Studie

Düstere Aussichten für Berlins Wirtschaft

Schlechte Aussichten für Berlin. Trotz jahrelanger Wirtschaftsförderung wird Berlin seinen Rückstand bis 2030 nicht aufholen. Hoffnung gibt es jedoch in einigen Wachstumsfeldern.

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Der Wirtschaftsstandort Berlin kann einer neuen Studie zufolge seinen Rückstand zum Rest der Republik nicht aufholen. So wird die seit 2001 von Rot-Rot regierte Stadt bis zum Jahr 2030 beim Wachstum hinterherhinken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut Prognos für die Landesbank Berlin (LBB) erstellt hat und die der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach wird die Wirtschaft der Hauptstadt bis 2030 pro Jahr im Schnitt nur um 0,8 Prozent zulegen. Für den Bund sagt Prognos im selben Zeitraum ein durchschnittliches jährliches Wachstum von einem Prozent voraus. Für Brandenburg sieht die Prognos-Studie ein jährliches Wachstum von 0,9 Prozent, für Hamburg sogar 1,2 Prozent.

Für Politik und Wirtschaftsverbände ist das eine unangenehme Nachricht. Ihre Bemühungen zielen seit Jahren darauf ab, das Wirtschaftswachstum in der Stadt zu fördern. Erklärtes Ziel dabei ist es, dass Berlin stärker als der Bund wächst. Dies ist der Stadt zwischen 2005 und 2009 zwar gelungen. Dennoch hat Berlin immer noch erheblichen Rückstand. So ist die Wirtschaftsleistung je Einwohner nur rund halb so groß wie beispielsweise in Hamburg. Um den Rückstand auszugleichen, müsste Berlin über einen langen Zeitraum stärker als der Bund wachsen. Dafür hat der rot-rote Senat zwar zahlreiche Initiativen gestartet. So soll unter anderem mit dem „Masterplan Industrie“ eine Renaissance des Produktionsgewerbes in der Stadt eingeläutet werden.

„Ein realistisches Bild“

Die Prognos-Forscher räumen dem Projekt jedoch keine großen Chancen ein: „Bis 2030 wird sich der Strukturwandel durch einen weiteren Rückgang der Beschäftigten in der Industrie in Berlin und Brandenburg fortsetzen“, heißt es in der Studie. Die schwache industrielle Basis der Stadt ist laut der Studie der Hauptgrund dafür, dass Berlins Wirtschaft auch in den kommenden Jahren im Vergleich zum Bund schwächeln wird.

"Was die Studie zeigt, ist ein realistisches Bild“, sagte LBB-Firmenkunden-Vorstand Hans-Jürgen Kulartz im Gespräch mit Morgenpost Online Es werde in Berlin keine Reindustrialisierung geben. „Dafür fehlt hier die entsprechende Basis“, so Kulartz. Er sehe aber Chancen bei der Verknüpfung von Wissenschaft und Industrie.

Die schlechten Voraussetzungen der Stadt werden laut Prognos dazu führen, dass die Berliner Wirtschaft im Bundesvergleich noch unbedeutender wird. „Der Anteil Berlins an der bundesweiten Bruttowertschöpfung wird bis 2030 von 3,7 auf 3,5 Prozent zurückgehen“, heißt es. Zum Vergleich: Die gesamte wirtschaftliche Leistung Deutschlands betrug 2010 insgesamt 2,24 Billionen Euro. Berlin hatte also einen Anteil von 83 Milliarden Euro.

Im Jahr 2030 wird es in der Hauptstadtregion – also in Berlin und Brandenburg – erheblich an Fachkräften mangeln. In der Studie ist von 460.000 fehlenden Arbeitskräften die Rede. „Der Arbeitsmarkt Berlins bleibt zukünftig in hohem Maße auf eine überregionale Zuwanderung angewiesen“, heißt es in der Studie.

Wirtschaftliche Chancen sieht die Studie in den sechs Wachstumsfeldern, die die Länder Berlin und Brandenburg besonders fördern. Es sind die Gesundheitswirtschaft, Verkehr, Energietechnik, Kreativwirtschaft, Optik und Tourismus. Heute liegt die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich bei 553.000. Im Jahr 2030 sollen es 115.000 mehr sein.