Nordafrika, Atomkraft, IWF-Chefposten

Das passiert beim G8-Gipfel in Deauville

Die Mächtigen der Welt treffen sich zum G8-Gipfel im französischen Deauville. Dabei sprechen sie über den Arabischer Frühling, die Risiken der Atomkraft und den zu vergebenen IWF-Chefposten

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Beim G8-Treffen in Deauville geht es auch um die Atomkraft und den Umbruch in der arabischen Welt

Video: Reuters
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Einmal im Jahr treffen sich die Staats- und Regierungschefs der acht Nationen, die als wirtschaftlich und politisch führend bezeichnet werden, zum sogenannten G8-Gipfel. Im Vordergrund dieser Treffen steht der direkte und informelle Austausch über internationale Schlüsselfragen. Zur G8 gehören neben den USA und Deutschland Italien, Großbritannien, Kanada, Japan, Russland und Frankreich, das derzeit die Präsidentschaft hält. Dieses Jahr findet der Gipfel im französischen Deauville statt.

Der Gipfel begann am Mittag unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen, über 10.000 Polizisten waren im Einsatz. Zunächst wollten die Staats- und Regierungschefs über die Lage der Weltwirtschaft beraten, die sich derzeit erheblich besser entwickelt als noch vor kurzem von vielen Experten erwartet. Für Deutschland halten inzwischen auch internationale Organisationen wie IWF und OECD ein Wachstum von mehr als drei Prozent für möglich, während die Bundesregierung noch von 2,6 Prozent Wachstum für 2011 ausgeht. Ein wichtiges Thema ist die Unterstützung der nordafrikanischen Reformstaaten. Auch die Atomkatastrophe von Fukushima und die Nachfolge von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn stehen auf der Agenda.

Merkel wirbt für Nordafrika-Unterstützung

Merkel sagte in einer Regierungserklärung bereits im Vorfeld mit Blick auf Nordafrika und den Nahen Osten: „Die Veränderungen haben eine Dimension, die auch nachfolgende Generationen als Zeitenwende bewerten werden.“ Deutschland werde in diesem Jahr 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen, in den nächsten Jahren dann 100 Millionen Euro zusätzlich. In Ägypten sollten damit 5000 neue Arbeitsplätze geschaffen und 10.000 Jugendliche zusätzlich ausgebildet werden. Merkel kündigte zudem eine Umschuldung von 300 Millionen Euro über vier Jahre an. Womöglich wird der Gipfel ein milliardenschweres Hilfeprogramm für Tunesien und Ägypten beschließen.

IWF-Frage soll nur am Rande behandelt werden

Die Frage eines neuen Chefs des Internationalen Währungsfonds soll nur am Rande des Gipfels besprochen werden. Am Mittwoch hatte sich Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde als Kandidatin um diesen Posten beworben. Wichtige Schwellenländer allerdings fordern, dass der Spitzenposten nicht mehr, wie es bislang eine ungeschriebene Regel vorsah, an die Europäer geht. Diese Praxis wird auch von Russland, das sowohl G8-Mitglied ist, aber auch der Schwellenländer-Gruppe BRICS angehört, bemängelt. Die wichtige Personalentscheidung soll bis zum 30. Juni fallen.

Van Rompuy verspricht, den Euro nicht fallen zu lassen

Die Europäische Union hat in der schwelenden Griechenland-Krise bekräftigt, die Gemeinschaftswährung mit allen Mitteln zu sichern. „Wir lassen den Euro nicht scheitern“, sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy kurz vor dem Gipfel der führenden Industrienationen und Russlands. Er sei zuversichtlich, dass Griechenland die erforderlichen Maßnahmen ergreifen werde, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Dies mache Anstrengungen nötig und könne auch zu sozialen Spannungen führen. Die Regierung in Athen müsse ihre Entscheidungen treffen. Beim G8-Gipfel werde nicht über Griechenland verhandelt, erläuterte van Rompuy

Weltweite Stresstests angedacht

Als Antwort auf die Atomkatastrophe sollen außerdem rasch die Sicherheitsvorschriften für Kernkraftwerke weltweit verschärft werden. Geht es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Europäischen Union, sollen sogar alle Meiler rund um den Globus mit Stresstests auf ihre Sicherheit überprüft werden

Klima, Welthandel, Internet, Armut, Iran

Die G8 wollen auch die Verhandlungen zum Klimaschutz bis zum nächsten Klimagipfel Ende des Jahres im südafrikanischen Durban vorantreiben. Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma will den G8 in Deauville erläutern, wie er die aktuelle Lage beurteilt.

Uneinigkeit bei Libyen

Ein Streitpunkt bei dem Gipfel könnte die Libyen-Politik werden. Während die NATO seit zwei Monaten mit Luftangriffen die Aufständischen gegen die autoritäre Herrschaft von Muammar Gaddafi unterstützt, kritisiert Russland diese Haltung.