Skimming

Banken tauschten Tausende Geldautomaten aus

Teures "Skimming": Große deutsche Banken haben laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" Tausende Geldautomaten austauschen müssen, weil die Geräte zu leicht zu manipulieren waren.

Wie die "Finacial Times Deutschland" (FTD) berichtet, mussten die großen Privatbanken im vergangenen Jahr fast ein Drittel ihrer Geldautomaten austauschen. Die Geräte waren demnach zu leicht zu manipulieren. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte am Dienstag mitteilte, durch das Ausspähen von Geheimzahlen an Geldautomaten sein 2010 ein Schaden von rund 60 Millionen Ezuro entstanden, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt seien 3183 Geldautomaten manipuliert worden.

BKA-Präsident Jörg Ziercke hatte darauf hingewiesen, dass die Zahl der Angriffe auf Geldautomaten im zweiten Halbjahr 2010 gesunken sei, weil eine bundesweit vertretene Bank mehrere hundert Automaten älterer Bauart ausgetauscht habe, die besonders anfällig für Attacken gewesen seien, fügte Ziercke an. Der Name der Bank wurde ausdrücklich nicht genannt. Die FTD berichtet nun, dass die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 1200 Geldautomaten ausgetauscht habe. Die Bank wollte diese Maßnahme nicht kommentieren.

Weiter berichtet die FTD, dass die Mitgliedsbanken der Cash Group 2010 rund 2500 Automaten ausgetauscht haben. In der Cash-Group sind die Banken HypoVereinsbank, Berliner Bank, Comdirect, Commerzbank, DAB, Deutsche Bank, Postbank, Norisbank und das Bankhaus Neelmeyer organisiert. Jede dieser Banken bietet den Kunden aller Cash-Group-Mitglieder eine gebührenfreie Geldausgabe an ihren Geldautomaten sowie an den Kassen von Tankstellen der Shell-Kette.

Die laut FTD bei Mitgliedesbanken der Cash Goup ausgetauschten Geldautomaten stammen dem Bericht nach sämtlich aus der Produktion von Wincor Nixdorf. Der nordrhein-westfälische Geldautomatenhersteller nahm dazu bislang nicht Stellung. Wincor Nixdorf hatte Anfang des Monats eine Gewinnwarnung herausgegeben. Der Aktienkurs des börsennotierten Firma war daraufhin um bis zu zehn Prozent gefallen.

Laut BKA waren 2010 rund 190.000 bis 200.000 deutsche Bankkunden von "Skimming" betroffen. Die Täter stammten demnach wie in den Vorjahren fast ausschließlich aus Osteuropa, meistens aus Bulgarien oder Rumänien. Sie würden meist in kleinen Gruppen vorgehen und hielten sich immer nur relativ kurze Zeit an einem Ort auf. Sie arbeiteten arbeitsteilig, griffen die Daten ab, produzierten damit falsche Karten und höben dann meist im Ausland das Geld ab. Kürzlich sei in Hessen eine Fälscherwerkstatt ausgehoben worden.

Das genaue Ausmaß der ergaunerten Abhebungen sei unbekannt. Ein Großteil der Straftaten werde nicht angezeigt, da die Betroffenen in der Regel die Gelder von ihren Banken erstattet bekämen. Die Kreditinstitute aber seien sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung ihrer Verluste durch den Kartenmissbrauch.

Im zweiten Halbjahr 2010 sei die Zahl der Attacken dann gesunken. Der Gesamtschaden ging in den ersten vier Monaten 2011 um rund 40 Prozent zurück, so Hans-Werner Niklasch, Geschäftsführer der Euro-Kartensysteme. Bei EC-Karten in Deutschland und Europa wurde zum 1. Januar 2010 von Magnetstreifen auf Chips umgestellt. Das erschwere das Abgreifen der Daten. Dem Kartennutzer empfahl er, beim Eingeben der PIN mit der anderen Hand die Tastatur abzudecken. Das verringere das Risiko.

Bei dem sogenannten Skimming wird am Automaten oder im Raum eine kaum zu erkennende Minikamera angebracht, mit der die Eingabe der PIN-Geheimzahl aufgenommen wird. Außerdem wird vor dem Kartenschlitz ein Lesegerät angebracht, mit dem die Daten aus der EC-Karte ausgelesen werden. Dieses Lesegerät ist eine Attrappe und fällt dem unkundigen Bankkunden in der Regel nicht auf.

Zierecke sagte, die Kunden sollten aufmerksam sein und nach Mini-Kameras auch in kleinen Löchern suchen. Sie sollten die PIN auch nicht aussprechen. Häufig installieren die Täter versteckte Mini-Kameras mit Mikrofonen oberhalb der Tastatur, zum Beispiel auch in den Sichtschutzblenden. Oder die Täter setzten Tastatur-Attrappen ein, die unmittelbar auf der Originaltastatur angebracht würden. Kameras würden auch in Attrappen von Rauchmeldern installiert. Der Anteil der Manipulationen an Türöffnern sei jedoch zurückgegangen von 13 auf 2 Prozent, weil die Öffner sicherheitstechnisch aufgerüstet oder abgeschaltet worden seien. Um Missbrauch zu verhindern, hätten Banken und Sparkassen 2010 über 300.000 Karten gesperrt, sagte Ziercke.

Es habe auch Mehrfachattacken auf einzelne Automaten gegeben, vor allem in Fußgängerzonen und in Bahnhöfen. 2010 wurden insgesamt 1765 Geldautomaten mehrfach mit "Skimming"-Apparaturen präpariert, 83 Prozent mehr als im Vorjahr, da waren es 964 Geräte. Die Karten-Betrüger würden auch neue Strategien entwickeln, sagte Ziercke. So seien im vergangenen Jahr erstmals Zapfsäulen mit Bezahlautomat manipuliert worden. An einer Tankstelle seien mit den entwendeten Kontendaten über 600.000 Euro kassiert worden. In diesem Jahr seien im März auch zum ersten mal manipulierte Ticket-Automaten der Deutschen Bahn entdeckt worden.