Erbstreitigkeiten

Frau Dussmann räumt den Konzern auf

Die Dussmann-Gruppe ist ein Riesenunternehmen, macht 1,4 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr und ist Vorstandschef und Finanzvorstand losgeworden. Peter Dussmanns Frau Catherine hat für ihren schwerkranken Mann die Geschäfte übernommen. Und sie räumt auf - und aus.

Foto: Joerg Krauthoefer

Catherine Dussmann hat eigene Pläne mit dem gleichnamigen Berliner Konzern - und die amerikanische Ehefrau des Firmengründers Peter Dussmann setzt sie auch durch. Das haben zwei gestandene Manager bereits erfahren müssen. 2009 drängte sie den Unternehmer und Ex-Bahnchef Heinz Dürr von der Spitze des Aufsichtsrates. Vor gut zwei Wochen musste Vorstandschef Thomas Greiner gehen - zusammen mit Finanzchefin Christiane Jaap. Dürr und Greiner waren enge Vertraute ihres Mannes. Beide eint, dass sie zu den Vorgängen nichts sagen wollen. Catherine Dussmann schweigt bis zur Bilanzvorlage nächste Woche. Doch im Konzern mit seinen rund 55.000 Mitarbeitern gärt es.

Seit Peter Dussmann im Oktober 2008 einen schweren Schlaganfall erlitt, hat seine Frau Schritt für Schritt ihre Präsenz erhöht. Sie wurde erst Aufsichtsratsmitglied, und rückte nach wenigen Monaten an die Spitze des Gremiums. Parallel war sie immer öfter bei den zahlreichen öffentlichen Empfängen in der Hauptstadt zu sehen. Sie bezog das Büro ihres Mannes im siebten Stock über dem Kulturkaufhaus und rückte nahe an das Management heran, wohnte Vorstandssitzungen bei. Das führte schnell zu Konflikten mit dem selbstbewussten Thomas Greiner. Wie zu hören ist, war man sich in zahlreichen Fragen uneins. So wollte Catherine Dussmann schon im vergangenen Frühjahr das Jahres-Zahlenwerk präsentieren. Damals setzte sich noch Greiner durch.

Unstimmigkeiten mit dem Ex-Chef

Uneinigkeit soll es auch beim neuen Geschäftsfeld Betriebskindergärten gegeben haben. Unter der Marke "Dussmann-Kulturkindergarten" will der Konzern Betriebskitas für Unternehmen betreiben. Eine erste Einrichtung am Unfallkrankenhaus in Marzahn eröffnet im Juni. Entsprechende Pläne gibt es seit Ende 2008. Angeblich bevorzugte Greiner den Kauf einer bestehenden Kita-Kette. Catherine Dussmann wollte ein eigenes Konzept und setzte sich damit durch.

"Sie begnügt sich nicht mit einer Rolle im Hintergrund. Es drängt sie nach vorn", sagen Leute, die es weniger gut mit ihr meinen. Von anderer Seite ist zu hören, dass sie mit Greiners Führungsstil nicht einverstanden gewesen sei. Greiner soll es daran gemangelt haben, zwischen den selbstbewussten Chefs der Sparten zu moderieren. Man sei, so heißt im Umfeld des Hauses, nun wieder um mehr Einheit bemüht.

Die Dussmann-Gruppe gründet auf vier Säulen: Gebäudeservice, Senioren-Residenzen (Kursana), Büro-Dienstleistungen und dem Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße. Gebäudeservice - dazu zählen Putzen, Hausmeisterdienste und Kantinenbetrieb - sowie der Bereich Pflege sind die stärksten Teile des Dussmann-Imperiums.

Reinigungskräfte für den Flughafen Dubai

Der Konzern ist weltweit präsent, reinigt beispielsweise den Flughafen von Dubai und kocht in den Kantinen der italienischen Armee. Vorvergangenes Jahr setzte das Unternehmen rund 1,4 Milliarden Euro um. Kommenden Dienstag wird Catherine Dussmann gemeinsam mit dem neuen Vorstandschef Dirk Brouwers gute Zahlen verkünden. Diese sind, was niemand bestreitet, ein Verdienst von Brouwers Vorgänger Greiner.

Spätestens mit dem Abgang von Greiner ist deutlich, dass Catherine Dussmann nun endgültig das Sagen hat. Allerdings will sie in Zukunft weniger ins Tagesgeschäft hineinregieren. "Frau Dussmann möchte vor allem mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen", sagt Dussmann-Sprecher Jan Flaskamp. Ansonsten verweist er auf den Tag der Bilanzvorlage am kommenden Dienstag.

Die Unstimmigkeiten mit dem Vorstand sind durch die Personalentscheidungen ausgeräumt. Weitaus delikater ist jedoch die Eigentümerfrage. Peter Dussmann ist seit seinem schweren Schlaganfall pflegebedürftig. Die Krankheit machte ihm bei der Neuordnung des Unternehmens einen Strich durch die Rechnung. Er wollte die Konzernanteile in eine Stiftung einbringen. Angeblich war bereits alles unterschriftsreif ausgearbeitet. Doch dazu kam es nicht mehr.

Die Zukunft der Firma als Stiftung

Die Rechtsform von Dussmann ist nun die einer Führungsstiftung. Der ehemalige Aufsichtsrat ist nun ein Stiftungsrat mit Catherine Dussmann an der Spitze. Inhaber des Unternehmens ist nach wie vor Peter Dussmann - und zwar zu 100 Prozent. Erschwerend hinzu kommt, dass die einzige Tochter mit ihrer Mutter im Streit liegt. Wie sicher das Konstrukt im Falle eines Erbkonflikts ist, gilt als unklar.

Peter Dussmann gründete sein Unternehmen 1963 als Dienstleister für alleinstehende Männer. Schnell wuchs die kleine Firma zu einem internationalen Konzern, die für andere Unternehmen Dienstleistungen ausführt. 1986 kam die Seniorenresidenz-Kette Kursana hinzu. 1997 eröffnete Dussmann dann an der Friedrichstraße das Kulturkaufhaus.

Die Amerikanerin Catherine von Fürstenberg, Spross eines ausgewanderten deutschen Adelsgeschlechts, lernte Peter Dussmann 1980 kennen. Nun muss sie eines der größten und bekanntesten Berliner Unternehmen in die Zukunft führen.