City-BKK-Pleite

Wie Sie für sich die richtige Krankenkasse finden

Nach dem Chaos bei der City BKK lohnt ein Blick auf die eigene Krankenversicherung. Morgenpost Online beantwortet die dringendsten Fragen.

Altersvorsorge, Geldanlage, Telefon-Anbieter – überall müssen Verbraucher sich informieren, entscheiden und mit jedem Wechsel wird der Ordner dicker. Nur beim Thema Krankenversicherung blieb der Papierstapel bisher meist recht dünn. Große Unterschiede konnten Versicherte bei ihren gesetzlichen Kassen nicht wahrnehmen. Wer einmal bei einer Kasse krankenversichert war, blieb es dort meist auch. Schon die ersten Zusatzbeiträge, die von Kassen erhoben wurden, ließen aber viele Versicherte aktiv werden und ihre Kasse wechseln.

Die Pleite der City BKK und das folgende Chaos zeigen endgültig, dass jeder seine Kasse auf Herz und Nieren prüfen sollte – zumindest, so weit dies möglich ist. Verbraucher sollten ihren Anbieter also genauestens hinterfragen.

Wie kann ich sehen, ob meine Kasse ebenfalls von der Pleite bedroht ist?

Das lässt sich leider nur schwer erkennen. Über die Finanzlage der Kassen ist nur wenig bekannt. Mit einer Pleitewelle rechnen Verbraucherschützer aber nicht. Sie gehen eher davon aus, dass immer mehr Kassen bald Zusatzbeiträge verlangen – und dass es zu weiteren Fusionen kommt. Von vielen unbemerkt ist die Zahl der Krankenkassen schon in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft. 1994 gab es sogar noch mehr als tausend Krankenkassen. Heute sind es nur noch etwas mehr als 150. Bei einer Fusion entsteht dem Versicherten in der Regel kein Ärger.

Was passiert, wenn meine Kasse doch Pleite gehen sollte?

Szenen wie bei der Pleite der City BKK, wo Versicherte bei anderen Kassen einfach abgewimmelt wurden, sollen künftig nie wieder vorkommen. Die gesetzlichen Kassen haben inzwischen gelobt, sich an Recht und Gesetz zu halten: Denn sie sind verpflichtet, neue Mitglieder aufzunehmen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Gesundheitszustand.

Was passiert, wenn ich mich dann gar nicht um eine neue Kasse kümmere?

Selbst wer im Fall einer Pleite nichts unternimmt, fällt nicht aus dem System. Er muss allerdings damit leben, dass Arbeitgeber oder Rentenversicherer ihn wieder bei der Kasse anmelden, bei der er vor der Pleite-Kasse war. Gibt es eine solche Kasse nicht, können Arbeitgeber oder Rentenversicherer ihn bei einer Kasse ihrer Wahl anmelden. Falls dies eine Krankenkasse ist, die einen Zusatzbeitrag erhebt, kann der Versicherte kein Sonderkündigungsrecht wahrnehmen, da er offensichtlich auf sein eigenes Kassenwahlrecht verzichtet hat. Ausnahme: Freiwillige Mitglieder müssen ihren Wechsel selbst erklären. Dabei ist eine dreimonatige Frist zu beachten. Die neu gewählte Versicherung gewährt den Versicherungsschutz rückwirkend. Diese Frist ist zu beachten, um den gesetzlichen Krankenversicherungsschutz nicht zu gefährden.

Warum verlangen immer mehr Kassen einen Zusatzbeitrag?

Schlicht, weil ihnen das Geld nicht reicht. Sie bekommen ihre finanziellen Mittel aus dem sogenannten Gesundheitsfonds. Dort werden die Beiträge gesammelt. Nach einem bestimmten Schlüssel wird das Geld verteilt – je mehr alte und kranke Versicherte eine Kasse hat, desto mehr bekommt sie. Reichen die Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds nicht aus, dürfen sie Zusatzbeiträge erheben. Es gibt aber auch eine Handvoll Kassen, die ihren Versicherten einen Teil der Beiträge wieder zurückerstatten (siehe Grafik).

