Krankenkassen

Institut prognostiziert Zusatzbeiträge von 120 Euro

Die Ausgaben im Gesundheitswesen steigen drastisch. Folglich werden auch die Zusatzbeiträge klettern, bis 2020 auf 120 Euro jährlich?

Die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen dürften einer Studie des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie zufolge in den kommenden Jahren drastisch steigen. Bereits für Ende 2012 wird ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 21 Euro vorhergesagt, für Ende 2013 von 33 Euro und bis Ende des Jahrzehnts von 120 Euro monatlich, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf das von dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geleitete Institut berichtete. Derzeit erheben rund ein Dutzend Kassen Zusatzbeiträge von meist acht Euro im Monat. Die Experten unterstellen dabei ein jährliches Ausgabenwachstum der gesetzlichen Kassen von vier Prozent, was unter dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahre liegt.

Die Bundesregierung hatte angegeben, dass der Zusatzbeitrag 2012 im Schnitt im einstelligen Euro-Bereich bleiben und 2014 zwischen 10 und 16 Euro erreichen könnte. Mit der Gesundheitsreform stieg der Beitragssatz zu Beginn des Jahres von 14,9 auf 15,5 Prozent. Der Satz wurde eingefroren – alle künftigen Kostensteigerungen werden über Zusatzbeiträge und einen Sozialausgleich aus Steuermitteln beglichen.

Vor drastischen Kostensteigerungen bei den Zusatzbeiträgen warnte auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „70 Millionen Versicherten droht ein böses Erwachen, wenn die Kopfpauschale in den nächsten Jahren Wirklichkeit wird“, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in Berlin. Der DGB kündigte weitere Proteste gegen die von Union und FDP durchgesetzte Regelung an, wonach die Höhe von Zusatzbeiträgen nicht mehr gedeckelt ist und Versicherte erst dann einen Anspruch auf einen Ausgleich erhalten, wenn der Zusatzbeitrag zwei Prozent ihres Monatseinkommens überschreitet. „Wir wollen die Kopfpauschale kippen, bevor sie die Menschen trifft“, erklärte Buntenbach weiter. Ein entsprechende Petition wurde laut DGB bislang von 145.000 Bürgern unterzeichnet.