Grundversorgung

Teldafax - 30.000 Berliner verlieren Stromlieferant

Bisherige Berliner Teldafax-Kunden haben seit heute einen neuen Stromanbieter. Vattenfall übernimmt die Versorgung, weil TelDaFax in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Der Billigstromanbieter Teldafax kommt seinen Zahlungsverpflichtungen weiterhin nicht nach. Jetzt müssen 30.000 Berliner Stromkunden von Teldafax zwangsweise zum Grundversorger Vattenfall Europe wechseln. Teldafax hat nach Angaben von Vattenfall Rechnungen für die Durchleitung im Berliner Stromnetz über Monate nicht gezahlt. Seit dem heutigen Mittwoch werden die Teldafax-Kunden von Vattenfall beliefert. Vattenfall betonte, dass die Versorgung nicht unterbrochen wird.

Die betroffenen Kunden sollen in den nächsten Tagen von Vattenfall schriftlich informiert werden. Sie hätten drei Monate Zeit, sich einen anderen Stromanbieter zu suchen. Niemand müsse Angst haben, zwischenzeitlich nicht mit Strom beliefert zu werden, hieß es. Die Preise der Ersatzversorgung entsprächen denen der Grundversorgung.

Auch in Hamburg sind mehr als 14.000 TelDaFax-Kunden von den Zahlungsstreitigkeiten zwischen den beiden Firmen betroffen. Sie würden ebenfalls von diesem Mittwoch an vom regionalen Grundversorger Vattenfall beliefert.

Es seien die „monatelangen Bemühungen“ von Vattenfall gescheitert, TelDaFax beim Überwinden finanzieller Probleme zu helfen. Seit Ende 2010 gab es Zahlungsprobleme. Eine Vattenfall-Tochter betreibt das Berliner Stromnetz. Energieanbieter, die in der Hauptstadtkunden versorgen, müssen dafür eine Gebühr entrichten. Da über Monate kein Geld geflossen ist, hat Vattenfall nun von seinem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht. Zuvor mussten Anfang April 2011 bereits 8400 Berliner Gaskunden von Teldafax zum Grundversorger Gasag wechseln. Denn Teldafax hatte auch die fälligen Gebühren für das Gasnetz nicht gezahlt.

Das Unternehmen aus Troisdorf bei Bonn hatte mit aggressiven Preisen erfolgreich Kunden angelockt und steckt nun in einer Krise. Der Strom-Discounter, der nach eigenen Angaben in Deutschland über rund 780.000 Kunden verfügt, kämpft seit Monaten ums Überleben. Erst vor sechs Wochen übernahm der Sanierungsexperte Hans-Gerd Höptner das Ruder bei TelDaFax. Kurz danach wechselte auch der Eigentümer.

Zahlreiche Netzgesellschaften in ganz Deutschland warten auf Geld. Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ räumte Teldafax-Chef Hans-Gerd Höptner, dass sein Unternehmen Außenstände in Höhe von 100 Millionen Euro hat. Das meiste Geld schuldet Teldafax Netzbetreibern wie Vattenfall. Vor rund einem Monat war ein russischer Investor bei dem Unternehmen eingestiegen. Mehrfach hatte Teldafax versprochen, die Außenstände zu beseitigen. Zumindest in Berlin ist nichts passiert.