Abwehrkampf gegen ACS

Hochtief-Aufsichtsrat verweigert den Rückzug

Eklat beim Baukonzern Hochtief: Der Aufsichtsrat will dem spanischen Angreifer ACS nur zwei Sitze abtreten. Ein Streit scheint unvermeidbar.

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Beim Essener Baukonzern Hochtief bahnt sich ein Eklat an. Wie Morgenpost Online aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfuhr, will das bestehende Kontrollgremium um den Vorsitzenden Detlev Bremkamp an seiner Vorschlagsliste zur Neubesetzung des Gremiums auf der Hauptversammlung am 12. Mai festhalten und noch heute seine Liste veröffentlichen. Ein Kompromiss mit dem spanischen Großaktionär ACS konnte demnach nicht gefunden werden. Da die Spanier nach Informationen von Morgenpost Online bereits die Hauptversammlungsmehrheit so gut wie sicher haben, dürfte die Bremkamp-Initiative allerdings chancenlos sein.

Geht es nach Bremkamp und vor allem dem früheren Hochtief-Chef und BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel, dann wird der neue Aufsichtsrat ähnlich dem alten sein. Neben Bremkamp und Keitel wollen auch Heinrich von Pierer und Wilhelm Simson erneut antreten. Letzterer hat mit einem Alter von 73 Jahren allerdings bereits das Höchstalter einer Aufsichtsratsernennung von 72 bei Hochtief überschritten. Zudem steht Manfred Wennemer auf Bremkamps Liste. Lediglich Tilman Todenhöfer möchte sich nicht mehr aufstellen lassen, ihm wurde auch in der Vergangenheit Sympathie für die spanische Position nachgesagt.

Sein Platz ginge dann an die Investmentgesellschaft des Emirates Katar, mit zehn Prozent zweitgrößter Aktionär von Hochtief. Den Spaniern blieben folglich nur zwei Sitze, womit sie sich nicht abfinden wollen. Dem Vernehmen nach halten sie bereits über 43 Prozent der auf der Hauptversammlung stimmberechtigen Anteile und bauen derzeit täglich ihre Position weiter aus. Folglich müssten fast 100 Prozent der Hauptversammlungsstimmrechte anwesend sein, wenn die Spanier noch überstimmt werden sollen.

Es ist somit so gut sicher, dass ACS seine Wunschliste durchsetzen wird. Dann wird der frühere Continental-Chef Wennemer Aufsichtsratsvorsitzender. Außerdem sollen Francisco Javier Garcia Sanz sowie der TUI-Chef Michael Frenzel als unabhängige Kandidaten in das Kontrollgremium einziehen. Hinzu kämen neben den bereits amtierenden Aufsichtratsmitgliedern Angel Garcia Altozano und Marcelino Fernandez zwei direkte ACS-Vertreter sowie der Abgesandte Katars. Damit hätte ACS lediglich vier Vertreter in einem Aufsichtsrat, der einschließlich der Arbeitnehmervertreter 16 Mitglieder umfasst.

Diesen Plan hält das Quartett aus Bremkamp, Keitel, von Pierer und Simson allerdings für inakzeptabel. „Die Spanier scheren sich nicht um die Minderheitsaktionäre, die de facto immer noch die Mehrheit der Stimmanteile halten“, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrats. Auch die vermeintlich unabhängigen Kandidaten einschließlich Wennemer seien von den Spaniern berufen. „Damit wäre ACS, wenn es diese Liste durchsetzt, im Aufsichtsrat überrepräsentiert.“ Allerdings sei man sich klar, dass man keine Chance habe: Man wolle vielmehr ein Zeichen setzen, dass bei Hochtief Kontinuität bewahrt bleiben müsse.

Allerdings zeichnen sich erste Risse zwischen Vorstand und bestehendem Aufsichtsrat ab. Bereits in der vergangenen Woche, als der Konflikt zwischen den Spaniern und Bremkamp bereits schwelte, sagte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter auf der Bilanz-Pressekonferenz: „Bei Aktiengesellschaften ist es üblich, dass sich die Besetzung des Aufsichtsrates an den Beteiligungsverhältnissen orientiert. Und die Aufsichtsratsmitglieder würden schließlich noch von der Hauptversammlung gewählt. Dem Vernehmen nach hält Lütkestratkötter, der selbst vehement gegen die Übernahme durch die Spanier gekämpft hatte, den Widerstand seines Aufsichtsrats für zwecklos.