Autohersteller

Chinesen übernehmen Mehrheit bei Saab

Der nächste Versuch: Der in der krise steckende schwedische Autohersteller Saab bekommt neuen Besitzer. Aus China: Zwei chinesische Unternehmen zahlen insgesamt 245 Millionen Euro und übernehmen die Mehrheit.

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Schwedens strauchelnder Autobauer Saab gibt in seinem Überlebenskampf die Konzernmehrheit an zwei chinesische Unternehmen ab. Die Vereinbarung spüle insgesamt 245 Millionen Euro in die Kassen, teilten das klamme Unternehmen und der niederländische Eigner Spyker mit. Dafür erhielten der Autohändler Pangda 24 Prozent und der Konzern Zhejiang Youngman Lotus Automobile 29,9 Prozent an Saab. Zudem planten die drei Partner Produktions- und Vertriebs-Gemeinschaftsunternehmen in China. Eine nicht bindende Absichtserklärung sei für den Deal unterzeichnet worden, der noch der Zustimmung unter anderem der Regierungen in Stockholm und Peking bedarf.

Damit sei in zwei bis drei Monaten zu rechnen, sagte Spyker-Chef Viktor Muller der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Doch Experten zeigten sich skeptisch: „Das wird nicht einfach“, sagte AEK-Analyst Martin Crum. In Amsterdam schossen Spyker-Aktien mehr als 27 Prozent in die Höhe. Die Niederländer bemühen sich seit Wochen fieberhaft um frisches Geld für Saab, weil durch die Finanznot die Bänder seit Wochen immer wieder stillstehen. Um ihre Bezahlung besorgte Zulieferer wollten den Schweden keine Bauteile mehr liefern.

Vorerst allerdings bleiben die Bänder im Saab-Stammwerk Trollhättan wegen unbezahlter Rechnungen an Zulieferer bis mindestens Freitag erneut stehen. Eine Unternehmenssprecherin sagte im Rundfunksender SR, man benötige „mehr Zeit, um den reibungslosen Materialfluss wiederherzustellen“. Bis Ende Mai war die Produktion knapp sieben Wochen am Stück ausgefallen. Möglichst schnell Kapital beschaffen will Saab auch durch den Verkauf der eigenen Fabrikanlage, die dann zurückgemietet werden soll. Man erwarte eine „Bekanntgabe dazu in Kürze“, teilte die Unternehmensleitung in Trollhättan nordöstlich von Göteborg mit.

Während bisher stets der russische Bankier Wladimir Antonow als wahrscheinlicher Käufer galt, berichtete die Wirtschaftszeitung „Dagens Industri“ am Montag, dass der schwedische Immobilien-Investor Hemfosa vor der Einigung mit Saab stehe.

Spyker hatte bereits zuvor versucht, für die Saab-Rettung ein chinesisches Unternehmen ins Boot zu holen. Doch der Deal mit Hawtai Motor scheiterte. Kurz darauf setzte Spyker-Chef schon auf die chinesische Pangda, die zunächst Investitionen von 65 Millionen Euro in Aussicht stellten. Nun soll Pangda 109 Millionen Euro für seinen Anteil von knapp einem Viertel an Saab hinlegen. Zudem einigte sich Spyker noch mit dem zweiten Auto-Unternehmen aus der Volksrepublik, das 136 Millionen auf den Tisch legen soll.

Die niederländische Automanufaktur Spyker hatte Saab Anfang 2010 dem US-Konzern General Motors abgekauft und so ein Ende der Kultmarke vorerst verhindert.