Brummi-Branche

MAN-Konzern steckt in einer doppelten Zwickmühle

Solange der Fall Ferrostaal schwelt, gibt es keinen Zusammenschluss zwischen Scania und MAN. Doch die Zeit drängt.

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Gute Zahlen und versöhnliche Töne waren von MAN zur Präsentation des Jahresabschlusses erwartet worden. Schließlich hatten die Münchner eigens die Bilanz-Pressekonferenz samt Hauptversammlung verschoben, um den Konflikt mit dem Staatsfonds IPIC wegen des Verkaufs von Ferrostaal beizulegen.

Gute Zahlen hat MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen tatsächlich verkündet, aber dabei anders als geplant kräftig ausgeteilt. Gegen den Staatsfonds, denn der versucht weiter, den Kaufpreis für Ferrostaal zu drücken. Nun beharken sich Alt- und Neueigentümer, drohen sich gegenseitig die Rückabwicklung des Kaufes an; IPIC hat gar ein Schiedsverfahren angestrengt. Ein solches kann sich hinziehen. Doch dass es dazu kommt, ist unwahrscheinlich, denn dafür stehen beide Seiten zu sehr unter Druck – MAN noch mehr als IPIC.

Alternativloser Zusammenschluss

Der Fonds ist verantwortlich für sämtliche Auslandsinvestitionen der Vereinigten Arabischen Emirate, er kann kein Interesse an einem langen Ringen haben. Denn das würde das Image von Ferrostaal weiter beschädigen, die Aussicht auf jene Renditen, wie man sie am Golf erwartet, sinken mit jedem Quartal, das der Streit anhält. MAN wiederum steckt doppelt in der Zwickmühle. Der Spruch des Schiedsgerichts kann nur ein Kompromiss sein, würde also einen Abstrich beim Kaufpreis bedeuten. Eine direkte Einigung mit IPIC wäre wohl noch teurer, aber schneller zu erzielen. Und der Faktor Zeit ist für MAN entscheidend.

Die Münchner arbeiten derzeit am Zusammenschluss mit Scania, sanft gedrängt vom VW-Konzern, der an den Schweden die Mehrheit und an MAN fast ein Drittel der Anteile hält. Auf Dauer sind sowohl der Edeltruck-Bauer Scania als auch MAN zu klein, um im globalen Wettbewerb der Brummi-Branche mithalten zu können. Ein Zusammenschluss ist ohne Alternative, das weiß man bei beiden Unternehmen. Eine lose Kooperation kann nur kurzzeitig eine Option sein, die Einkaufsmacht von Scania und MAN ist so groß, dass das die Kartellbehörden auf den Plan rufen würde. Mit einer Fusion kann man das Problem beheben, doch solange der Fall Ferrostaal schwelt, gibt es keinen Zusammenschluss.

VW kann und wird den Scania-Aktionären keine Zusammengehen mit MAN zumuten, das unkalkulierbare finanzielle Risiken birgt. Letztlich wird MAN nicht umhin können, IPIC zähneknirschend noch ein Mal entgegenzukommen. Langfristig ist das der geringere Schaden.