Studien-Interpretation

Bundesamt relativiert Risiken der Energiesparlampe

Mehrere EU-Politiker wollen die Energiesparlampe stoppen – und verweisen auf Gesundheitsgefahren durch Quecksilber. Doch das Umweltbundesamt fühlt sich missverstanden.

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Das Umweltbundesamt (UBA) hat die Äußerungen über Gesundheitsgefahren durch das Quecksilber in Energiesparlampen relativiert. Die Behörde hatte Anfang Dezember berichtet, dass eine zerbrochene Energiesparlampe eine Quecksilberkonzentration freisetze, die den Richtwert von 0,35 Mikrogramm pro Kubikmeter um das Zwanzigfache überschreite.

Nun weist die Behörde darauf hin, dass die Studie nur auf Stichproben mit zwei zerbrochenen Birnen beruhe. Diese wurden überdies mehrere Stunden lang in einem geschlossenen Raum belassen.

„Es ist nicht so, dass sich das Umweltbundesamt gegen diese Lampen ausgesprochen hat“, betonte ein Sprecher der Behörde. Aus Sicht seines Ministeriums seien Energiesparlampen „kein großes Problem“. Zudem gelange bei der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken mehr Quecksilber in die Umwelt als durch die Lampen. Im übrigen gebe es energiesparende Alternativen wie Halogenlampen und so genannte LED-Birnen, die kein Quecksilber enthalten.

Das UBA rät Verbrauchern aber zu Energiesparlampen, die etwa durch eine Kunststoffummantelung vor dem Zerbrechen gesichert sind.

Der CDU-Umweltexperte im Europaparlament, Peter Liese, verteidigte den Einsatz energiesparender Lampen, räumte aber Probleme bei der Entsorgung ein. Diese müsse „bürgerfreundlicher“ gestaltet werden. Der Umweltausschuss prüfe derzeit entsprechende Vorschläge.

Sein Fraktionskollege Karl-Heinz Florenz warf den Herstellern der klassischen Glühbirne Versäumnisse vor. Vor allem die großen Hersteller Osram und Philips hätten sich jahrelang gegen das Verbot gestellt, anstatt rechtzeitig attraktive Alternativen zu entwickeln. Solange eine herkömmliche Glühbirne nur fünf Prozent der Energie in Licht umwandele und den Rest als Wärme verpuffen lasse, gebe es keine Alternative zu dem Verbot.

Herkömmliche Glühbirnen mit 100 Watt dürfen in der EU seit September 2009 nicht mehr verkauft werden, ein Jahr später trat das Verbot für 75-Watt-Birnen in Kraft. Ab September kommenden Jahres dürfen auch die am meisten verbreiteten 60-Watt-Birnen nicht mehr neu in Verkehr gebracht werden.

Im Europaparlament fordern einflussreiche deutsche Abgeordnete eine Aufhebung des Verbots: Sie hatten sich dabei auf die Studie des Umweltbundesamtes berufen. Die EU-Kommission hält an dem Verbot aber fest. „Es gibt kein Vorhaben der Kommission, die Gesetzgebung zu ändern“, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger.