Gefährlicher Keim

EHEC-Krise - Bauern schreddern jetzt ihr Gemüse

Durch spanische Gurken sollen EHEC-Keime nach Deutschland gekommen sein. Doch nun stehen alle Gurken, Tomaten und Salat unter Generalverdacht. Viele Bauern müssen ihr frisches Gemüse vernichten. Der Bauernverband rechnet mit Millionenschäden – pro Tag.

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Nach Angaben des deutschen Fruchthandelsverbandes ist der Absatz eingebrochen. Kritik an den Pauschaläußerungen von Wissenschaftlern und Behörden.

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Die Nachfrage nach Gurken, Tomaten und Salat hat dramatisch nachgelassen. Obwohl spanische Importgurken als ein Träger des gefährlichen Darmkeims EHEC identifiziert worden sind, bleiben viele Verbraucher auch bei deutschem Gemüse noch sehr skeptisch. Vor allem im Norden Deutschlands bleiben die Bauern wegen der Angst vor den aggressiven EHEC-Keimen auf ihrer frischen Ware sitzen.

Das bedeute für die Bauern Umsatz-Einbrüche in Millionenhöhe, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. „Wenn die Kaufzurückhaltung so weitergeht, wird der Schaden noch höher werden als zwei Millionen Euro pro Tag“. Einzelne Betriebe könnten an den Rand ihrer Existenz geraten.

Derzeit sei die Ernte von Freiland-Salat sowie von Tomaten und Gurken aus dem Gewächshaus vielerorts in vollem Gange. „Wir müssen sehen, dass einzelne Betriebe, deren Ernte momentan ansteht, überproportional betroffen sind – das ist dann schon eine existenzielle Frage für die Betriebe“, sagte Sonnleitner.

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Aus Branchenkreisen im Lebensmittelhandel verlautete, bei einigen großen Händlern sei die Nachfrage nach Gurken, Salat und Tomaten regelrecht eingebrochen. Verbraucher fragten das Verkaufspersonal verstärkt nach der Herkunft der Ware. Damit schlagen die Auswirkungen von EHEC auf den deutschen Lebensmittelhandel an den stärksten Verkaufstagen der Woche durch. Die wirtschaftlichen Schäden lassen sich noch nicht abschätzen.

In Niedersachsen waren Bauern bereits gezwungen, das geerntete Gemüse wegzuschmeißen. Andere ließen das Gemüse auf den Feldern und pflügten es unter, sagte Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland am Freitag in Bremen. Er fordert ein klares Statement von der Politik: „Es muss gesagt werden, dass deutsches Gemüse keimfrei ist.“

„Allein in Niedersachsen haben fünf Großabnehmer im Einzelhandel ihre Gemüsebestellungen storniert“, erklärte Boese. Deutliche Absatzeinbrüche meldeten auch Bauern in Nordrhein-Westfalen. „Es geht da nicht um eine Kiste, es geht um ganze Lkw“, sagte Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Rückgänge um bis zu 70 Prozent

Die Erzeugergenossenschaft Landgard mit rund 700 Gemüsebetrieben am Niederrhein berichtete, der Absatz von Salat sei um 70 Prozent eingebrochen. Bei Tomaten und Gurken lagen die Rückgänge bei 25 Prozent. „Insgesamt lässt sich auch bei anderen Gemüseprodukten ein Rückgang von zehn Prozent feststellen“, erklärte Landgard, die zu den bundesweit größten der Branche zählt.

Zum Teil bekamen die Bauern die Verunsicherung ihrer Kunden direkt zu spüren: „Ein Landwirt hat gestern keine einzige Tomate in seinem Hofladen verkauft“, berichtete Peter Muß, Sprecher des Provinzialverbands Rheinischer Obst- und Gemüsebauern in Bonn. Viele Landwirte sind reine Spezialisten: Sie bauen im Treibhaus nur Tomaten oder Gurken an – entsprechend heftig trifft die Absatzkrise. „Für die Anbauer bricht zum Teil der Markt weg, und damit ist das Einkommen und die Existenz des Betriebes in Gefahr“, beschrieb der Sprecher des Provinzialverbandes die Lage.

Supermarktkunden meiden spanisches Gemüse

Deutschlands größter Handelskonzern Metro verzeichnet nach eigenen Angaben leichte Absatzrückgänge. „Wir spüren, dass der Absatz von Salat und Gurken zurückgegangen ist, allerdings in geringem Umfang“, sagte ein Metro-Sprecher. Die Kunden fragten deutlich häufiger als bisher nach dem Herkunftsland der Ware, schilderte der Sprecher des Konzerns die Folgen der Verbraucherfurcht vor dem aggressiven EHEC-Keim. Bei Gemüse aus Spanien seien die Kunden derzeit eher zurückhaltend.

Metro und die beiden führenden Lebensmittelhändler in Deutschland - Edeka und Rewe – erklärten, dass die Kunden in ihren Supermärkten keine leeren Regale vorfinden. Nachdem spanische Gurken am Donnerstag rein vorsorglich aus dem Gemüseangebot genommen worden seien, gebe es noch ausreichend Gurken aus anderen Anbauregionen. „Wir verfügen über zahlreiche Lieferanten aus Deutschland und anderen Ländern, so dass wir unseren Kunden weiterhin auch Gurken anbieten können“, erklärte ein Edeka-Sprecher. Angaben zum Absatz bei Gurken und anderem Gemüse machte die Genossenschaftsgruppe nicht.

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Spanische Gurken waren am Donnerstag als eine Ursache für die Infektionswelle in den Fokus gerückt. An Salatgurken aus Spanien fand das Hamburger Hygiene-Institut den Durchfall-Erreger. Die Proben stammten vom Hamburger Großmarkt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass weitere Lebensmittel eine Infektionsquelle waren, hieß es.