Kann ich sehen, ob bei meiner Kasse ein Zusatzbeitrag droht?

Da hüllen sich die Versicherer in Schweigen. Viele Krankenkassen haben lediglich zugesagt, in diesem Jahr keine Zusatzbeiträge zu erheben. Da die Gesundheitsausgaben weiter steigen, ist wahrscheinlich, dass immer mehr Kassen weitere Beiträge verlangen. Dadurch werden sich die Kassen in Zukunft immer mehr von einander abheben.

Wie viel mehr kann das sein?

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hat die Versicherten damit aufgeschreckt, dass der Zusatzbeitrag auf 50 bis 70 Euro monatlich steigen könnte. Das Gesundheitsministerium hält dies auf absehbare Zeit nicht für realistisch, sondern rechnet damit, dass die Zusatzbeiträge sich im nächsten Jahr im „niedrigen einstelligen Bereich“ einpendeln werden. Bisher liegen die Zusatzbeiträge bei acht bis 15 Euro.

Kann ich wechseln, wenn meine Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt?

Ja. Führt die eigene Kasse einen Zusatzbeitrag ein, greift ein Sonderkündigungsrecht. Anders als bei einem normalen Kassenwechsel muss der Versicherte dann nicht erst 18 Monate in dieser Kasse versichert sein, um gehen zu können. Dem Versicherten steht es auch völlig frei, in welche Kasse er wechselt.

Sollte ich meine Kassenwahl nur von der Beitragshöhe abhängig machen?

Es kann auch Gründe geben, der Kasse, die zusätzliche Beiträge erhebt, treu zu bleiben, etwa, weil es eine Geschäftsstelle vor Ort gibt. Grundsätzlich gilt: Der Kunde sollte sich, gerade bei komplizierten Krankheitsgeschichten, bei seiner Kasse gut aufgehoben zu fühlen.

Wie unterscheiden sich die Krankenkassen bei den Leistungen?

Die Angebote weichen immer stärker voneinander ab. Zwar sind immer noch 95 Prozent der Kassenleistungen überall identisch. Über die restlichen fünf Prozent der Leistungen differenzieren sich die Kassen aber inzwischen. Es gibt Kassen, die besonderen Service bieten, andere haben zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen oder Gesundheitskurse im Programm oder wenden sich direkt an chronisch Kranke. Keine Kasse bietet alles. Bei der Stiftung Warentest gibt es beispielsweise einen Produktfinder, in dem die gewünschten Leistungen eingetragen werden können, das Programm filtert dann die in Frage kommenden Kassen heraus. Die Nutzung kostet drei Euro/Monat.

Sollte ich lieber zu einer privaten Krankenversicherung zu wechseln?

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) ist nur für freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) möglich. Die Versicherungspflichtgrenze liegt derzeit bei einem Jahreseinkommen von 49500 Euro. Ob es eine gute Lösung ist, sollten Versicherte genau überlegen. Für Arbeitnehmer, die älter als 40 Jahre sind, lohnt sich ein Neueintritt in die PKV meist nicht mehr, weil die Beiträge bereits am Anfang hoch sind und weiter steigen werden. Für über 55-Jährige ist ein Wechsel in die PKV grundsätzlich ausgeschlossen. Wer Kinder in der GKV kostenfrei mitversichert, sollte ebenfalls sehr gut durchrechnen, ob ihm die Beiträge in der PKV nicht über den Kopf wachsen. Anders als in der GKV wird dort jeder einzeln versichert. Jede private Krankenversicherung schreibt zudem eine Gesundheitsprüfung vor und kann auch Leistungsausschlüsse mit dem Versicherten vereinbaren. In der GKV ist dies nicht der Fall.