Billigflieger

Ryanair reduziert Berlin-Angebot um die Hälfte

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ps/eag/rtr

Foto: picture alliance/ dpa

Als Reaktion auf die neue Ticket-Steuer wird der Sommerflugplan von Ryanair um 122 Flüge pro Woche reduziert. Der Flughafen Berlin-Schönefeld verliert mehr als die Hälfte der Airline-Flüge und damit pro Jahr etwa 900.000 Reisende.

Der größte europäische Billigflieger Ryanair streicht als Reaktion auf die neue Ticket-Steuer sein Angebot in Berlin-Schönefeld massiv zusammen. Die Strecken nach Frankfurt-Hahn, Bremen, Düsseldorf-Weeze und Kaunas (Litauen) würden eingestellt, teilte das irische Unternehmen am Dienstag mit. Grund seien Kosten durch die Steuer von acht Euro pro Flug. Acht weitere europäische Strecken blieben erhalten, würden aber zum Teil ausgedünnt. Insgesamt soll der Sommerflugplan ab Ende März/Anfang April um 122 Flüge pro Woche reduziert werden, dies seien 56 Prozent des Ryanair-Angebots von Berlin. Der Flughafen verliere so pro Jahr etwa 900.000 Reisende.

„Die anstehende Umsetzung der Luftverkehrsabgabe wird den Standort Deutschland im kommenden Jahr massiv beschädigen“, erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Durch die Streichungen von Ryanair seien rund 900 Arbeitsplätze am Flughafen Schönefeld und in der Tourismusbranche der Region betroffen. Deutschlandweit dürfte Ryanair drei Millionen Reisende weniger befördern, wodurch 3000 Arbeitsplätze verloren gingen. „Ryanair wird die derzeit noch in Deutschland eingesetzten Flugzeuge künftig an anderen europäischen Flughäfen stationieren, die kostengünstiger sind und deren Länder keine zusätzlichen Steuern erheben“, sagte O'Leary.

Auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hatte angekündigt, ihr Angebot zum Sommerflugplan wegen der Ticket-Steuer der Bundesregierung zu kappen. Berlin sei davon aber nicht betroffen, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die Berliner Flughäfen bedauerten die Entscheidung von Ryanair. „Die Luftverkehrssteuer wird – wie von uns prognostiziert – in 2011 Auswirkung auf den Streckenertrag mancher Airline haben“, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. Im Jahr 2010 hat die Ryanair auf den drei innerdeutschen Strecken zwischen Berlin und Bremen, Weeze sowie Hahn rund 500.000 Passagiere befördert.

Neben dem Standort Berlin sind zwei weitere Orte stark von den Sparplänen betroffen: Bremen und Weeze, das nahe der holländischen Grenze liegt. „Die Streckenreduzierungen von Ryanair an diesen Standorten werden zwangsläufig den jährlichen Verlust von drei Millionen Passagieren und 3000 Arbeitsplätzen mit sich ziehen“, warnte Ryanair-Chef Michael O'Leary deswegen.

Die großen Fluggesellschaften in Deutschland haben bereits einen unterschiedlichen Umgang mit der Luftverkehrsabgabe angekündigt: Während einige die neue Abgabe gar nicht an ihre Passagiere weitergeben wollen, kündigten andere Gesellschaften an, zusätzlich noch eine Bearbeitungsgebühr aufzuschlagen.

Rekordergebnis in Berlin

Derweil verzeichnen die Berliner Flughäfen für den Monat November ein Rekordergebnis. Tegel und Schönefeld zählten zusammen 1.868.275 Passagiere – ein Plus von 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Von Januar bis November wurden 20.709.362 Passagiere abgefertigt, ein Plus von 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf Schönefeld entfielen im November 568.831 Passagiere (Plus 9,2 Prozent). In Tegel wurden 1.299.444 Passagiere gezählt, 10,7 Prozent mehr gegenüber November 2009. Auch bei der Luftfracht legt Berlin zu: 2529 Tonnen wurden vergangenen Monat umgesetzt, 31,9 Prozent mehr im Vergleich zu November 2009. Aufs Jahr gerechnet, sind es bislang 24.663 Tonnen Fracht – 34 Prozent mehr als im Krisenjahr 2009.