Black Friday

Amerikaner geben sich dem Kaufrausch hin

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Viktoria Unterreiner

Foto: Reuters

Ein Fest für Schnäppchenjäger: Am "Black Friday" stürmen die Amerikaner die Läden. Einige öffnen bereits um vier Uhr morgens.

Man braucht schon einen guten Grund, um sich vor vier Uhr morgens freiwillig aus dem Bett zu schälen. Die amerikanischen Kaufhauskette Macy’s bot ihren Kunden daher gleich ein ganzes Bündel. Sie lockte mit reduzierten Pullovern, Parfums, Bettlaken und Toastern. Ein 14-teiliges Set an Kochtöpfen gab es für 160 Dollar (120 Euro), Handtücher schon ab sechs Dollar (4,50 Euro) aufwärts. Darüber hinaus noch mal 15 Prozent Rabatt, wenn man eine Kundenkarte benutzte. Ach ja, von Schmuck, Schuhen, Anzügen und Unterhosen im Abverkauf durfte man an diesem Tag noch einmal zusätzlich 15 Prozent abziehen.

Wie viel die Kunden am Ende für ihren Einkauf bezahlen mussten, ließ sich bei dieser Flut an Prozentzeichen kaum mehr im Kopf ausrechnen. Genau darauf setzt das Kaufhaus auch. Ab vier Uhr morgens konnten sich die Kaufwütigen bei Macy’s austoben. Und wer glaubt, dass es sich dabei nur um ein paar versprengte Schnäppchenjäger handelt, hat noch nie einen „Black Friday“ in den USA mitgemacht. Im Laufe des Tages mussten Seile aufgespannt werden, um die Massen mehr oder weniger geordnet auf die Rolltreppen zu leiten.

Für den US-Einzelhandel ist der Tag nach dem traditionellen Erntedankfest (Thanksgiving) das wichtigste Datum im Jahr. Denn erst nach diesem Tag beginnen viele Geschäfte, schwarze Zahlen zu schreiben, weshalb er Black Friday, also schwarzer Freitag, genannt wird. Zudem markiert er den Beginn des Weihnachtsgeschäfts. In den kommenden Wochen stellt sich für die Ladenbesitzer heraus, wie gut oder schlecht 2010 wirklich war. Der Black Friday gibt darauf schon mal einen guten Ausblick. Glaubt man dem Einzelhandelsverband NRF, hat sich die Lage wieder etwas entspannt. Der NRF schätzt, dass 138 Millionen Menschen an diesem Freitag, Samstag und Sonntag die Geschäfte stürmen werden. Das wären vier Millionen mehr als im Vorjahr.

Viele gehen dabei vor wie wahre Shopping-Profis. Dem Zufall wird an einem Black Friday wenig überlassen. Schon in den Tagen davor sind die Briefkästen voll mit Prospekten. Sie enthalten Coupons mit zusätzlichen Preisnachlässen. Außerdem stacheln die Läden die Kauflust an, indem sie den Mixer beispielsweise nur zwischen zehn und elf Uhr morgens zum halben Preis anbieten. Danach wird das Messerset reduziert. Viele Kunden machen sich daher regelrechte Schlachtpläne, um sich nur ja kein Angebot entgehen zu lassen. Dem Konsumindikator MasterCard Advisors SpendingPulse zufolge haben die Kunden im vergangenen Jahr an diesem einzigen Tag 18,6 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) ausgegeben.

Analysten lassen nichts unversucht, um einen Hinweis darauf zu bekommen, ob dieser Wert übertroffen werden könnte. So hat sich Thomson Reuters Satellitenbilder besorgt und beobachtet, wie voll die Parkplätze vor den Einkaufszentren waren. Was die Analysten sahen, dürfte sie vorsichtig optimistisch gestimmt haben. So waren die Parkplätze im November gut gefüllt. Demnach besuchten zwölf Prozent mehr Kunden die Shopping Malls als im Vorjahr. Auch die jüngsten Einzelhandelszahlen sind nicht mehr ganz so desaströs. Zwischen Juli und Oktober stiegen die Konsumausgaben mit 2,8 Prozent so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Einzelhandelsverband NRF rechnet damit, dass das Weihnachtsgeschäft um 2,3 Prozent besser ausfallen wird als im Vorjahr.

Dennoch kann auch das Spektakel am Black Friday nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rezession noch immer nachwirkt. Nach Ansicht von Harm Bandholz von Unicredit in New York bleibt die Ausgabenbereitschaft angesichts der anhaltenden Arbeitsplatzmisere verhalten. Zwar sieht es derzeit danach aus, als ob die von Präsident Barack Obamas Vorgänger George W. Bush erlassenen Steuererleichterungen für alle Amerikaner fortgesetzt werden. Allerdings laufen einige Maßnahmen aus dem Konjunkturprogramm aus, die beispielsweise Personen mit einem Einkommen von bis zu 75.000 Dollar entlastet hatten. Außerdem hat sich der Kongress noch nicht darauf geeinigt, ob er die Unterstützung für Langzeitarbeitslose erneut verlängert. Dies ist natürlich in erster Linie für die Arbeitslosen eine bange Frage. Doch abgesehen von den gravierenden Effekten für die betroffenen Familien würde der damit einhergehende Rückgang des verfügbaren Einkommens den Konsum zu Beginn des kommenden Jahres zusätzlich belasten, so Bandholz.