Frauenquote

Kleine Börsen-Firmen hängen Dax-Konzerne ab

Die Führungsetagen kleiner Unternehmen sind laut Studie viel weiblicher als die der Dax-Konzerne. Einzig Siemens schafft es unter die Top Ten.

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Kleinere börsennotierte Unternehmen schneiden bei der Frauenquote an vorderster Front besser ab als die großen Dax-Konzerne: In einem neuen Ranking, das erstmals den Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Vorständen aller 160 im Dax, Mdax, Sdax und TecDax notierten Unternehmen widerspiegelt, haben es fünf SDax-Unternehmen unter die Top Ten geschafft – darunter das Marktforschungsunternehmen GfK (Platz eins), der Motorenhersteller Deutz (Platz drei) und das Biotechnikunternehmen Biotest (Platz fünf).

Allein Siemens konnte sich als einziger Dax-Konzern ein Plätzchen unter den zehn in puncto Geschlechtervielfalt fortschrittlichsten Unternehmen hierzulande sichern: Der Münchner Konzern landete auf dem achten Rang. Die im Mdax notierte Axel Springer AG („Bild“, „Welt“) konnte Platz 29 ergattern. Mit dem „Women-on-Board“-Index (WOB) will die Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) eine verlässliche Datenbasis schaffen, mit dem die Fortschritte der Unternehmen bei ihrem Engagement für mehr weibliche Führungskräfte messbar werden. Dadurch soll der Druck auf die Wirtschaft steigen.

Die zehn Jahre alte Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Führungspositionen zu holen, sei auf ganzer Linie gescheitert, wetterte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow und forderte den Gesetzgeber auf, endlich zu handeln. De facto ist der politische Druck auf die Wirtschaft in Sachen Frauenmangel immer größer geworden: Nachdem einschlägige Frauenförderprogramme über Jahrzehnte hinweg keine überzeugenden Ergebnisse gezeitigt haben, drohen selbst Spitzenpolitiker inzwischen immer häufiger mit einer gesetzlichen Frauenquote für börsennotierte Konzerne.

Wirtschaft hat den Handlungsbedarf erkannt

Deshalb und mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel hat auch das Gros der Wirtschaftsvertreter inzwischen den Handlungsbedarf erkannt: Selbst die fast durchweg mit Männern besetzte Regierungskommission für gute Unternehmensführung hat sich des Themas angenommen und vor zwei Jahren eine Empfehlung für mehr Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen in ihren Corporate Governance Kodex aufgenommen. Bislang sind die Erfolge dieses Bewusstseinswandels jedoch noch immer bescheiden.

Dem Wob-Index zufolge sind Frauen in den Chefetagen börsennotierter Unternehmen nach wie vor eklatant unterrepräsentiert: Gerade einmal 6,5 Prozent der Aufsichtsrats- und Vorstandsmandate in allen 160 Unternehmen verfallen auf weibliche Führungskräfte. In den Aufsichtsräten liegt die Quote – vor allem dank der Arbeitnehmervertreter – bei zehn Prozent, in den Vorständen nur bei drei Prozent. 74 Unternehmen und damit fast die Hälfte der börsennotierten Garde kann keine Frau in Vorstand oder Aufsichtsrat vorweisen.

Doch die Fidar-Untersuchung gibt auch Anlass zur zaghaften Hoffnung, zeigt sie doch, dass sich immer mehr Unternehmen inzwischen intensiv mit dem Thema Vielfalt beschäftigen und dies auch in Geschäftsberichten und Entsprechungserklärungen dokumentieren. Über Lippenbekenntnisse scheint es jedoch oft noch nicht hinauszugehen: Lediglich 12 Prozent der börsennotierten Unternehmen weist darauf hin, in diesem Jahr eine konkrete Planung bezüglich einer größeren Beteiligung von Frauen in Topppositionen vorzulegen. Und nur eine Handvoll der untersuchten Unternehmen hat bereits konkrete Ziele angekündigt.