 Milliarden Euro – pro Jahr. Athen soll zudem für 50 Milliarden Euro Staatseigentum privatisieren. Übertragen auf Deutschland, müsste der Bund Eigentum im Wert von 555 Milliarden Euro verkaufen. Das entspräche dem aktuellen Marktwert von zwei Dritteln aller Dax-Unternehmen, darunter Weltkonzerne wie Allianz, BASF und Deutsche Bank.

Doch so scharf der verordnete Sparkurs in Griechenland ist, so unvorstellbar war zuvor das Prassen auf Pump. Erst als die Griechen vor dem Bankrott standen, begann die Regierung Papandreou, finanziell die Hosen herunterzulassen. So wurde bekannt, wie viele Staatsdiener das Land überhaupt hat. Das Ergebnis: 767000 Griechen waren Beamte. Dazu kamen rund 300000 Angestellte mit befristeten Verträgen. Jeder vierte arbeitende Grieche ist im Staatsdienst beschäftigt. Und dann ist da noch eine sechsstellige Zahl von Mitarbeitern maroder Staatsbetriebe. In Deutschland mit gut 40 Millionen Erwerbstätigen ist etwas mehr als jeder zehnte im öffentlichen Dienst. Bis 2015 soll in Griechenland die Zahl der Beamten auf 577000 sinken. In Deutschland entspräche dies der Zahl aller Soldaten und Beamten von Bundeswehr, Polizei, Unis und Hochschulen.