Atomausstieg bis 2022

Aktienkurse von AKW-Betreibern fallen

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Der Beschluss zum Atomausstieg bis zum Jahr 2022 schlägt an der Börse durch: Die Aktienkurse von Atomkraftwerk-Betreibern gaben am Montagmorgen deutlich nach. Aktien von Ökostrom-Produzenten legen dagegen zu.

Der Atomausstieg-Beschluss hat die Börsenkurse der großen Atomkraftwerk-Betreiber in Deutschland unter Druck gesetzt. Die Energiekonzerne E,on und RWE führten am Montagvormittag an der Börse in Frankfurt am Main die Liste der Verlierer im Dax an. RWE-Papiere verloren unmittelbar nach Handelsstart deutlich über zwei Prozent und erreichten einen Wert von 40,01 Euro. Das war der niedrigste Stand seit über sechs Jahren. Der Börsenkurs von Eon ging im Vergleich zum Schlusswert vom Freitagnachmittag um 1,87 Prozent zurück. Die Aktie war am Montagvormittag noch 19,64 Euro wert, so wenig wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr.

Einen Anstieg der Börsenkurse bescherte der Beschluss der Bundesregierung hingegen den Herstellern von Ökostrom-Anlagen. Der Kurs des Rostocker Windkraftanlagen-Bauers Nordex stieg am Montagvormittag um 5,6 Prozent, die Aktie erreichte damit einen Wert von 6,34 Euro. Auch Produzenten von Solarmodulen und Fotovoltaik-Systemen legten zum Handelsstart kräftig zu. Die Aktien des größten Solarmodul-Produzenten Europas, Solon aus Berlin, gewannen an der Börse über sechs Prozent und erreichten am Vormittag einen Wert von 2,70 Euro. Die Papiere des Bonner Solarunternehmens Solarworld erreichten mit einem Plus von 6,1 Prozent einen Wert von 9,38 Euro.

Ähnliche Entwicklungen an der Börse waren bereits im März zu beobachten gewesen. Nachdem die Bundesregierung als Reaktion auf die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ihr Atommoratorium beschlossen hatte, hatten die Kurse von Eon und RWE nachgelassen, die der Ökostrom-Branche dafür zugelegt.

RWE erwägt rechtliche Schritte gegen den von der Bundesregierung geplanten Atomausstieg. „Wir halten uns alle rechtlichen Möglichkeiten offen“, sagte ein Konzernsprecher. Nähere Angaben machte er nicht. Gegen das Atom-Moratorium von Bundeskanzlerin Angela Merkel geht der Versorger bereits als einziger Branchenvertreter vor Gericht vor. Auch eine Klage gegen die von der Bundesregierung nun nochmal festgeschriebe Brennelementesteuer gilt als wahrscheinlich. Ob der Ausstiegsbeschluss als solcher angefochten werden könnte, ist offen.

„Das Ende bis 2022 ist nicht das Datum, das wir uns gewünscht haben“, sagte der Sprecher. Der Konzern werde das Ergebnis nun in aller Ruhe analysieren. Zu den Auswirkungen auf die Jahresprognose 2011 werde sich der Konzern bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Halbjahr im August äußern und zur Mittelfristplanung wie üblich bei der Bilanzpressekonferenz im kommenden Jahr.