Konjunkturboom

Deutsche machen Wirtschaft exportunabhängig

Hamburger Ökonomen haben ihre Prognose für die deutsche Konjunktur angehoben. Besonders die Verbraucher geben der Wirtschaft Schwung und machen sie so weniger abhängig vom Export.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland kräftig angehoben. Für das laufende Jahr sagen die Wirtschaftsforscher nun ein Wachstum von 3,5 Prozent voraus. Bisher war das HWWI von einer Verbesserung der Wirtschaftsleistung um 2,3 Prozent ausgegangen. Für das Jahr 2012 wird mit einem Wachstum von 2,2 Prozent gerechnet, wie das HWWI mitteilte.

Der Erholungsprozess basiere auf einer breiten Basis, und die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien derart günstig, dass sich eine Fortsetzung des Aufschwungs erwarten lasse, stellen die Forscher fest. Nach ihren Ergebnissen wollen die Unternehmen die Beschäftigung weiter erhöhen, „so dass mit steigenden Einkommen auch der private Konsum weiter zunehmen wird“.

Nach Überzeugung der Hamburger Ökonomen zieht vor allem die Nachfrage im Inland an, die deutsche Wirtschaft wird weniger exportabhängig: Der private Konsum habe sich gefestigt und habe „zuletzt um knapp zwei Prozent über Vorjahrsniveau“ gelegen. Die Ausrüstungsinvestitionen seien im ersten Quartal 2011 fast 20 Prozent höher als vor Jahresfrist gewesen. „Der Wohnungsbau wird durch die nach wie vor sehr niedrigen Zinsen angetrieben und im öffentlichen Bau wirken noch die Konjunkturprogramme nach“, erklärte das HWWI. Die Inflation von 2,3 Prozent sei wegen einer schwachen Lohnentwicklung akzeptabel.

Besonders das Handwerk profitiert stark vom wirtschaftlichen Aufschwung und konnte seine Umsätze im ersten Quartal deutlich steigern. Gegenüber dem ersten Quartal 2010 verzeichnete die Branche eine Umsatzsteigerung um 11,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte. Zugleich waren Ende März 2011 im Handwerk 1,1 Prozent mehr Personen tätig als im Vorjahresmonat.

Dabei konnten sich alle Gewerbegruppen über eine Umsatzsteigerung freuen. Der größte Zuwachs wurde mit einem Plus von 30,9 Prozent im Bauhauptgewerbe gemeldet. Wichtige Gründe für diese hohe Umsatzsteigerung sind nach Einschätzung der Statistiker der milde Winter im ersten Quartal 2011, insbesondere im Vergleich zum strengen Winter Anfang 2010.

Zweistellige Umsatzzuwächse verzeichneten auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (plus 19,7 Prozent), zu denen beispielsweise Metallbauer, Feinwerkmechaniker und das Kraftfahrzeuggewerbe gehören. Darüber hinaus gab es in fünf von sieben Gewerbegruppen Ende März 2011 mehr Beschäftigte als Ende März 2010.

Wiederum war der deutlichste Aufschwung im Bauhauptgewerbe mit einem Plus von 2,8 Prozent zu spüren. Mehr Beschäftigte gab es auch im gewerblichen Bedarf, im Ausbaugewerbe, im Gesundheitsgewerbe und im Kraftfahrzeuggewerbe. Demgegenüber sank die Zahl der Beschäftigten im Lebensmittelgewerbe leicht und in den Handwerken für den privaten Bedarf um immerhin 2,6 Prozent.