Ferrostaal

Lkw-Hersteller MAN zankt sich mit arabischem Fonds

Der Nutzfahrzeughersteller MAN will schon lange mit Scania fusionieren. Doch im Weg steht ein Streit mit einem Staatsfonds aus Abu Dhabi.

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Die Hoffnung auf eine rasche und dauerhafte Klärung der Besitzverhältnisse beim Essener Ferrostaal-Konzern haben sich zerschlagen. Der Nutzfahrzeughersteller MAN und der Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi konnten sich bis zur Verkündung der Unternehmenszahlen des Münchner Dax-Konzerns nicht auf Modalitäten für einen endgültigen Verkauf des Industriedienstleisters einigen – im Gegenteil. Die Fronten zwischen MAN und dem arabischen Fonds sind verhärteter denn je.

„Wir waren zu deutlichen Zugeständnissen gegenüber IPIC bereit. Aber um zu einer Lösung zu kommen, muss es auch bei allen Beteiligten eine Bereitschaft dafür geben“, sagte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen. „Wir werden keine Einigung um jeden Preis anstreben.“ MAN schließt nun eine Rückabwicklung des Verkaufs seiner von einer Korruptionsaffäre erschütterten früheren Tochter nicht aus. „Das wäre eine Variante“, sagte MAN-Finanzvorstand Frank Lutz.

2009 hatte MAN 70 Prozent von Ferrostaat an IPIC verkauft und dafür 450 Millionen Euro erlöst. Die übrigen 30 Prozent sollten im vergangenen Jahr folgen. Nachdem massive Korruptionsvorwürfe gegen Ferrostaal bekannt geworden waren, sah sich der Fonds getäuscht. IPIC droht mit Rückabwicklung bzw. stellte Nachforderungen – zuletzt offenbar immer höhere. „Der Forderungskatalog von IPIC war jedenfalls vor sechs Wochen ein anderer als heute“, sagt Lutz.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, verlangt IPIC inzwischen nicht nur einen Nachlass beim Kaufpreis, weil die Korruptionsaffäre das Image Ferrostaals beschädigt habe, sondern will auch, dass MAN das drohenden Bußgeld übernimmt. Die Rede ist von möglicherweise 200 Millionen Euro. Zudem soll der Lastwagenbauer für die eigentlichen Schmiergeldzahlungen aufkommen, also jene Summen, mit denen Ferrostaal-Manager nachhalfen, um an Aufträge zu kommen.

Das alles könnte teuer werden. Würde das Geschäft rückgängig gemacht, müssten die Münchner womöglich den Betrag samt Zinsen an den Fonds zurückzahlen. Nicht ausgeschlossen ist, dass IPIC darüber hinaus Schadenersatzforderungen geltend macht. Bis vor Kurzem war die MAN-Führung davon ausgegangen, dass eine Einigung mit dem Staatsfonds in absehbarer Zeit erreicht werden könnte. Der Lastwagen- und Motorbauer hatte seine Bilanzpressekonferenz um drei Wochen nach hinten verlegt und zudem die Hauptversammlung verschoben, um Zeit für eine Klärung zu gewinnen.

Tür bleibt weiter offen

Nachdem sich diese Hoffnung zerschlagen hat, lässt man bei MAN das Schiedsgerichtsverfahren, das IPIC angestrengt hat, laufen, allerdings nicht, ohne weiter Einigungswillen zu zeigen: „Man kann sich trotz dieses Verfahrens immer noch am Verhandlungstisch verständigen“, sagte Finanzvorstand Lutz. „Die Türe ist offen, aber sie war schon mal offener.“ Dass Ferrostaal letztlich bei MAN verbleibt, wäre für die Münchner eine Notlösung.

Dass der Essener Konzern aller Schmiergeldvorwürfe zum Trotz operativ gut dasteht und „Perspektive hat“, lässt man bei MAN gern durchblicken. Doch zum übrigen Geschäft des Lastwagen- und Motorenbauers passt Ferrostaal nicht mehr. „Wir konzentrieren uns auf die Geschäftsfelder Commercial Vehicles und Power Engineering“, sagte Finanzvorstand Lutz. Ferrostaal sei nicht Teil der langfristigen Strategie. MAN ist auch an einer schnelle Lösung interessiert, weil das Tauziehen um Ferrostaal eine Hürde für den geplanten Zusammenschluss mit der Lastwagenbauer Scania ist.

Die beiden Konzerne sollen zu einem Branchenriesen verschmolzen werden, Drahtzieher der anvisierten Elefantenhochzeit ist der Volkwagen-Konzern, der an Scania 70 Prozent und an MAN 29,9 Prozent hält. MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen erklärte zwar, die offene Fragen rund um Ferrostaal blockierten den Zusammenschluss mit Scania nicht. Doch VW-Chef Martin Winterkorn hatte jüngst die Parole ausgegeben, der Lastwagenriese Scania-MAN solle erst dann endgültig geschmiedet werden, wenn der Fall Ferrostaal vom Tisch sei.

Das Thema – vor allem seine finanziellen Auswirkungen – sollen die Neuformierung des Lkw-Geschäfts von VW nicht belasten. Pachta-Reyhofen räumte denn auch ein, vor einen Zusammengehen mit Scania sei es „wichtig, die Risiken einzugrenzen“. Immerhin können die Münchner, die fürchten gegenüber der VW-Tochter Scania ins Hintertreffen zu geraten, mit einigem Selbstbewusstsein in die Fusion gehen. Im operativen Geschäft läuft es wieder, der Auftragseingang schnellte vergangenes Jahr um 53 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro hoch.

Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro und soll dieses Jahr um weitere sieben bis zehn Prozent auf rund 16 Milliarden Euro wachsen. Das erste Quartal sei hervorragend gelaufen, sagte Pachta-Reyhofen. Der operative Gewinn verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf 1,04 Milliarden Euro und soll, weil die Umsatzrendite auf acht Prozent klettert, dieses Jahr um ein Viertel zulegen. Unter dem Strich blieben MAN im vergangenen Jahr 722 Millionen Euro nach Steuern, nach einem Verlust von 258 Millionen im Vorjahr.